Frances Namoumou: Gemeinden nicht nur gefährdet, sondern aktiv
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Wenn ein Dorf auf Fidschi aufgefordert wird, die Küste zu verlassen, an der seine Vorfahren begraben sind, geht es nie nur darum, wo die neuen Häuser stehen werden. Es geht um das „Vanua“ – die untrennbare Verbindung zwischen Land, Menschen, Verwandtschaft und Identität, die das Herzstück der iTaukei-Kultur bildet, der Kultur der indigenen Bevölkerung Fidschis.
In Fidschi ist das „Vanua“ nicht einfach nur Grundbesitz. Es ist das lebendige Geflecht, das einen Clan mit seinem Boden, seinen Gräbern, seinen Fischgründen und seinem Namen verbindet. Ein Dorf umzusiedeln bedeutet daher, eine ganze soziale und spirituelle Ordnung zu verlagern, nicht nur eine Ansammlung von Gebäuden. Das macht klimabedingte Umsiedlungen im Pazifik zu weit mehr als einem ingenieurtechnischen Problem und erklärt, warum dafür außerordentliche Sorgfalt notwendig ist.
Steigende Meeresspiegel, Salzwassereinbruch, Küstenerosion und heftigere Stürme machen einige Siedlungen des Inselstaates zunehmend unbewohnbar. Brunnen werden brackig, es wird unmöglich die Gärten zu bebauen, wenn Salz in den Boden eindringt, und das Hochwasser kehrt Jahr für Jahr zurück. „Bodenerosion ist ein großes Problem. Wir müssen dringend einen neuen Ort zum Leben finden – zu unserer eigenen Sicherheit und der der kommenden Generation. Wir wissen nur nicht, wohin wir umziehen sollen“, beschreibt Viniana Marama, ein Jugendleiter aus dem Dorf Waikalu, die aktuellen Herausforderungen. Für eine wachsende Zahl von Gemeinden reichen die üblichen Maßnahmen wie Küstenschutzmauern, erhöhte Böden und Mangrovengürtel nicht mehr aus, und der letzte Ausweg wird zu einer wohlüberlegten Entscheidung: der Umzug. In Fidschi wird das deutlicher als fast an jedem anderen Ort. Das Land hat Dutzende von Dörfern identifiziert, die möglicherweise umgesiedelt werden müssen. 2014 war Vunidogoloa die erste Gemeinde im Land und eine der ersten weltweit, die aufgrund des Klimawandels umgesiedelt wurde. Da der Großteil des Landes in Fidschi gemeinschaftlich von den „Mataqali“, den landbesitzenden Clans, gehalten wird und nicht gekauft oder verkauft wird, lassen sich die entscheidenden Fragen nicht allein mit Geld beantworten: Auf wessen Land kann eine Gemeinde umziehen, und werden die dortigen Verwandten sie aufnehmen? Wie lassen sich Lebensgrundlagen, Zeremonien und der Zusammenhalt bewahren, wenn die vertraute Küstenlinie einmal verschwunden ist? Zwei sich ergänzende Arbeitsansätze – der eine baut heute ein neues Dorf auf, der andere bereitet Gemeinden auf die Zukunft vor – zeigen, wie diese Fragen gut beantwortet werden können.
Anstatt nur zu betrachten, wie gefährdet ein Dorf ist, wird gefragt, welche Gemeinschaften bereit und in der Lage sind, ihre eigene Umsiedlung zu gestalten. Dabei wird die Stärke der lokalen Führung, die Geschichte der Migration und des traditionellen Wissens, der Zustand der Verwandtschaftsnetzwerke sowie die Beziehungen zwischen einer umziehenden Gemeinschaft und den Verwandten, die sie möglicherweise aufnehmen, bewertet. Diese Fragen müssen geklärt werden, damit ein Projekt erfolgreich sein kann.
Gemeinschaften in ganz Fidschi wurden im Rahmen partizipativer und geschlechtergerechter Feldforschung bewertet. Der Prozess legte besonderen Wert auf die Beteiligung der Gemeinschaften, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse die Perspektiven der Gemeinschaften selbst widerspiegeln.
Im Anschluss an diesen partizipativen Prozess wurde die Gemeinde Waikalou ausgewählt, um den Ansatz als Pilotprojekt umzusetzen. Er basiert auf der freien, vorherigen und informierten Zustimmung (FPIC), wobei leicht verständliche Informationen bereitgestellt wurden, um sicherzustellen, dass Gemeindemitglieder und Ressourcenbesitzer an Entscheidungen mitwirken konnten, die sie betreffen. Traditionelle Führungsstrukturen und inklusive Gemeinschaftsdialoge schufen Räume, in denen Frauen, Jugendliche und andere Gemeindemitglieder ihre Perspektiven einbringen konnten. Aritema Moavakalolo, eine Frauenvertreterin in Waikalou, wies darauf hin, dass Männer und Frauen im Katastrophenfall unterschiedliche Rollen haben: „Unsere Rolle als Frauen während einer Katastrophe besteht darin, unsere Kinder an sicherere Orte zu bringen und auch dafür zu sorgen, dass unser Hab und Gut in Sicherheit ist. Frauen tragen die Verantwortung dafür, dass im Evakuierungszentrum Wasser, Nahrung, Bettzeug und andere lebensnotwendige Güter vorhanden sind. Die Aufgabe der Männer ist es, dafür zu sorgen, dass die Gebäude sicher sind.“ Diese unterschiedlichen Rollen führen zu unterschiedlichen Sichtweisen hinsichtlich des Standorts einer zukünftigen Umsiedlung. „Sollte es dazu kommen, dass wir umgesiedelt werden müssen, sind Wasser und Nahrungsquellen das Wichtigste, was wir Frauen brauchen. Eine Straße ist ebenfalls wichtig, weil sie den Kindern den Zugang zu ihren Schulen ermöglicht.“
Diese Erkenntnisse bleiben nicht auf die Dörfer beschränkt. Aus realen Umsiedlungserfahrungen gewonnen, sind sie direkt in die sich weiterentwickelnde Politik Fidschis eingeflossen: als Anhang zu Fidschis Umsiedlungsrichtlinien (Standard Operating Procedures for relocation on safeguarding children and kinship) sowie der aktualisierten Klimaschutzverpflichtung im Rahmen des Pariser Abkommens, einschließlich des nationalen Ziels, besonders gefährdete Gemeinschaften umzusiedeln. Die Arbeit wurde wiederholt in Fidschis „Displacement and Relocation Taskforce“ vorgestellt, einem Gremium, das sich aus rund dreißig Regierungsbehörden zusammensetzt, die für alle Phasen einer Umsiedlung zuständig sind.
