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Follow the Money: Finanzierung spaltet Bewegung

Feministische Bewegungen werden durch eine Finanzierungskrise neu geprägt – es tut sich eine Kluft auf zwischen denen, die Zugang zu Staats- und Privatkapital haben, und denen, die sich für unabhängige Finanzierung einsetzen. Die Konferenz „Women Deliver 2026“ warf die Frage auf: Was bedeutet es, wenn Entscheidungen über Geld hinter verschlossenen Türen ohne Betroffene getroffen werden?

Von Gastbeiträge Politik am
Menschen die im großen Plenum zusammen in einem Konferenzgebäude sitzen.

Das Eröffnungsplenum der Women Deliver Konferenz 2026, wo sich die internationale feministische Bewegung versammelte.

Ein Gastblog des Feminist Diplomacy Lab.

Ein Großteil der Frauen und geschlechtsdiversen Menschen, die sich für Menschenrechte einsetzen, sind nicht diejenigen, die entscheiden, welches Geld wohin fließt. Dieses Machtgefälle ist nicht neu, doch die schwindenden Finanzen vergrößern den Unterschied des Zugangs zu Finanzen rasch, und beginnen, die Bewegung zu spalten. Das geschieht überall dort, wo feministische Organisationen von Geld aus dem Ausland abhängen – also fast überall.

Man konnte dies bei „Women Deliver 2026“ in Naarm (Melbourne) beobachten, einem der größten Treffen der globalen Bewegung für Geschlechtergleichstellung, das alle drei Jahre stattfindet. Feminist*innen aus den Communities, der Peripherie, Flüchtlingsfrauen und indigene Feminist*innen standen auf der Hauptbühne im Mittelpunkt der Berichterstattung, während viele der Gespräche darüber, welche Arbeit unter welchen Bedingungen finanziert wird, an anderer Stelle stattfanden: in Treffen, die ausschließlich Geber*innen vorbehalten waren – hinter verschlossenen Türen.

Zugang zu Finanzen ist sehr unterschiedlich

Ein großer Teil der feministischen und frauenrechtsorientierten Arbeit ist seit langem von öffentlichen Entwicklungsgeldern (ODA) abhängig: von Budgets, die Regierungen des Globalen Nordens im Globalen Süden ausgeben. Diese Budgets werden seit einigen Jahren gekürzt, in einigen Fällen drastisch, da Regierungen das Geld vermehrt innenpolitisch verwenden. Private Philanthropie, die oft als Ersatz ins Spiel gebracht wird, verfolgt ihre eigenen Prioritäten, muss sich nicht gegenüber Wähler*innen rechtfertigen und kann sich ebenso schnell wieder zurückziehen, wie sie gekommen ist. Sie wird daher von vielen NGOs kritisch gesehen. Das Ergebnis ist, dass feministische Bewegungen ihre Arbeit mit weniger Geld und planbaren Mitteln leisten müssen als in den vergangenen Jahrzehnten.

Eine solche verschärfte Ressourcenknappheit verändert die Bewegung. Auf der einen Seite stehen NGOs hauptsächlich aus dem Globalen Norden, die gut positioniert sind, um Unternehmenspartnerschaften und privates Kapital zu gewinnen. Sie sind besser ausgestattet, professioneller und zunehmend versiert in der Sprache, die Geldgeber*innen hören wollen. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die das verteidigen, was oft als „autonome Mittelbeschaffung“ bezeichnet wird – eine Finanzierung, die die Agenda einer Bewegung nicht an Geldgeber*innen bindet und versucht zu verhindern, dass Communities von denjenigen gelenkt werden, die das Geld in der Hand haben. Die „autonome Mittelbeschaffung“ hinterfragt grundsätzlich, ob den Ländern und Philanthrop*innen ihr Geld zusteht. Länder des Globalen Nordes haben sich durch Kolonialismus und den Handel mit versklavten Menschen bereichert – auch die philanthropischen Gelder kommen aus Ausbeutung von Arbeiter*innen, Gemeinden und Rohstoffen.

