Pride-Flagge auf Halbmast – Trauer um Opfer
Zum Zeichen der Anteilnahme und der Trauer um diejenigen, die gewaltsame Übergriffe, Verfolgung und Stigmatisierung aufgrund ihrer Genderidentität, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Geschlechtsausdrucks (SOGIE) erleben, hat das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung seine Regenbogenfahne heute auf Halbmast gesetzt. Direktorin Dr. Kathrin Strobel bekräftigt gemeinsame Verantwortung.

Zum Gedenken an die Opfer queerfeindlicher Gewalt - Pride Flagge auf Halbmast
Queerfeindlichkeit und brutale Angriffe nehmen weltweit zu. Aus vielen Ländern, in denen Brot für die Welt die Menschenrechtsarbeit von Partnerorganisationen unterstützt, erreichen uns besorgniserregende Berichte. Besonderes Aufsehen erregte Ugandas Anti-Homosexuality Act, weil es so absurde Vergehen skizziert wie „verschärfte Homosexualität“ und dafür drastische Strafen wie die Todesstrafe vorsieht. Und weil es eine Welle des Terrors ausgelöst hat unter allen, die für eine offene und vielfältige Gesellschaft eintreten, wie Projektpartnerin Clare Byarugaba eindringlich beschreibt.
Anti-Gender-Gruppen machen mobil
In Uganda war auch die Einflussnahme von Anti-Gender-Gruppen wie den Autor*innen von Trump’s rechtsgerichteter Project 2025 Initiative offensichtlich, die im Vorfeld eigene Konferenzen abhielten, um Parlamentarier*innen gezielt anzuleiten in dem Aufsetzen von Gesetzen zur Verhinderung jeglicher altersgerechter Information und Aufklärung zu Diversität und Sexualerziehung. Aktuell steht vor allem Westafrika im Fokus solcher Aktivitäten, wie die jüngst in Ghanas Hauptstadt Accra abgehaltene so genannte Familien-Konferenz verdeutlicht.
Gezielte Falschinformationen
Egal, ob in Burkina Faso, Bangladesch oder Bulgarien – das Muster hinter der Hetze und Gewalt ist immer gleich: Nach dem Vorbild Russlands, das jegliche Erwähnung von LGBTQ*-Themen verbietet, werden Menschen beleidigt, aus Wohnung, Arbeit oder Familie verbannt bzw. unter dem Vorwand der Propaganda verhaftet. Gleichzeitig werden gezielt Falschinformationen verbreitet. Queere Menschen werden als Bedrohung für Kinder dargestellt, als Gewalttäter*innen und als Zerstörer*innen von Ehen und Familien. Sie werden benutzt, um fortschrittliche Bemühungen um Gleichberechtigung, Inklusion und Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt zu verhindern. Von Propaganda ist immer dann die Rede, wenn es um das Recht auf Information über Sexualität, Verhütung, körperliche Selbstbestimmung, Scheidung oder Gewaltprävention geht.
Freiheitsrechte werden eingeschränkt
Häufig bieten die Grundlage für diese Verfolgung neu aufgelegte bzw. überarbeitete Gesetze, die noch aus der Kolonialzeit stammen und Sexualität generell reglementieren, aber LGBTQ*-Personen besonders in den Fokus nehmen. Dafür werden Freiheits- und Grundrechte eingeschränkt: das Recht auf Gleichheit, körperliche Unversehrtheit, Information, Bildung und Versammlungsfreiheit. Kriminalisiert werden auch Angehörige bzw. als Unterstützende betrachtete Personen. Gehetzt wird im Namen von Familienwerten. Doch bei diesen Familienwerten geht es nicht um (Nächsten-)Liebe, Fürsorge oder Kindererziehung. Nein, es geht darum, diejenigen abzuwerten und ihnen den Schutz zu entziehen, die nicht ins patriarchale, neokoloniale Bild passen: Alleinerziehende, Wahlfamilien sowie queere Paare mit Erziehungsverantwortung. Der Schutz vor Partnergewalt oder Zwangsverheiratung steht hingegen nicht auf der Agenda.
Widerstand gegen die Hetze
Durch die Kriminalisierung werden Minderheiten gezielt zu Sündenböcken erklärt, um so von politischen Missständen abzulenken und daraus Kapital zu schlagen. Doch es regt sich auch Widerstand gegen diese Hetze. Entgegen den Beteuerungen herrschender Politiker*innen in vielen Ländern mit Anti-LGBT+ Gesetzen, dass Homosexualität unnatürlich und in ihren Ländern nicht vorhanden sei, melden sich überall mutige Stimmen, die dieses Narrativ entlarven, indem sie genau auf die lokalen kulturellen Wurzeln von Geschlechtervielfalt hinweisen.
Das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung setzt sich für die Wahrung der Menschenrechte aller und besonders für den Schutz von Menschenrechtsverteidiger*innen und bedrohte Minderheiten ein. Denn:
„Jeder Mensch verdient ein Leben ohne Angst und in Würde. Liebe, Identität und Vielfalt sind keine Verbrechen, sondern die teils tödliche Gewalt, der LGBTIQA+-Personen viel zu häufig ausgesetzt sind. Darum hängt unsere Flagge heute auf Halbmast. Solange weltweit unzählige Menschen allein wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität Opfer von Hass und Gewalt werden, bleibt der Einsatz für Respekt, Gleichberechtigung und den Schutz der Menschenrechte unsere gemeinsame Verantwortung.“ so Dr. Kathrin Strobel, Direktorin Internationale Programme von Brot für die Welt

