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Eine Brücke zwischen Mexiko und Europa

In Mexiko sind Morde, gewaltsames „Verschwindenlassen“ von Menschen und Einschüchterung von Aktivist*innen weit verbreitet. Finja Henke arbeitet seit Februar 2025 als Fachkraft des Zivilen Friedensdienstes bei Consorcio, einer Partnerorganisation von Brot für die Welt, und trägt dazu bei, diese Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren.

Von Redaktion am
Zwei Frauen gehen über eine Straße zu einem bunt bemalten Gebäude.

Finja Henke (r.) begleitet Yolanda Pérez (l.) zu Gesprächen, die die Freilassung von Yolandas Ehemann voranbringen sollen.

Finja Henke war noch keine zwei Monate beim Consorcio Para el Diálogo Parlamentario y Equidad (Vereinigung für den parlamentarischen Dialog und die Gleichstellung, Consorcio) in Oaxaca, als sie begriff, was es heißen kann, sich in Mexiko für Menschenrechte zu engagieren. Am 9. April 2025 wurde die Leiche von Sandra Domínguez gefunden. Die Anwältin der indigenen Gemeinschaft der Mixe hatte sich in Oaxaca für die Rechte indigener Frauen eingesetzt.

Gewalt in Mexiko hat andere Dimension

„Die Nachricht hat mich auch deshalb tief getroffen, weil ich selbst eine Frau bin“, erzählt Henke. „Allein wegen deines Geschlechts kannst du hier umgebracht werden. Die Gewalt in Mexiko hat ganz andere Dimensionen als in Deutschland.“ Der Fall, sagt sie, zeige auch die Diskriminierung indigener Menschen und die Verbandelung des Staates mit dem organisierten Verbrechen. „Domínguez hat lokale Würdenträger angezeigt. Deshalb hat man sie ermordet.“

Die Justizbehörden kümmerten sich zunächst nicht um den Fall. Ihre Familie aber machte den Mord öffentlich. Die Anwältinnen von Coscorcio unterstützen sie dabei. Andere Mitarbeiter*innen organisierten Demonstrationen und Pressekonferenzen. Anfangs war Henke nicht direkt damit befasst. Aber sie war bei den Veranstaltungen dabei und dokumentierte sie für Berichte an internationale Institutionen. Das Dokumentieren ist Teil ihrer Aufgabe als Fachkraft von Brot für die Welt im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes (ZFD). Der ZFD ist ein Programm für Gewaltprävention, zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung. Er wird von neun deutschen Friedens- und Entwicklungsorganisationen getragen und von der Bundesregierung gefördert.

Wer Menschenrechte verteidigt, benötigt Schutz

Consorcio setzt sich seit 2003 für die Rechte von Frauen sowie ihren Schutz vor Gewalt ein. Die Organisation steht ihnen rechtlich und psychosozial bei und unterstützt Menschenrechtsverteidigerinnen und junge Frauen, die sich an positiver Konflikttransformation beteiligen. Das aktuell unterstützte Projekt kommt fast 1.000 Frauen im Bundesstaat Oaxaca zugute, ein Großteil von ihnen sind Indigene. Ein Erfolg der Organisation ist, dass der mexikanische Staat 2012 den Straftatbestand des „Feminizids“ – also die Tötung einer Frau wegen ihres Geschlechts – in das Strafgesetzbuch aufgenommen und mit hohen Strafen belegt hat.

Finja Henke ist bei Consorcio für die Kommunikation mit Institutionen wie der Interamerikanischen Menschenrechtskommission zuständig oder mit der UN-Kommission zur Rechtsstellung der Frau. Mit der Dokumentation von Fällen wie dem von Sandra Domínguez soll auf die Menschenrechtsverletzungen in Oaxaca aufmerksam gemacht werden. Henke führt aber auch eine Statistik über körperliche und psychische Angriffe auf Mitarbeiterinnen von Consorcio. Berichte darüber gehen an eine staatliche mexikanische Stelle zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger* innen und Journalist*innen. Es geht dabei nicht nur um reine Fakten. Henke liefert auch Einschätzungen und Empfehlungen und versucht so, auf die staatliche Politik einzuwirken.

Ziviler Friedensdienst baut Brücken

Consorcio war eine der ersten Organisationen, die Fachkräfte des Zivilen Friedensdienstes aufnahmen. Das war vor über zehn Jahren. „Solche Fachkräfte stehen für den Dialog zwischen Brot für die Welt und uns“, sagt Yésica Sánchez Maya, die Direktorin von Consorcio. „Wir brauchen das, damit auch die deutsche Regierung weiß, was hier geschieht.“ Von Menschen wie Henke könne sie lernen, wie man in Europa denkt. „Sie sind eine Brücke zwischen Mexiko und Deutschland.“

Ein Fall, der Finja Henke sehr beschäftigt, ist der des indigenen Umweltschützers Pablo López. Man hat ihm mehrere Morde vorgeworfen und ihn zu 30 Jahren Haft verurteilt, „um ihn aus dem Verkehr zu ziehen“, wie Finja Henke sagt. 15 Jahre habe er schon unschuldig im Gefängnis gesessen. „Aus Anlass dieses Jubiläums haben wir eine Kampagne initiiert und ich hatte die Aufgabe, sie zu organisieren“, erzählt sie. „Ich habe Spruchbänder gemalt, die Demonstration vorbereitet und die nötigen Informationen zum Fall aufgeschrieben.“ Sie weiß von den Drohungen, die Yolanda Pérez erhält, die Frau des Inhaftierten. Henke begleitet sie regelmäßig zu Botschaften, um über den Fall zu berichten und darauf zu drängen, dass López freikommt. Die internationale Öffentlichkeit solle wissen, wie es solch mutigen Menschen in Mexiko ergehen kann.

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