Die regionalen Erfolge sind ebenso greifbar. Aufbauend auf mehr als zwei Jahren gemeinsamer Praxis der fidschianischen und tonganischen Zivilgesellschaft haben elf nationale NGO-Dachverbände aus dem gesamten Pazifikraum (von Tonga, Samoa und Vanuatu bis hin zu den Salomonen, Palau, den Marshallinseln und Mikronesien) im Jahr 2025 in Honiara, Salomonen, eine Reihe von Mindeststandards (Minimum Standards on Community-Led Adaptation and Climate-Induced Relocation) beschlossen. Diese Standards, die zum Teil auf den Erfahrungen Fidschis basieren, fordern eine inklusive Landnutzungsplanung, echte Mitbestimmung der Gemeinschaften bei der Entscheidungsfindung, unabhängige Fürsprecher zum Schutz der Interessen der Gemeinschaften sowie regelmäßige psychosoziale und integrative Unterstützung, die auf die Gegebenheiten im Pazifik zugeschnitten ist. Was als Umzug eines einzelnen Dorfes begann, ist zu einem Bezugspunkt für eine ganze Region geworden.
Für Fidschi schließt diese Arbeit eine seit langem bestehende Lücke in der Umsetzung und stellt sicher, dass knappe Anpassungsressourcen auch abgelegene Gemeinden erreichen und dass die nationale Politik von den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort geprägt wird. Für den gesamten Pazifikraum, wo niedrig gelegene Nachbarstaaten wie die Salomonen, Tonga, Papua-Neuguinea, Tuvalu und Kiribati vergleichbaren oder noch stärkeren Belastungen ausgesetzt sind, bietet ein kulturell verankertes, von den Gemeinden getragenes Modell genau die Art von Vorbild, das an unterschiedliche Bräuche und Rechtssysteme angepasst werden kann. Für die globale Debatte über klimabedingte Migration liefert das Beispiel Fidschis konkrete Belege für eine These, die oft angezweifelt wird: dass eine geplante Umsiedlung nicht zwangsläufig den Verlust der Identität bedeuten muss. Richtig durchgeführt und von den Betroffenen selbst geleitet, kann sie Land, Kultur und Gemeinschaft gleichermaßen schützen.
Der vielleicht wichtigste Beitrag ist ein Umdenken in der Art und Weise, wie Umsiedlung verstanden wird. Allzu oft wird sie als Scheitern dargestellt, als der Punkt, an dem die Anpassungsmöglichkeiten erschöpft sind. Die Erfahrungen auf Fidschi definieren sie neu als legitime und sogar proaktive Anpassungsstrategie, die in Würde geplant werden kann, anstatt durch eine Katastrophe erzwungen zu werden. Diese Neudefinition enthält eine klare Botschaft für die Debatte, zu der dieser Index beitragen möchte. Frühzeitige Investitionen in eine von der Gemeinschaft geleitete, kulturell verankerte Umsiedlung sind nicht nur humaner, sondern auch wirkungsvoller und nachhaltiger als die Kosten für Maßnahmen zu tragen, nachdem Häuser, Gärten und Gräber bereits verloren gegangen sind. Geld, das vor der Krise bereitgestellt wird, schafft weitaus mehr Resilienz pro Euro als Notfallausgaben im Nachhinein. Wenn sie das „Vanua“ schützen, zeigen die Gemeinschaften Fidschis, wie Klimagerechtigkeit und zielgerichtete Anpassungsfinanzierung in der Praxis aussehen können.
Hinweis: Die Spendenbeispiele sind symbolisch. Durch Ihre zweckungebundene Spende ermöglichen Sie uns dort zu helfen, wo es am dringendsten ist.
56 € ( Spendenbeispiel ) Mit 56 € kann zum Beispiel ein Hygiene-Paket für eine geflüchtete Familie finanziert werden.
100 € ( Spendenbeispiel ) Mit 100 € kann zum Beispiel Gemüse-Saatgut für die Bewirtschaftung von ca. 10 Feldern bereitgestellt werden.
148 € ( Spendenbeispiel ) Mit 148 € kann zum Beispiel ein Regenwassertank mit 2.000 Liter Fassungsvermögen gekauft werden.
Hinweis: Die Spendenbeispiele sind symbolisch. Durch Ihre zweckungebundene Spende ermöglichen Sie uns dort zu helfen, wo es am dringendsten ist.
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100 € ( Spendenbeispiel ) Mit 100 € kann zum Beispiel Gemüse-Saatgut für die Bewirtschaftung von ca. 10 Feldern bereitgestellt werden.
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