stellen Sie sich vor, in Ihrem Treppenhaus hängt eines Morgens ein Zettel: „Achtung: Bewohner aus der Wohnung im 3. Stock re. haben möglicherweise etwas mit Diebstählen zu tun.“ Im dritten Stock rechts wohnen Sie. Kein Name unter dem Zettel. Kein Beweis. Doch plötzlich schauen Nachbarn misstrauisch, grüßen nicht mehr. Vielleicht meldet jemand den „Verdacht“ der Hausverwaltung … Das ist die Mechanik von Desinformation: Eine haltlose Anschuldigung schürt Misstrauen. Im Analogen beschränkt sich dies aufs Umfeld. Im digitalen Raum wirkt Verleumdung mit ungleich mehr Zerstörungskraft. Immer mehr Menschen, Initiativen und Organisationen sehen sich weltweit bewusst eingesetzter Falschinformation ausgesetzt. Warum? Weil sie sich unter anderem für Demokratie und Gerechtigkeit einsetzen und damit auch Autokraten und rechtsextreme Tendenzen kritisieren. Weil die technologischen Möglichkeiten, Desinformation zu produzieren und zu verbreiten, immer einfacher geworden sind. Und weil Tech-Giganten mit Autokraten gemeine Sache machen. Das bedeutet auch: Gegenwehr ist unglaublich mühsam. „Anti-Patrioten“ seien sie, „Terroristen“ oder „ausländische Agenten“ – unsere Partner-Organisationen aus dem Globalen Süden berichten, wie im Netz gegen sie mobilisiert wird. Aber auch hierzulande wird Desinformation bewusst gegen Zivilgesellschaft eingesetzt. Das Nachrichtenportal Nius fabuliert von einem „NGO-Komplex“, der mit staatlichen Fördergeldern den Staat untergrabe. Entwicklungszusammenarbeit oder der Einsatz gegen Rechtsextremismus werden pauschal als ideologisch diskreditiert. Gezielte Kampagnen von rechtsaußen werden bisweilen verstärkt durch mehr oder weniger subtiles Vorgehen demokratischer Parteien oder Akteure, die de facto zur Schwächung zivilgesellschaftlichen Engagements beitragen. Es ist wichtig, dem eine andere Erzählung entgegenzusetzen. Die meisten zivilgesellschatlichen Organisationen engagieren sich für das Gemeinwohl, nicht für private Interessen. Ihre Förderung schafft auch ein Gegengewicht zur Lobbymacht von Unternehmensverbänden. In wenigen Stunden stellen wir den neuen Atlas der Zivilgesellschaft vor, Schwerpunkt: Desinformation. Beim Launch-Event heute Abend werden Vertreter*innen der Zivilgesellschaft unter anderem aus Simbabwe und Mecklenburg-Vorpommern berichten, wie Fake-Kampagnen Menschen und ihre Arbeit auf vielfache Art beschädigen können. Interessiert? Sie sind herzlich eingeladen (s. Termin unter „Hingehen und Mitreden“).
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