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Anpassungsziel muss für Chancengleichheit sorgen

Die Klimakrise bedroht nicht nur unsere Lebensgrundlagen, sondern auch unsere Gesundheit. Besonders betroffen sind Menschen, die am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen haben. Kinder gehören zu den am stärksten gefährdeten Gruppen. Die Studie „The Climate Change and Health Nexus“ untersucht, wie die internationale Klimapolitik darauf reagieren kann.

Von Sabine Minninger am
Eine Frau trägt ihr Kind auf dem Arm vor einem Holzhaus mit Blechdach, das von Palmen umgeben ist. Zu ihren Füßen erstreckt sich ein Gewässer, das bis direkt an das Haus heranreicht.

Die Gesundheit von besonders verletztlichen Menschen ist durch die Folgen der Klimakrise besonders bedroht.

Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen zerstören Ernten, verschärfen Hunger und Mangelernährung und begünstigen die Ausbreitung von Krankheiten. Sie führen direkt zu gesundheitlichen Schäden wie Hitzestress, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie vorzeitigen Todesfällen. Die Gesundheit und Zukunft von Kindern und anderen gefährdeten Gruppen hängen entscheidend davon ab, ob die Folgen der Klimakrise wirksam eingedämmt werden.

Die gemeinsame Studie von Brot für die Welt und Save the Children Deutschland, „The Climate Change and Health Nexus“, untersucht, wie die Klimakrise die Gesundheit von Menschen im Globalen Süden bedroht und wie die internationale Klimapolitik darauf reagieren muss. Im Mittelpunkt steht das Globale Anpassungsziel des Pariser Klimaabkommens (Global Goal on Adaptation, GGA) und die Frage, wie es zu einem gerechteren Gesundheitsschutz beitragen kann.

Das Globale Anpassungsziel muss handlungsfähig werden

Das GGA ist eine Verpflichtung aller Unterzeichnerstaaten des Pariser Klimaabkommens. Es soll die weltweiten Anpassungsbemühungen koordinieren, die Rechenschaftspflicht stärken und Finanzmittel für besonders gefährdete Länder mobilisieren.

Bei der COP32 in Addis Abeba soll ein umsetzungsfähiges GGA beschlossen werden. Es muss messbar sein, den tatsächlichen Finanzierungsbedarf berücksichtigen und konsequent auf die Umsetzung ausgerichtet sein. Dafür braucht es gemeinsame Anpassungsindikatoren, klare Rechenschaftsmechanismen und verlässliche Zuschüsse, damit besonders gefährdete Länder ihre Anpassungsprioritäten umsetzen können.

Die Studie erscheint deshalb zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Sie fokussiert auf die Anpassungsindikatoren für den Bereich Gesundheit und zeigt, warum Gesundheit und besondere Bedürfnisse von Kindern bei der Ausgestaltung des GGA stärker berücksichtigt werden müssen. Denn nur wenn die Indikatoren die tatsächlichen Risiken und Bedürfnisse besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen erfassen, können sie dazu beitragen, dass Klimaanpassung wirksam, gerecht und menschenrechtsbasiert gestaltet wird.

Klimaanpassung muss Gesundheit schützen

Das GGA bietet die Chance, die Gesundheit der Menschen stärker in den Mittelpunkt der internationalen Klimapolitik zu rücken. Ein zentrales Ziel muss sein, Gesundheitssysteme widerstandsfähig gegenüber klimabedingten Belastungen zu machen und vermeidbare Erkrankungen und Todesfälle zu reduzieren.

Dazu gehören ausreichend finanzierte, klimaresiliente Gesundheitssysteme, die auch bei extremen Wetterereignissen funktionieren. Krankenhäuser und Gesundheitsstationen müssen vor Überschwemmungen und Hitze geschützt sein. Gesundheitsfachkräfte brauchen das Wissen, Schulungen und eine angemessene Ausstattung sowie qualitativ hochwertige Arzneimittel, um auf klimabedingte Gesundheitsrisiken reagieren zu können. Frühwarnsysteme müssen rechtzeitig vor Hitzewellen, Überschwemmungen und Krankheitsausbrüchen warnen.

Gesundheit darf dabei nicht isoliert betrachtet werden. Wer durch eine Dürre seine Ernte verliert, unter Mangelernährung leidet oder aufgrund einer Überschwemmung sein Zuhause verloren hat , ist auch gesundheitlich besonders gefährdet. Klimaanpassung muss deshalb die Zusammenhänge zwischen Gesundheit, Ernährung, Wasser, Wohnen und sozialer Sicherheit berücksichtigen.

