Anpassungsindex 2026

Rangliste der Anpassungsfinanzierung

Von Tuvalu bis Afghanistan: 129 Länder, eingeteilt in fünf Kategorien. Die Gesamtübersicht.

 

Die Rangliste [PDF] zeigt die Zuflüsse an internationaler Anpassungsfinanzierung im Verhältnis zum jeweiligen Klimarisiko und berücksichtigt dabei auch die Bevölkerungsgröße.

Wie im Vorjahr zeigt die Rangliste sehr ernüchternde Ergebnisse: Mehr als 70 Prozent der 129 bewerteten Entwicklungsländer erhielten so wenig Anpassungsfinanzierung, dass sie in die beiden schlechtesten Kategorien fallen. Die zehn am stärksten unterfinanzierten Länder sind Afghanistan, Tschad, Südsudan, Somalia, Niger, Mali, Jemen, Mosambik, Uganda und Äthiopien. Besonders auffällig ist die Stabilität der Schlusslichter: Die untersten sieben Länder sind unverändert.

Verteilungsgerechtigkeit hat sich nicht verbessert

Insgesamt hat sich die Verteilungsgerechtigkeit im Vergleich zum Anpassungsindex 2025 nicht verbessert. Der durchschnittliche CAFI-Wert sinkt leicht auf 0,58. 6,3 Milliarden Menschen leben in Ländern, die gemessen an ihrem Klimarisiko stark oder extrem unterfinanziert sind. Damit steht die Finanzierungspraxis weiterhin im Widerspruch zu den Zielen der internationalen Klimapolitik. Denn diese sieht vor, besonders verwundbare Länder bevorzugt zu unterstützen.

Am oberen Ende des Index dominieren weiterhin kleine Inselstaaten. Tuvalu und Nauru sind die einzigen Länder, die als gut finanziert eingestuft werden. Diese Ergebnisse müssen jedoch vorsichtig interpretiert werden: Kleine Bevölkerungen können hohe Pro-Kopf-Werte erzeugen, und langsam einsetzende Klimafolgen wie Meeresspiegelanstieg oder Versalzung werden im Risikoindex nur teilweise abgebildet.

Auf- und Absteiger: Veränderung ist möglich, aber nicht systematisch

Einige Länder haben sich verbessert. Besonders Tuvalu verzeichnet den stärksten Anstieg, auch die Demokratische Republik Kongo verbessert sich deutlich. Gleichzeitig verschlechtern sich mehrere Inselstaaten wie Dominica, Nauru, die Marshallinseln, Vanuatu, Samoa und Tonga. Das zeigt: Anpassungsfinanzierung wird noch stark von einzelnen Projektzyklen und Förderentscheidungen geprägt. Ein systematischer Verteilungsschlüssel nach Klimarisiko fehlt weiterhin.

Vom Glasgow-Versprechen zur NCQG-Realität

Die Industrieländer hatten in Glasgow zugesagt, die Anpassungsfinanzierung bis 2025 gegenüber 2019 mindestens zu verdoppeln. Dieses Ziel ist politisch wichtig, aber inzwischen zu niedrig, um mit dem wachsenden Bedarf Schritt zu halten. Entwicklungsländer fordern daher: erst die Verdopplung erfüllen, dann bis 2030 nochmals verdreifachen - also „triple the double“. Das entspräche rund 120 Milliarden US-Dollar Anpassungsfinanzierung im Jahr 2030. Für 2035 ergibt sich aus dem neuen globalen Klimafinanzierungsziel (New Collective Quantified Goal on Climate Finance, NCQG) von 300 Milliarden US-Dollar ein Orientierungswert von etwa 150 Milliarden US-Dollar für Anpassung, wenn die Hälfte der Mittel in Anpassung fließt.

Die aktuellen Daten werfen Zweifel auf, ob selbst das Glasgow-Mindestziel erreicht wird. Nach starkem Wachstum bis 2022 ist die Anpassungsfinanzierung 2023 leicht zurückgegangen. In der CAFI-Analyse beträgt sie rund 35 Milliarden US-Dollar. Deutschland bleibt zwar größter Geber, erhöhte seine jährliche Anpassungsfinanzierung zwischen 2019 und 2023 aber nur um 22 Prozent. Japan und Korea wachsen stark, während EU, Großbritannien und Schweden zurückfallen.

Zuschüsse unter Druck: Anpassung per Kredit?

Eine neue Analyse des CAFI 2026 zeigt: Anpassungsfinanzierung wird zunehmend kreditlastig. Zwischen 2016 und 2023 sank der Zuschussanteil der Klimaanpassungsfinanzierung von 57,8 Prozent im Jahr 2016 auf 45,1 Prozent im Jahr 2023.

Das ist klimapolitisch problematisch. Viele Anpassungsmaßnahmen - etwa Küstenschutz, Frühwarnsysteme, Katastrophenvorsorge, klimaresiliente öffentliche Gesundheitsdienste oder Wiederherstellung von Ökosystemen - erzeugen keine direkten finanziellen Erträge, aus denen Kredite zurückgezahlt werden können. Klimagerechtigkeit heißt daher auch Finanzierungsqualität: Hochverwundbare Länder dürfen nicht gezwungen werden, sich für Anpassung noch stärker zu verschulden.

