eine Mutter demonstriert für ihre ermordete Tochter
Mexiko

Aktiv gegen Gewalt und Willkür

Consorcio Oaxaca ist eine feministische Menschenrechtsorganisation im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca, die sich für die Rechte von Frauen, Mädchen und Menschenrechtsverteidiger*innen einsetzt. Über die Jahre ist sie zu einem sicheren Hafen für bedrohte Frauen geworden und eine treibenden Kraft in der Region.

Frauen und Menschenrechte verteidigen

Die Organisation Consorcio Oaxaca bietet rechtliche Begleitung und psychische Unterstützung, stärkt junge Frauen im Empowerment und betreibt strategische Lobbyarbeit auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Bekannt ist die Organisation vor allem für ihr öffentliches Register von Feminiziden und Opfern des in Mexiko verbreiteten Verschwindenlassens. Mit diesem Register macht die Organisation geschlechtsspezifische Gewalt sichtbar. Der Zivile Friedendienst unterstützt die Arbeit von Consorcio Oaxaca.

Friedensstiftung, Sicherheit und Internationale Lobbyarbeit

Seit Februar 2025 arbeitet Finja Henke als internationale Fachkraft des Zivilen Friedensdienstes bei Consorcio Oaxaca. Dort unterstützt sie die Organisation dabei, ihre (inter-)nationale Advocacy- und Lobbyarbeit auszubauen. Ziel ist es, Menschenrechtsverteidiger*innen besser zu schützen und in ihrer Arbeit zu stärken. Ihre Arbeit umfasst folgende Themen: 

  • Strategische Advocacy- und Lobbyarbeit: Sie bringt die Anliegen von Menschenrechtsverteidiger*innen in politische Debatten in Mexiko, Europa und auf internationaler Ebene ein, mit dem Ziel, langfristige rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die ihren Schutz und ihre Arbeit sichern.
  • Schulungen: Finja Henke ist für die Schulungen zu physischer und digitaler Sicherheit für Menschenrechtsverteidiger*innen verantwortlich, damit sie lernen sich wirksam zu schützen und ihre Arbeit auch unter schwierigen und riskanten Bedingungen fortzusetzen.
  • Dokumentation und Sensibilisierung: Sie koordiniert die systematische Erfassung und Meldung von Menschenrechtsverletzungen an nationale und internationale Stellen und sorgt dafür, dass diese sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig verbreitet sie die Geschichten der Menschenrechtsverteidiger*innen, um Aufmerksamkeit und Bewusstsein in Politik und Gesellschaft zu schaffen.
  • Netzwerkarbeit und Stärkung von Allianzen: Finja Henke baut Partnerschaften mit Organisationen und anderen Akteur*innen der Zivilgesellschaft auf und pflegt sie. Sie organisiert Treffen und gemeinsame politische Aktionen, um politischen Einfluss zu maximieren sowie gegenseitige rechtliche Unterstützung und Solidarität zu fördern.

Gewalt gegen Frauen in Mexiko

In Mexiko sind geschlechtsspezifische Gewalt und Feminizide als ihr extremster Ausdruck, ein tief verwurzeltes Problem. 2025 wurden nach offiziellen Angaben 721 Frauen und Mädchen getötet – das sind zwei pro Tag. Dreiviertel solcher Fälle werden jedoch nicht als Feminizide anerkannt, weshalb Expertinnen und Experten von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgehen. Trotz Gesetzen bleibt so die Straflosigkeit hoch und die große Mehrheit der Täter wird nicht verurteilt. Feministische Bewegungen und Frauenrechtsorganisationen kämpfen unter dem Motto „Mein Körper ist mein Territorium“ für Selbstbestimmung und gegen diese Gewalt. Die Aktivistinnen werden aber in der Folge oft selber bedroht und kriminalisiert, während die Gewalt gegen sie verharmlost oder ignoriert wird. 

Der Fall Pablo López Alavez

Am 15. August 2010 wurde der Umweltaktivist Pablo López Alavez in Oaxaca entführt und ohne Haftbefehl wegen eines angeblichen Mordes von 2007 inhaftiert. Der eigentliche Grund für seiner Festnahme liegt aber in seinem Einsatz für die Rechte seiner Gemeinde und seinem Kampf gegen die illegale Abholzung der Wälder, womit er sich bei Konzernen und lokalen Politikern unbeliebt gemacht hatte. Trotz zahlreicher Unstimmigkeiten im Verfahren wurde López Alavez zu 30 Jahren Haft verurteilt. Seitdem kämpft seine Frau, Yolanda Pérez Cruz, unterstützt durch Consorcio Oaxaca und Finja Henke für seine Freilassung. 

Unterstützung durch Consorcio Oaxaca

Da Pablo López Alavez zu Beginn des Verfahrens ohne anwaltliche Vertretung war und dem Prozess schutzlos ausgeliefert war, übernimmt Consorcio Oaxaca seither seine rechtliche Beratung und Vertretung. Zudem erhält seine Familie psychologische Unterstützung, um die belastende Situation zu bewältigen.

Consorcio Oaxaca verfolgte eine vielschichtige Advocacy-Strategie, um den Fall öffentlich sichtbar zu machen und Pablos Freilassung zu erreichen. In Mexiko-Stadt betrieben sie Lobbyarbeit, organisierten Demonstrationen und Plakataktionen und wandten sich an Botschaften sowie zuständige Behörden. Gleichzeitig suchten sie Unterstützung auf internationaler Ebene, unter anderem bei der Europäischen Union und UN-Institutionen.