vor ein paar Tagen – die Bundesregierung hatte gerade den Entwurf für den Haushalt 2027 vorgelegt – reckten wir vor dem Bundeskanzleramt bunte Plakate hoch. „Rabattaktion“, „Sale“, „– 45 %“ stand darauf. Wir kritisierten die Kürzungspläne in der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Hilfe und einen Rückgang internationaler Solidarität. Die „Menschenwürde“, riefen wir, sei „im Ausverkauf“. Klingt drastisch, doch die Supermarktsprache war bewusst gewählt. Sie ist Ausdruck einer Frage, die wir und viele andere Organisationen in der Entwicklungszusammenarbeit sich derzeit stellen und der sich Anja Esch in ihrem Blog widmet: Wie dringen wir noch durch? Denn der allgemeine Spardruck führt zu einem doppelt besorgniserregenden Trend. Nicht nur wird am falschen Ende gespart – es werden auch scheinbar schnelle, vorzeigbare Lösungen präsentiert. So setzt das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit neuerdings – wieder – auf „Food fortification“: Grundnahrungsmittel wie Mehl, Reis, Öl und Salz sollen mit Vitaminen und Mineralien angereichert werden, um Mangelernährung zu bekämpfen. Dieser Ansatz wurde schon vor 15 Jahren diskutiert und als nicht nachhaltig bewertet. Während einer akuten Hungerkrise kann er Sinn ergeben. Damit sich aber eine Bevölkerung langfristig gesund ernähren kann, sollte sie nicht abhängig gemacht werden von künstlich angereicherten Grundnahrungsmitteln. Vielmehr sollte sie unterstützt werden, durch agrarökologischen Anbau vielfältige, gesunde Nahrungsmittel selbst zu produzieren. Entwicklungspolitik braucht nicht nur Geld, sondern auch strukturelle Veränderungen. Eine gerechtere Welt lässt sich nicht mal eben kaufen, schon gar nicht zum Schnäppchenpreis. Sie entsteht durch faire internationale Verbindungen und langfristige Zusammenarbeit – wie sie zum Beispiel tausende Partnerorganisationen von Brot für die Welt im Globalen Süden leisten. Was heißt das für unsere Öffentlichkeitsarbeit? Wir spitzen manchmal zu, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Und liefern Hintergründe, um Ihre Aufmerksamkeit zu bedienen. Beides bekommen Sie in diesem Politik-Brief. Gratis! Jetzt zugreifen!
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