Wohin das Geld fließt - und was fehlt

Die Anpassungsfinanzierung wird breiter. Die Land- und Forstwirtschaft bleibt der wichtigste Sektor, jedoch fällt der Anteil von 28 auf 24 Prozent. Der Wassersektor fällt ebenfalls von 23 auf 19 Prozent. Der Gesundheitsbereich wächst dagegen stark: von vier auf acht Prozent. Das zeigt, dass Anpassung zunehmend als Aufgabe für grundlegende Systemresilienz verstanden wird.

Gleichzeitig bleibt Bildung mit rund zwei Prozent klar unterrepräsentiert, obwohl Bildung für langfristige Anpassungskapazität entscheidend ist. Der schnelle Anstieg anderer Sektoren zeigt einerseits Mainstreaming, kann aber auch Prioritäten verwischen. Wichtig ist daher, dass Anpassungsfinanzierung nicht nur wächst, sondern strategischer in Ernährung, Wasser, Gesundheit, Infrastruktur, Bildung, soziale Sicherung und Ökosysteme investiert wird.

Gender: angekommen, aber noch nicht transformativ

Geschlechtergerechtigkeit wird in Anpassungsprojekten deutlich häufiger berücksichtigt. Die Finanzierung mit Gender als Hauptziel stieg zwischen 2017 und 2023 von 731 Millionen auf fast 4 Milliarden US-Dollar. Die Finanzierung, in der Gender ein relevantes Ziel ist, stieg sogar von 13,3 auf 35,5 Milliarden US-Dollar. Insgesamt wurden 2023 fast 39,5 Milliarden US-Dollar Anpassungsfinanzierung mit Genderbezug ausgewiesen.

Das ist ein Fortschritt. Aber die Daten sagen wenig darüber aus, ob Projekte tatsächlich Machtverhältnisse verändern, Frauenrechte stärken oder Frauenorganisationen direkt unterstützen. Gender-Mainstreaming ist nicht automatisch gendertransformative Anpassung. Die nächste Aufgabe besteht darin, Qualität und Wirkung stärker zu erfassen und Frauenrechts- sowie frauengeführte Organisationen besser zu finanzieren.

Vier Punkte, die die Rangliste deutlich macht

Je höher das Klimarisiko, desto stärker die Unterfinanzierung. Länder mit sehr hohem Klimarisiko erreichen im internationalen CAFI nur einen Durchschnittswert von 0,28. Länder mit sehr niedrigem Klimarisiko liegen dagegen bei 0,82. Das stellt das Prinzip auf den Kopf, vorrangig diejenigen Länder zu unterstützen, die besonders gefährdet sind. Deutschlands Unterstützung fällt bei Hochrisikoländern etwas besser aus, bleibt aber ebenfalls weit hinter einer risikogerechten Verteilung zurück.

Fragilität und Konflikt gehören zu den stärksten Zugangsbarrieren. Länder wie Afghanistan, Südsudan, Somalia, Jemen, Mali, Sudan und Tschad kombinieren hohe Klimarisiken mit schwachen Institutionen, Unsicherheit oder gewaltsamen Konflikten. Auch wenn es schwierig ist, in solchen Ländern Anpassungsprojekte umzusetzen - aus Sicht der Klimagerechtigkeit ist es hochproblematisch, wenn gerade diese Länder kaum erreicht werden. Anpassungsfinanzierung muss daher stärker mit humanitärer Hilfe und Friedensförderung verbunden und über lokale Partner und internationale Organisationen, die in diesen Ländern tätig sind, umgesetzt werden.

Der Index zeigt eine klare Armutsfalle: Länder mit niedrigem Einkommen haben die schlechtesten CAFI-Werte. Ihr internationaler Durchschnitt liegt bei 0,44 und damit im Bereich extremer Unterfinanzierung. Gerade Länder mit den geringsten eigenen Ressourcen für Klimaanpassung erhalten also am wenigsten risikogerechte Unterstützung. Readiness-Unterstützung, vereinfachter Zugang und langfristige Kapazitätsentwicklung sind nötig, um diese Armutsfalle zu durchbrechen.

Geografisch lässt sich ebenfalls ein klares Muster erkennen: Der Pazifik schneidet mit einem regionalen CAFI-Wert von 0,83 am besten ab, gefolgt von der Karibik mit 0,73 und Lateinamerika mit 0,65. Asien liegt bei 0,54, Afrika bei 0,52. Afrika bleibt damit das Epizentrum der Unterfinanzierung, Asien folgt dicht dahinter. Kleine Inselstaaten werden vergleichsweise stärker berücksichtigt, aber auch hier bleiben viele Länder unterfinanziert.

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Die Weltkarte stellt die Werte dar, welche Anpassungsfinanzierung 129 Staaten der Erde erhalten.

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Climate Adaption Finance Index 2026
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