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Trotz knapper Kassen: Wie dringen wir noch durch?

Eine gewisse Routine hat sich eingespielt: Wieder sollen die Mittel für die internationale Zusammenarbeit deutlich gekürzt werden. Zum fünften Mal in Folge. Das zeigt der Entwurf der Bundesregierung für den Bundeshaushalt 2027, der seit dem 6. Juli vorliegt.

Von Anja Esch am
Bäuer*innen in Lankapakalu / Andhra Pradesh zeigen die Vielfalt ihrer Feld- und Waldfrüchte

Menschen in Lankapakalu / Andhra Pradesh zeigten die Vielfalt ihrer Feld- und Waldfrüchte. Vielfalt ist ein Grundprinzip von Agrarökologie, reduziert Ernterisiken und gewährleistet eine vielseitige Ernährung.

Der Abwärtstrend scheint zum „neuen Normal“ zu werden. Doch wir als Zivilgesellschaft wollen uns mit den Kürzungen nicht abfinden. Wir machen deutlich, dass die Vielzahl an Kriegen, Krisen und Konflikten die Anzahl von Menschen in Not vergrößert hat. Wir ziehen Fakten heran, die alarmieren müssten. Weltweit sind 239 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Und bislang werden nur 30 Prozent der benötigten Mittel für Nothilfe bereitgestellt. Auch Deutschland hat die Mittel für humanitäre Hilfe gekürzt. Die Auswirkungen sind verheerend.

Immer wieder weisen wir auf die Situation der Ärmsten der Armen hin. Über 670 Millionen Menschen leider an Hunger, das ist fast jeder zwölfte Mensch weltweit. Neben dem „Totalausfall“ USA reduzieren auch die übrigen großen Geberländer Deutschland, Frankreich und Großbritannien die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. So werden geschätzte 9 bis 22 Millionen vermeidbare Todesfälle bis 2030 in Kauf genommen. Diese Informationen haben wir in einem Factsheet zusammengetragen, um die fatalen Folgen der Kürzungen zu verdeutlichen. Wir nehmen an, diese Fakten berühren, wecken Empathie, helfen, Abhilfe zu schaffen. Doch ist dem wirklich so?

Schlagen wir den falschen Ton an?

So wird uns vorgeworfen, wir seien zu schrill, zu alarmistisch. Mit solchen „Horrorzahlen“ würden wir niemanden im politischen Raum erreichen, heißt es. „Konfliktbelastete Themen“ würden den Zugang erschweren, wichtige Entscheidungsträger*innen könnten sich abwenden.

Schlagen wir also den falschen Ton an? Wie finden wir auch außerhalb eines wohlmeinenden Umfelds Gehör? Wie könnten wir besser durchdringen, um Veränderungen zu bewirken? Mit Blick auf die anstehenden Kürzungen stellen sich diese Fragen immer dringlicher.

Erfolgsgeschichten aus der Zivilgesellschaft

Ein oft gehörter Rat lautet: Die Zivilgesellschaft muss besser erklären, vermitteln, Erfolgsgeschichten aufzeigen. Das Narrativ wenden. Eigentlich erzählen wir schon immer Erfolgsgeschichten, aber vielleicht nicht oft genug. Schauen wir zum Beispiel auf jene in Andhra Pradesh in Indien, über die kürzlich sogar Spiegel online berichtete. Der südindische Bundesstaat setzt Agrarökologie um – und zwar auf einer Fläche so groß wie Niedersachsen und Hessen zusammen. Dabei handelt es sich nicht nur um die Förderung von einzelnen Pilotprojekten oder Nischenproduktion für die Mittel- und Oberschicht, sondern tatsächlich um eine Agrarwende im gesamten Bundestaat: in 12.900 Gemeinden mit sechs Millionen landwirtschaftlichen Betrieben auf acht Millionen Hektar Ackerfläche.

Die Einführung der ökologischen Landwirtschaft in diesem Flächenstaat, bekannt als das Programm APCNF (Andhra Pradesh Community Managed Natural Farming), startete bereits im Jahr 2016.  Von Anfang an haben unsere Partnerorganisationen vor Ort die Umstellung kritisch-konstruktiv begleitet und vorangetrieben, denn dieser Ansatz trägt zur Bekämpfung von Hunger und Armut maßgeblich bei. Zwar wächst die indische Wirtschaft stetig, doch auf dem Land herrscht vielerorts immer noch bittere Armut. Viele kleinbäuerliche Familien müssen um ihr Überleben kämpfen. Die agrarökologische Landwirtschaft hilft ihnen unmittelbar, weil sie unabhängig werden von großen Agrarkonzernen und dem Einsatz von Düngemitteln. Nun belegt ein aktuelles Gutachten, dass die Umstellung auf agrarökologische Methoden, anders als kritische Stimmen vorhersagten, nicht zum Rückgang der Ernten führt, sondern die Erträge stabil bleiben. Doch die Bäuerinnen und Bauern machen erheblichen Gewinn, weil ihre Kosten für Dünger, Pestizide und Lagerhaltung sinken. Zudem verbessert sich die Biodiversität spürbar.

Eine Kehrtwende ist nötig

Die Erfahrungen in Andhra Pradesh und die begleitenden wissenschaftlichen Studien belegen, was wir als Brot für die Welt gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen im Globalen Süden  mit der agrarökologischen Ausrichtung von Landwirtschaftsprojekten voranbringen wollen: eine umfassende Agrarwende als Beitrag zum Schutz von Klima und Biodiversität, zur Bekämpfung von Hunger und Armut. Insofern ist es tragisch, dass im vorliegenden Haushaltsentwurf erneut die Mittel zur Unterstützung der Zivilgesellschaft im Globalen Süden gekürzt werden sollen. Denn es ist gerade die Zivilgesellschaft, die auf unterschiedlichsten Ebenen den Hebel anlegt, um eine faire und nachhaltige Entwicklung anzustoßen.

Bleibt zu hoffen, dass wir als deutsche Zivilgesellschaft laut genug sind, um im parlamentarischen Verfahren durchzudringen. Nötig ist keine Kurskorrektur, sondern eine Kehrtwende: Die Kürzungen im BMZ-Etat und bei der Humanitären Hilfe müssen zurückgenommen und die mittelfristige Finanzplanung muss stabilisiert werden – mindestens auf dem Niveau von 2024.

Um wirksam Gehör zu finden, um Veränderungen zu erreichen, braucht es vielleicht dreierlei: Fakten, die das Ausmaß der Not beschreiben und alarmieren. Erfolgsgeschichten, die Mut machen. Und gesellschaftlichen Druck auf die Politik.

Dabei können Sie uns helfen: Unterzeichnen Sie doch unsere Petition „Solidarität nicht kaputtsparen!“ Und erzählen Sie anderen davon.

 

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Kleinbäuerin Claudine Hashazinyange mit Avocados vom Baum ihres Schwiegervaters. Schülerinnen in Äthiopien

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148 € ( Spendenbeispiel ) Mit 148 € kann zum Beispiel ein Regenwassertank mit 2.000 Liter Fassungsvermögen gekauft werden.

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