Finanzen bringen Interessenskonflikte

Eine erfolgreiche Jagd nach Unternehmens- und Privatkapital bringt zwar Ressourcen und Reichweite, zieht Organisationen jedoch in Richtung dessen, was Geldgeber*innen belohnen, und weg von den Menschen, denen die Organisationen als Selbstvertretung für zum Beispiel Frauen oder LGBTQIA+ Rechenschaft schuldig sind. So kann das Engagement für den Abbau des Patriarchats sowie für systemische Veränderungen und Gerechtigkeit gebremst werden. Das Eintreten für autonome Finanzierung birgt weniger Interessenskonflikte, bedeutet jedoch oft, klein und unterfinanziert zu bleiben, mit begrenzter Reichweite. Die Gefahr besteht darin, dass sich die eine Seite von der Basis entfernt, während die andere darum kämpft, die Arbeit aufrechtzuerhalten – während die Communities vor Ort am Ende von keiner der beiden Seiten angemessen unterstützt werden.

In Melbourne konnte man beobachten, wie dies geschieht. Der Instinkt, Gespräche über die Finanzierung still und leise zu führen – in vertrauten und oft nur für Geldgeber*innen zugänglichen Räumen –, ist verständlich: Geld ist knapp, die Entscheidungen sind heikel, und niemand möchte öffentlich Strategien ausarbeiten. Genau das macht es jedoch schwer, das Problem zu erkennen.

Das Finanzierungssystem neu denken

Das Leitdokument der Konferenz selbst zeigt, wie schwer es ist, diese Machtverhältnisse zu verschieben. Die „Melbourne-Erklärung zur Geschlechtergleichstellung“, die von mehr als 700 Organisationen und Einzelpersonen unterzeichnet wurde, aber nur von zehn Staaten, bringt das Problem auf den Punkt. Mehrfachmarginalisierte sollten genug Gelder haben, um Diskriminierung zu bekämpfen und für das einzusetzen, was sie brauchen und nicht was Geldgeber*innen wichtig finden. Das Problem, dass Staaten über den Einsatz der Gelder entscheiden und nicht Communities selbst, benennt auch die Deklaration. Allerdings mit nur einem Bruchteil der internationalen Staatengemeinschaft als Unterzeichner*innen wird es eine sehr große Herausforderung die Finanzierungsstrukturen dahingehend zu verändern.

Da Entwicklungsgelder immer weiter zurückgehen, besteht die Herausforderung für die Bewegung nicht mehr nur darin, mit weniger auszukommen, sondern auch darin, dabei ihre politische Integrität zu bewahren. Geld prägt Verhalten, und der professionalisierte Teil der Bewegung, der lernt, die Sprache der Unternehmenspartnerschaften und der privaten Philanthropie zu sprechen, könnte den Kontakt zur Basis und seine politische Schärfe verlieren.

Macht nutzen – Geld solidarisch umverteilen

Diese Kluft zwischen NGOs mit guten Kontakten zu Finanzen und NGOs, die diese Finanzen nicht anzapfen können, zu schließen, ist eine Frage der strukturellen und globalen Solidarität und vor allem eine Pflicht der Organisationen des Globalen Nordens, die Zugang zu exklusiven Geber*innenkreisen haben. Ihre Aufgabe ist es, diesen privilegierten Zugang zum Finanzierungssystem selbst zu nutzen: zu hinterfragen, wer unter welchen Bedingungen gefördert wird, und selbst Gelder zurück an die Communities vor Ort und vor allem ohne Bedingungen weiterzuleiten, anstatt ihre eigene Nähe zur Macht zu sichern.

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Kleinbäuerin Claudine Hashazinyange mit Avocados vom Baum ihres Schwiegervaters. Schülerinnen in Äthiopien

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