Kinder brauchen besonderen Schutz

Kinder sind den Folgen der Klimakrise besonders ausgesetzt. Ihr Körper reagiert empfindlicher auf extreme Hitze und Luftverschmutzung. Mangelernährung kann ihre körperliche und geistige Entwicklung dauerhaft beeinträchtigen. Infektionskrankheiten, die sich durch veränderte klimatische Bedingungen ausbreiten, gefährden ihre Gesundheit zusätzlich. Werden Gesundheitseinrichtungen zerstört oder Schulen geschlossen, verlieren Kinder wichtige Orte der Versorgung, des Lernens und des Schutzes.

Die Risiken sind ungleich verteilt. Kinder in armen Haushalten, ländlichen Regionen und Konfliktgebieten haben häufig einen eingeschränkten oder sogar keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Mädchen und Kinder mit Behinderungen können zusätzlichen Barrieren ausgesetzt sein. Die Indikatoren des GGA müssen diese unterschiedlichen Lebensrealitäten berücksichtigen, statt von einer einheitlichen Betroffenheit auszugehen.

Die Stimmen der Betroffenen müssen zählen

Kinder, Jugendliche und ihre Gemeinschaften müssen an der Entwicklung und Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen beteiligt werden. Lokale Organisationen und zivilgesellschaftliche Akteure verfügen über wichtige Erfahrungen und erkennen früh, wo Unterstützung fehlt und welche Maßnahmen tatsächlich helfen.

Doch noch immer werden sie bei der Entwicklung nationaler Klima- und Gesundheitsstrategien häufig zu spät oder nicht ausreichend einbezogen. Auch die Bedürfnisse von Kindern und anderen besonders gefährdeten Gruppen werden in politischen Entscheidungen und bei der Erhebung von Daten nicht immer angemessen berücksichtigt.

Die Indikatoren des GGA müssen deshalb Menschenrechte und die Bedürfnisse der am stärksten Betroffenen zum Maßstab machen. Dazu gehört, Daten nach Alter, Geschlecht und weiteren sozialen Merkmalen aufzuschlüsseln, um Ungleichheiten sichtbar zu machen. Nur so lässt sich überprüfen, ob Maßnahmen tatsächlich diejenigen erreichen, die sie am dringendsten benötigen.

Ohne gerechte Finanzierung bleibt das Anpassungsziel ein Versprechen

Viele Länder des Globalen Südens verfügen nicht über die notwendigen Mittel, um ihre Gesundheitssysteme gegen zunehmende Klimarisiken zu wappnen. Gleichzeitig müssen sie häufig hohe Schulden bedienen und stehen unter großem finanziellen Druck.

Die internationale Gemeinschaft muss deshalb deutlich mehr öffentliche Mittel für die Klimaanpassung bereitstellen. Die Finanzierung muss verlässlich, bedarfsgerecht und gerecht verteilt sein und darf die Verschuldung finanziell belasteter Länder nicht weiter erhöhen. Besonders wichtig sind Zuschüsse für die ärmsten und am stärksten gefährdeten Staaten, damit sie ihre Gesundheitssysteme stärken können, ohne dafür Mittel für Bildung, Ernährung oder andere Grundbedürfnisse aufgeben zu müssen.

Die Hauptverantwortung tragen die Industrieländer und Unternehmen, die maßgeblich zur Klimakrise beigetragen haben. Sie müssen ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen und die Länder unterstützen, die die Folgen der Erderwärmung am wenigsten verursacht haben.

Gesundheit und Klimagerechtigkeit gehören zusammen

Mit Blick auf die COP31 und COP32 muss die Umsetzung des GGA konsequent vorangetrieben werden. Gesundheit darf nicht nur ein weiteres Thema auf der klimapolitischen Agenda sein, sondern muss als zentraler Maßstab für erfolgreiche Klimaanpassung verstanden werden. Die Indikatoren müssen messbar machen, ob die Anpassung an den Klimawandel gelingt und die Gesundheit besonders gefährdeter Menschen schützt.

Die gemeinsame Studie von Brot für die Welt und Save the Children Deutschland zeigt: Klimaanpassung kann nur dann wirksam und gerecht sein, wenn sie die Gesundheit und die Rechte der am stärksten gefährdeten Menschen schützt – insbesondere die von Kindern. Dafür braucht es eine gerechte Finanzierung, widerstandsfähige Gesundheitssysteme und die verbindliche Beteiligung der betroffenen Gemeinschaften.

Klimaanpassung ist mehr als der Schutz vor den Auswirkungen extremer Wetterereignisse. Sie ist eine Investition in Gesundheit, Menschenwürde und eine gerechte Zukunft. Jeder Mensch hat das Recht auf Gesundheit und ein Leben in einer sicheren Umwelt.

Dieser Blogbeitrag wurde gemeinsam verfasst mit Dr. Marek Szilvasi, Patricia Kramarz (Save the Children), Julia Stoffner (Brot für die Welt)

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