Ebola: Wem sollten Arzneimittel gehören?
Der Ebola-Ausbruch in der DR Kongo zeigt erneut, wie ungleich der Zugang zu rettenden Arzneimitteln weltweit ist. Während die internationale Gemeinschaft nach früheren Epidemien versprach, aus Fehlern zu lernen, wiederholen sich zentrale Probleme: fehlende Impfstoffe, unzureichende Gesundheitsstrukturen und ein globales System, in dem wirtschaftliche Interessen oft wichtiger sind als Menschen.

Apotheke eines Krankenhauses in Guinea.
Im Mai 2026 wurde in der Demokratischen Republik Kongo ein Ebola-Ausbruch bestätigt. Bislang gibt es rund 1.400 bestätigte Fälle und über 450 Todesfälle, wobei die Dunkelziffern weitaus größer sind. Die Situation ist besonders dramatisch, da die betroffene Region abgeschieden und deshalb schwer erreichbar ist. Zeitgleich ist sie dicht besiedelt und von starken Bevölkerungs- und Handelsbewegungen geprägt. Zudem ist das Gesundheitswesen aufgrund jahrelanger Kämpfe zwischen bewaffneten Milizen und der kongolesischen Armee stark geschwächt.
Für den sich aktuell verbreitenden Ebolastamm „Bundibugyo“ existiert bislang weder ein zugelassener Impfstoff noch eine spezifische Therapie. Zwar arbeiten Forschungseinrichtungen und Pharmaunternehmen an möglichen Impfstoffkandidaten, doch die Erfahrungen aus der verheerenden Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika, der weltweiten COVID-19-Pandemie und dem Mpox-Ausbruch 2022 machen deutlich: Selbst wenn medizinische Innovationen theoretisch verfügbar sind, bedeutet das in der Praxis noch lange keinen gerechten Zugang.
Mpox-Ausbruch 2022 als eines von vielen Negativbeispielen
Während des internationalen Mpox-Ausbruchs 2022 – der vor allem die Demokratische Republik Kongo und Anrainerstaaten in Atem hielt – wurde schnell deutlich, dass vorhandene Impfstoffe gegen die Krankheit wirksam sind. Dennoch erreichten die Impfstoffe die betroffenen Länder in Afrika erst sehr spät – teilweise fast zwei Jahre nach Beginn des Ausbruchs. Viele der Dosen gingen an Europa und Nordamerika. Und die betroffenen Länder erhielten Impfstoffe oft nur als Spenden („Charity-Impfstoffe“) statt über einen regulär verfügbaren und bezahlbaren Zugang. Ursache dafür waren unter anderem begrenzte Produktionskapazitäten, fehlender Technologietransfer und die Kontrolle über Herstellung und Verteilung durch Patente und geistige Eigentumsrechte.
Ob Ebola 2014, COVID-19, Mpox 2022 oder der aktuelle Ebola-Ausbruch: Die Ungleichheiten wiederholen sich. Medizinische Innovationen existieren, aber der Zugang bleibt global ungleich verteilt. Während wohlhabende Staaten sich Impfstoffe frühzeitig durch bilaterale Verträge sichern, warten Länder des Globalen Südens oft monate- bis jahrelang.
Problem der geistigen Eigentumsrechte
Besonders problematisch ist die Rolle geistiger Eigentumsrechte. Dabei entstehen viele Impfstoffe und Medikamente mit massiver öffentlicher Förderung. So flossen Milliardenbeträge staatlicher Gelder in die Entwicklung von Ebola- und COVID-19-Impfstoffen. Dennoch liegen die Patente anschließend in den Händen weniger Pharmaunternehmen. Sie entscheiden über Preise, Produktionsmengen und darüber, welche Länder überhaupt Zugang erhalten.
Umso ärgerlicher ist es, dass die internationale Impfstoffinitiative Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) – finanziell unterstützt auch durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt – dem US-Pharmaunternehmen Moderna sowie zwei weiteren Forschungsgruppen insgesamt rund 60 Millionen US-Dollar für die Erforschung eines Impfstoffes gegen den Bundibugyo-Stamm zugesagt und vertraglich festgelegt hat, dass die daraus hervorgehenden Patente vollständig in der Hand der forschenden Hersteller liegen werden. Warum lernt die globale Gemeinschaft nicht aus vorherigen Gesundheitskrisen?
Verschärfung globaler Ungleichheiten
Das derzeitige Patentsystem verschärft globale Ungleichheiten. Bei Krankheiten, die vor allem Länder des Globalen Südens betreffen, zeigt sich zudem ein strukturelles Marktversagen: Forschung lohnt sich für Unternehmen oft nur dort, wo hohe Gewinne erwartet werden. Viele Krankheiten im Globalen Süden gelten deshalb als vernachlässigt, weil sie unterfinanziert sind. Gesundheit darf aber nicht vom Geburtsort oder von der Kaufkraft abhängen.
Notwendig wäre ein grundlegender Kurswechsel. Öffentliche Forschungsgelder müssen künftig an klare Bedingungen geknüpft werden: Technologie-, Daten- und Wissenstransfer, transparente Preisgestaltung und verpflichtender Zugang zu den entwickelten Produkten. Auch der sich noch in Verhandlungen befindende Internationale Pandemievertrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) würde den jetzigen Status quo hinsichtlich dieser geforderten Punkte deutlich verbessern. Allerdings sind die Verhandlungen zwischen den WHO-Mitgliedsstaaten ins Stocken geraten. Grund ist der Dissens zwischen globalen Gerechtigkeitsverpflichtungen und industriellen Bedürfnissen.
Pandemievorsorge bedeutet aber mehr als schnelle Krisenreaktion. Sie bedeutet globale Solidarität – und den politischen Mut, Gesundheit als öffentliches Gut zu behandeln statt als Ware. Daran sollte die Bundesregierung denken – und das Versprechen ihres Koalitionsvertrags umsetzen: „Gemeinsam mit unseren Partnern dämmen wir den Ausbruch und die Ausbreitung von Krankheiten im Globalen Süden ein.“

