Fidschi: Eine Umsiedlung benötigt die Dorfgemeinschaft
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Seit zwei Jahrzehnten beschäftigt sich Frances Namoumou mit dem Klimawandel, mit Vertreibung und Katastrophenmanagement. Im Interview fordert die ökumenische Koordinatorin für Klimagerechtigkeit bei der Pazifischen Kirchenkonferenz (PCC), dass die pazifischen Gemeinschaften als aktive Gestalter die Ergebnisse der COP 31 mitbestimmen müssen.
Was sind die größten Herausforderungen für die Klimaanpassung im Pazifikraum, insbesondere im Hinblick auf die am stärksten gefährdeten Gruppen?
Frances Namoumou: Der Supertaifun Sinlaku traf Mitte April die Nördlichen Marianen. Als ich Mitte Mai dorthin reiste, waren einige Gemeinden bereits seit fünf Wochen ohne Strom. Und während meines Aufenthalts in Tuvalu kam es in verschiedenen Teilen von Funafuti drei Tage lang zu Stromausfällen. Das tägliche Leben der Menschen und ihr Zugang zu Basisdienstleistungen war dadurch stark beeinträchtigt. Aus logistischen oder organisatorischen Gründen dauern Projektvorhaben oft länger oder werden teurer als in anderen Teilen der Welt.
Aber die Klimafinanzierung, die die Gemeinden erreicht, ist oft sehr begrenzt. Die kleinen Zuwendungen, die für die Gemeinden am leichtesten zugänglich sind, betragen oft nur 3.000 bis 6.000 Euro. Nach unseren Erfahrungen der „Pacific Islands Feminist Alliance for Climate Justice“ können allein die Kosten für Transport, Treibstoff und Logistik 25.000 € oder mehr betragen, damit eine Insel überhaupt erreicht werden kann.
Der Zugang zu Finanzmitteln bleibt schwierig. Um gefördert zu werden sind oft Registrierungsbescheinigungen, Bankkontodaten, Finanzunterlagen und mehrstufige Überprüfungen organisiert werden. Es kostet bereits Zeit und Geld diese Anforderungen zu erfüllen, aber viele Gemeindegruppen verfügen weder über fest angestellte Mitarbeitende noch über entsprechende Systeme. Auch die institutionellen und technischen Kapazitäten sind begrenzt.
Wie sehen diese Schwierigkeiten im Projektalltag aus?
Frances Namoumou: Viele Anpassungsprojektvorhaben erfordern spezialisiertes technisches Wissen, beispielsweise um Küstenschutzmauern, Regenwassernutzungssysteme, Wassertanks und andere Infrastruktur zu bauen. Umsiedlungen sind noch komplexer. Es geht nicht einfach nur darum, Häuser zu bauen. Es geht um Land, Lebensgrundlagen, Kultur, Identität, Wohlbefinden und die Verbundenheit der Menschen mit ihrem Ort.
Bereits bestehende Ungleichheiten führen zu ungleichem Zugang zu Unterstützung, wenn eine Katastrophe eintritt. Schwächere Bevölkerungsgruppen werden mit zusätzlichen physischen, finanziellen und sozialen Hindernissen konfrontiert. Diese Hindernisse verschärfen sich während und nach klimatischen Extremereignissen noch weiter.
Welche Rolle spielen kulturelle und landbezogene Aspekte?
Frances Namoumou: Anpassung und Umsiedlung dürfen nicht nur als technische oder infrastrukturelle Projektvorhaben betrachtet werden. Im Pazifikraum ist Land mit Identität, Spiritualität, Kultur, Lebensgrundlagen, der Geschichte der Vorfahren und Zugehörigkeit verbunden. Werden diese Fragen nicht sorgfältig behandelt, kann ein Anpassungsprojektvorhaben, das eigentlich dem Schutz der Menschen dienen soll, neue Spannungen und Verluste hervorrufen.
Anpassungsmaßnahmen sollten deshalb von den Gemeinschaften selbst geleitet werden: Zu viele Anpassungsprojekte werden konzipiert, bevor die Gemeinschaften angemessen einbezogen werden, insbesondere Frauen, junge Menschen und Menschen mit Behinderungen. Gemeinschaften müssen als Führungskräfte und Wissensträger anerkannt werden, nicht nur als Begünstigte oder Lieferanten kostenloser Arbeitskraft. Ihr traditionelles und indigenes Wissen, ihre gelebten Erfahrungen und ihre Prioritäten sollten die Konzeption, Umsetzung und Bewertung von Anpassungsprojekten prägen.
Für mich besteht die zentrale Herausforderung darin, dass die Menschen, die den größten Klimarisiken ausgesetzt sind, oft den geringsten Zugang zu Finanzmitteln, Dienstleistungen und Entscheidungsprozessen haben. Anpassung muss daher lokal gesteuert, angemessen finanziert und flexibel genug sein, um die Realitäten und Arbeitsweisen im Pazifikraum zu respektieren.
