Eskalation und Erleichterung, drohender Hunger und Hoffnung für die Demokratie – zwei entgegengesetzte Kräfte wirken derzeit auf der politischen Weltbühne. Die Kriege im Iran und Libanon haben massive Folgen für die Menschen in der Region. Ob sie längerfristig zu mehr Sicherheit für sie beitragen, ist mehr als fraglich. Und die steigenden Rohstoffpreise infolge der – nun doppelten – Blockade der Straße von Hormus führen dazu, dass Kunstdünger immer teurer wird. Dies wirkt sich negativ auf die zukünftigen weltweiten Ernten von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Mais und Weizen aus. Die bestehende Welternährungskrise wird sich zuspitzen, wenn wirtschaftlich ärmere Länder, etwa auf dem afrikanischen Kontinent, Grundnahrungsmittel zu drastisch erhöhten Marktpreisen kaufen müssen. Am Ende dieser Kette trifft es Menschen in Armut, die ihr tägliches Essen auf Grund hoher Preise rationieren müssen, denn sie verfügen in der Regel über keinerlei Schutz durch soziale Absicherung. Positive Signale dagegen leuchten aus Ungarn. Die Abwahl von Viktor Orbán und die überragende Mehrheit für Péter Magyar zeigen, dass der Trend zum illiberalen Rechtspopulismus nicht unabänderlich ist, sondern dass sich Politik in Wellenbewegungen vollzieht, es immer wieder Lichtblicke gibt und Menschen viel erreichen können, wenn sie konsequent für Demokratie einstehen. Ob Magyar die Erwartungen erfüllt, muss sich natürlich noch zeigen. Diese beiden Entwicklungen geben allerdings nur eine Perspektive wieder. Weitgehend verborgen bleibt der fuchtbare Krieg im Sudan: sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen, tausendfache Morde, Hunger und Vertreibung. Hätte diese schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt, die nun ins vierte Jahr geht, Auswirkung auf deutsche Spritpreise – ihr wäre wohl mehr Aufmerksamkeit sicher. In diesem Politik-Brief blicken wir in eine weitere Region: Lateinamerika. In Kuba leiden die Menschen unter der 60 Jahre andauernden US-Blockade, zuletzt auf die Spitze getrieben durch das Verbot von Öllieferungen. In Teilen Mexikos eskaliert die Gewalt in der Verquickung korrupter Staatsorgane mit globalem Drogenhandel. Aus dem Amazonasgebiet werden indigene Völker infolge eines Handels – auch deutscher Unternehmen – mit CO₂-Zertifikaten vertrieben. Diese regionalen Krisen zeigen: Länder des globalen Nordens sind, wohin wir auch schauen, mitverantwortlich. Und es sind mutige, zivilgesellschaftliche Gruppen, die sich vor Ort für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen und viel bewirken. Deren Arbeit muss gestärkt werden.
|
|