Blog

Friedensarbeit unter Druck

Mehr Kriege, weniger Unterstützung: Weltweit geraten Peacebuilder*innen unter Druck und riskieren oft ihr Leben. Gerade dann sind Austausch und geschützte Räume für ihre mutige Arbeit wichtig. Warum internationale Solidarität, Sichtbarkeit und bessere Schutzmaßnahmen dringend gebraucht werden, zeigen die Beispiele des „Global Peacebuilders Summit“ und der „Peace Connect“ in Nairobi.

Von Amelie Overmann am
Die Teilnehmenden des Global Peacebuilder Summit, Mai 2026, Tunesien

Die Teilnehmenden des Global Peacebuilder Summit im Mai 2026 in Tunesien.

Weltweit stehen Friedensaktivist*innen vor zunehmenden Herausforderungen: In seinem neuen Jahresgutachten verzeichnet der Global Peace Index mit 61 aktiven Kriegen einen traurigen Höchststand, die Tendenz ist weiterhin steigend. Gleichzeitig wuchsen die weltweiten Militärausgaben laut Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI auf das Rekordniveau von 2,7 Billionen US-Dollar, während Gelder für zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung gekürzt werden, auch in Deutschland. Wer sich für Frieden, Menschenrechte oder gewaltfreie Lösungen einsetzt, sieht sich zudem zunehmend mit Repression, Überwachung und Kriminalisierung konfrontiert, auch außerhalb der sichtbaren Kriegsschauplätze. Die zunehmende Einschränkung von Zivilgesellschaft zeigt unter anderem der Atlas der Zivilgesellschaft 2026 von Brot für die Welt.

Globale Solidarität: Raum für Austausch und Ermutigung

Im Global Peacebuilders Network (GPN), einem Zusammenschluss von etwa 40 Einzelpersonen aus über 30 Ländern, können wichtige Erfahrungen geteilt werden. Das Arbeitsspektrum der Mitglieder umfasst Friedensmediation, Versöhnung, Traumabehandlung, die Wiedereingliederung ehemaliger Kämpfer*innen, den Schutz von Mädchen und Frauen vor sexualisierter Gewalt, interreligiösen Dialog und vieles mehr. Sie nutzen innovative, einheimische und inklusive Modelle zum Aufbau friedlicher Gemeinschaften und verbinden das Lokale mit dem Globalen. Seit 2016 trifft man sich einmal im Jahr für eine Woche zum „Global Peacebuilders Summit“, einem geschützten Raum für Austausch, Ermutigung und neue Ideen in oft schwierigen Zeiten. Dieses gemeinsame Lernen stärkt die Mitglieder durch gelebte Solidarität und gegenseitige Unterstützung. Dabei entstehen auch Ideen für grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Unterstützt wird das Zusammentreffen unter anderem von Brot für die Welt. Darüber hinaus waren und sind einige der Mitglieder Projektpartner von Brot für die Welt.

Dieses Jahr fand der Global Peacebuilders Summit Mitte Mai in Tilal Utique in Tunesien statt. Dieser Ort wurde von der philanthropischen tunesischen Kamel Lazaar Stiftung ins Leben gerufen. Er dient als Schnittstelle für künstlerisches, wissenschaftliches, handwerkliches und ökologisches Wissen und fördert einen freien und intensiven Dialog.

Peace Connect in Nairobi: geschützter Raum im großen Rahmen

Eine Delegation des GPN reiste außerdem vom 13. bis 17. Oktober 2025 in die kenianische Hauptstadt Nairobi, wo über 500 lokale Friedensstifter*innen aus rund 90 Ländern zur Konferenz „Peace Connect zusammenkamen. Organisiert wurde das Treffen von der Organisation Peace Direct mit Sitz in London. Dieser Raum für Austausch und Sichtbarkeit war für viele Teilnehmende enorm wichtig und hilfreich, gerade weil die oftmals riskante Friedensarbeit in den unterschiedlichen Kontexten häufig unbeachtet bleibt. In Workshops zu Themen wie Traumabewältigung, gewaltfreiem Widerstand, Selbstfürsorge oder indigenen Methoden teilten die Teilnehmenden der Peace Connect Erfahrungen und neue Ansätze. Trotz bedrückender Berichte über zunehmende Gewalt, schrumpfende Handlungsspielräume für die Zivilgesellschaft und rückläufige Finanzierung war die Konferenz nach Berichten der Teilnehmenden geprägt von Solidarität, gegenseitigem Lernen und neuer Hoffnung. Viele Teilnehmende beschrieben das Treffen als seltenen Schutzraum, in dem sie erleben konnten, dass sie mit ihren Herausforderungen nicht allein sind. Gleichzeitig entstanden neue Kooperationen über Kontinente hinweg und die Erkenntnis wurde gestärkt, dass Friedensarbeit, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Klimafragen zunehmend zusammengedacht werden müssen.

