Umbenennung der Mohrenstr zur Anton-Wilhelm-Amo-Straße in Berlin
Dekoloniale Bildung:

Wer entscheidet, welches Wissen zählt?

Weltweit lernen Kinder und Jugendliche viel über Europas Geografie, Geschichte und Literatur. Oft gelten europäische Inhalte als Maßstab für wichtiges Wissen. Umgekehrt nehmen in europäischen Klassenzimmern Wissen, Kunst und Erfahrungen aus Afrika, Asien oder Mittel- und Südamerika kaum Raum ein. Diese Schieflage ist kein Zufall sondern das Erbe kolonialer Machtverhältnisse, das die Bildungsinhalte bis heute bestimmt. Dieses Erbe müssen wir uns bewusst machen, wollen wir Ungleichgewichte nicht weiter fortschreiben.

Koloniales Wissen prägt noch heute, Vielfalt bleibt unsichtbar

Wissen, Weltbilder und sogar Landkarten sind durch Kolonialzeit und globale Ungleichheiten geprägt. Europa und Nordamerika stehen auf den Karten meist im Mittelpunkt und sind größer dargestellt. Südamerika, Afrika oder Asien erscheinen am Rand und oft viel kleiner, als sie tatsächlich sind. Dieses scheinbar neutrale Wissen zementiert Machtverhältnisse: Was aus dem Globalen Norden kommt, gilt als bedeutender. Gleichzeitig werden Wissen und Ideen aus indigenen Gesellschaften oder Ländern des Globalen Südens übergangen. In Deutschland jedoch haben fast die Hälfte aller Schüler*innen einen Migrationshintergrund. Ihre Geschichten, Wissen und Erfahrungen finden im Unterricht viel zu wenig Platz.

Bildung als gemeinsamer Prozess – Lernen, Positionieren und Widerstand leisten

Dekoloniale Bildung ermutigt, Erlerntes zu hinterfragen, deutschlandspezifische Kolonialgeschichte mitzudenken und Stimmen aus dem Globalen Süden einzubeziehen. Sie lädt dazu ein, globale Zusammenhänge neu zu begreifen und voneinander zu lernen. Dekoloniale Bildungsarbeit ist dabei kein fertiges Lernprogramm, sondern ein lebendiger Prozess. Sie stellt immer wieder die grundlegenden Fragen: Welches Wissen wird im Unterricht vermittelt und wer bleibt unsichtbar? Ziel ist, alternative Geschichten, Widerstand und Wissen sichtbar zu machen. Das setzt die Bereitschaft voraus, eigene Prägungen zu reflektieren und neue Perspektiven einzubeziehen. Echte Veränderung gelingt nur, wenn Machtverhältnisse neu verhandelt werden – in der Schule ebenso wie im Alltag, in der Sprache, in Projekten und beim Engagement für eine solidarische, gerechte Gesellschaft. Sie gelingt dann, wenn sich alle als Lernende verstehen, Räume für kritischen Dialog gestaltet und Vorbehalte abgebaut werden.

Dekoloniale Bildungsarbeit bei Brot für die Welt

Brot für die Welt gestaltet Bildungsarbeit kritisch und vielfältig. Im Zentrum steht die Frage: Wer bestimmt, was als Wissen gilt und welche Stimmen fehlen? Unsere Angebote regen dazu an, Privilegien zu hinterfragen, Diskriminierung sichtbar zu machen und unterschiedliche Lebensrealitäten und Identitäten anzuerkennen. Sie laden ein, sich mit Kolonialismus, Rassismus und Machtstrukturen auseinanderzusetzen und Vielfalt in Herkunft, Sprachen, Religionen, Geschlechterfragen und Lebensweisen als selbstverständlich zu begreifen. Gleichzeitig stärken unsere Angebote die Fähigkeit, sich gegen Diskriminierung und Rassismus einzusetzen. So gestalten wir Bildung als offenen Raum, der Vielfalt als Normalität denkt und sich gegen Ausgrenzung stellt. Denn wir alle lernen von- und miteinander. Gerechte Bildung beginnt mit der Reflexion der eigenen Haltung.

„Die dringendste Herausforderung besteht darin, uns selbst und die Strukturen zu dekolonialisieren, in denen wir uns befinden. Wir müssen weiterhin daran glauben, dass dies möglich ist und es jeden Tag wagen. Auch wenn es jeden Morgen so aussieht, als würden wir wieder von vorne beginnen.“

Silvia Regina de Lima Silva

Direktorin des ökumenisches Forschungsinstituts DEI in Costa Rica und Professorin der ökumenischen Abteilung für Religionswissenschaften an der Universidad Nacional von Costa Rica

Was Sie tun können: Eigene Haltung reflektieren, solidarisch handeln, Perspektiven wechseln

Dekoloniale Bildungsarbeit setzt bei jedem Menschen selbst an. Sie können damit beginnen, Ihre eigene Sicht auf Geschichte, Gegenwart und Gesellschaft zu hinterfragen: Welche Privilegien habe ich und wer profitiert weniger vom bestehenden System? Reflektieren Sie, was Sie in der Schule gelernt haben, was gefehlt hat und was alternative Stimmen vermitteln können.

Sie möchten sich für eine gerechtere Bildung einsetzen? Suchen Sie nach Begegnungen mit Menschen und Ansätzen aus verschiedenen Teilen der Welt. Unterstützen Sie Initiativen und Projekte, die marginalisierte Stimmen stärken. Zeigen Sie Solidarität, sprechen Sie Diskriminierung an. Lassen Sie sich auf einen Prozess ein, der Widersprüche aushält und neue Wege sucht – und seien Sie mutig, sich und Ihr Umfeld zu verändern. Dabei unterstützen die vielfältigen Bildungsmaterialien und Beteiligungsformaten von Brot für die Welt.

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Die Schülerinnen Bien Aimé Ambire Namegabe und ihre kleinere Schwester Birugu Fortune Namegabe  auf dem Schulhof, andere Schüler*innen im Hintergrund Vier Mädchen stehen vor einer Schule in Addis Ababa, Äthiopien

Hinweis: Die Spendenbeispiele sind symbolisch. Durch Ihre zweckungebundene Spende ermöglichen Sie uns dort zu helfen, wo es am dringendsten ist.

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