Die globale politische Lage hat sich in den letzten 18 Monaten erheblich verschlechtert, und das Pariser Abkommen steht unter größerem Druck als je zuvor. Wie schätzen Sie die Auswirkungen auf Ihre Arbeit ein?
Frances Namoumou: Unsere Arbeit ist nun schwieriger, aber auch dringlicher geworden. Zunehmende Konflikte, Militarisierung und geopolitischer Wettbewerb lenken Aufmerksamkeit und Ressourcen vom Klimaschutz ab, während die Gemeinschaften im Pazifikraum weiterhin unter sich verschärfenden Klimabedingungen leiden. Der Druck auf das Pariser Abkommen lässt uns zudem daran zweifeln, ob die großen Emittenten ihre Verpflichtungen in Bezug auf Emissionsreduktion, Klimafinanzierung, Anpassung sowie Verluste und Schäden wirklich einhalten werden.
Für uns beim PCC bedeutet dies, dass wir unsere prophetische Stimme stärken, die pazifische Führungsrolle unterstützen, stärkere Bündnisse schmieden und weiterhin an der Seite der am stärksten betroffenen Gemeinschaften stehen müssen. Es bedeutet auch, Klimagerechtigkeit mit Frieden, menschlicher Sicherheit, wirtschaftlicher Gerechtigkeit und Entmilitarisierung zu verknüpfen.
Die COP31 wird als „Pazifik-COP“ bezeichnet. Was bedeutet das, und welche Erwartungen haben Sie?
Frances Namoumou: Die Pre-COP-Veranstaltungen in Fidschi und Tuvalu sind eine wichtige Gelegenheit für die Menschen, in den Pazifik zu kommen und unseren Kontext wirklich zu verstehen. Damit die COP31 für mich wirklich als „Pazifik-COP“ bezeichnet werden kann, müssen die Menschen aus dem Pazifikraum im Zentrum stehen und in die gesamte Planung, die Diskussionen und die Entscheidungsfindung eingebunden sein. Es darf nicht einfach bedeuten, Geschichten, Kulturen und Bilder aus dem Pazifikraum zu nutzen, während wichtige Entscheidungen weiterhin woanders getroffen werden. Wir müssen nicht nur als gefährdete Gemeinschaften anerkannt werden, sondern auch als politische Akteure, Führungskräfte und Wissensträger.
Wir erwarten von der COP31 stärkere Verpflichtungen zum raschen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und zur Unterstützung eines fairen und gerechten Übergangs. Außerdem benötigen wir angemessene und zugängliche Finanzmittel für Anpassungsmaßnahmen sowie für Verluste und Schäden, Schutz für von Vertreibung bedrohte Gemeinschaften und die Anerkennung pazifischer Ansätze zum ökologischen Schutz und zur menschlichen Sicherheit.
Deshalb sind die Veranstaltungen in Fidschi und Tuvalu genauso wichtig wie die COP31 in der Türkei selbst. Wer in unsere Region kommt, sollte direkt denen zuhören, die mit der Klimakrise leben. Was sie hören und sehen, muss in die Verhandlungen einfließen und sich in den Entscheidungen der COP31 widerspiegeln.
Insgesamt schneiden die pazifischen Inselstaaten im Vergleich zu anderen Regionen der Welt beim Zugang zu Anpassungsfinanzierungen relativ gut ab. Betrachtet man jedoch die Leistung einzelner Länder, so ist die Bandbreite der Ergebnisse innerhalb des Pazifikraums größer als irgendwo sonst auf der Welt. Wie interpretieren Sie diese Ergebnisse?
Frances Namoumou: Diese Ergebnisse zeigen, dass die relativ positive regionale Leistung des Pazifikraums nicht das ganze Bild widerspiegelt. Regionale Durchschnittswerte können erhebliche Ungleichheiten zwischen den Ländern verschleiern. Einige Pazifikstaaten verfügen über stärkere Institutionen, technische Kapazitäten, Akkreditierungsvereinbarungen und Beziehungen zu Gebern. Kleinere, abgelegene oder ressourcenärmere Länder haben möglicherweise Schwierigkeiten, die gleichen Finanzierungsanforderungen zu erfüllen, selbst wenn ihre Klimavulnerabilität extrem hoch ist.
Hinweis: Die Spendenbeispiele sind symbolisch. Durch Ihre zweckungebundene Spende ermöglichen Sie uns dort zu helfen, wo es am dringendsten ist.
56 € ( Spendenbeispiel ) Mit 56 € kann zum Beispiel ein Hygiene-Paket für eine geflüchtete Familie finanziert werden.
100 € ( Spendenbeispiel ) Mit 100 € kann zum Beispiel Gemüse-Saatgut für die Bewirtschaftung von ca. 10 Feldern bereitgestellt werden.
148 € ( Spendenbeispiel ) Mit 148 € kann zum Beispiel ein Regenwassertank mit 2.000 Liter Fassungsvermögen gekauft werden.
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