Was es jetzt braucht: Schutz, Austausch, Anerkennung

Solche kleinen und größeren Austauschformate sind wichtig für das Überleben von Friedensarbeit, sie werden aber durch viele praktische Hürden erschwert. Wünschenswert wäre, dass Deutschland ein sicherer Ort für solche Begegnungen wäre. Die Visavergabe für Peacebuilder*innen und ihre Familien aus Krisenregionen muss dafür jedoch dringend vereinfacht werden. Auch Schutzprogramme und Stipendien sollten ausgebaut werden. Um die wichtige Arbeit vor Ort fortsetzen zu können, muss außerdem weiterhin eine verlässliche Finanzierung gewährleistet werden. Da viele Finanzierungsquellen versiegen oder übliche Kanäle von repressiven Regimen blockiert werden, sollte die Bundesregierung zusätzliche Mittel bereitstellen. Es gilt, flexible und kreative Wege zu finden, um die notwendige und oft lebenswichtige Friedensarbeit trotz widriger Umstände zu unterstützen. Darüber hinaus muss Deutschland entschieden gegen transnationale Repression vorgehen: Einige autoritäre Regime weiten gezielt ihre einschüchternden Maßnahmen bis ins Ausland aus. Deshalb muss der Schutz von Peacebuilder*innen, die sich aus dem Exil in Deutschland für eine friedliche Entwicklung in ihren Heimatländern einsetzen, ebenfalls hohe Priorität haben. Nur so können beeindruckende Aktivist*innen wie die Mitglieder des GPN mit ihren Erfahrungen und Perspektiven zu nachhaltigeren, gerechteren Lösungen für den Frieden beitragen.

 

Dieser Blog erscheint auch im Politik-Brief, Ausgabe Juni.

Jetzt spenden Unterstützen Sie uns

Kleinbäuerin Claudine Hashazinyange mit Avocados vom Baum ihres Schwiegervaters. Schülerinnen in Äthiopien

Hinweis: Die Spendenbeispiele sind symbolisch. Durch Ihre zweckungebundene Spende ermöglichen Sie uns dort zu helfen, wo es am dringendsten ist.

56 € ( Spendenbeispiel ) Mit 56 € kann zum Beispiel ein Hygiene-Paket für eine geflüchtete Familie finanziert werden.

100 € ( Spendenbeispiel ) Mit 100 € kann zum Beispiel Gemüse-Saatgut für die Bewirtschaftung von ca. 10 Feldern bereitgestellt werden.

148 € ( Spendenbeispiel ) Mit 148 € kann zum Beispiel ein Regenwassertank mit 2.000 Liter Fassungsvermögen gekauft werden.

Hinweis: Die Spendenbeispiele sind symbolisch. Durch Ihre zweckungebundene Spende ermöglichen Sie uns dort zu helfen, wo es am dringendsten ist.

56 € ( Spendenbeispiel ) Mit 56 € kann zum Beispiel ein Hygiene-Paket für eine geflüchtete Familie finanziert werden.

100 € ( Spendenbeispiel ) Mit 100 € kann zum Beispiel Gemüse-Saatgut für die Bewirtschaftung von ca. 10 Feldern bereitgestellt werden.

148 € ( Spendenbeispiel ) Mit 148 € kann zum Beispiel ein Regenwassertank mit 2.000 Liter Fassungsvermögen gekauft werden.

Spendenbeträge

Bitte eine gültige Eingabe machen

Spendenbeträge

Als Fördermitglied spenden Sie regelmäßig (z. B. monatlich)