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Sambias Rohstoffe: Wer profitiert vom Boom?

Reich an Kupfer, Kobalt und Mangan – und doch von Armut geprägt. Sambias Bergbau führt zu schweren Umwelt- und Gesundheitsschäden. Viele Menschen graben mit einfachsten Mitteln selbst nach den Rohstoffen, die für Energiewende und Digitalisierung zentral sind.

Von Kristina Stier am
Bleihaltige Abbaurückstände am Straßenrand in der Nähe der ehemaligen Mine von Kabwe, Sambia.

Bleihaltige Abbaurückstände am Straßenrand in der Nähe der ehemaligen Mine von Kabwe, Sambia.

Kabwe in Sambia gilt als einer der am stärksten durch Schwermetalle belasteten Orte der Welt. Hier wurden ab Anfang des 20. Jahrhunderts, zunächst mehrere Jahrzehnte unter britischer Kolonialherrschaft, Blei und Zink abgebaut und verhüttet. Mine und Schmelzanlage wurden 1994 geschlossen, Millionen Tonnen bleihaltige Bergbauabfälle belasten jedoch bis heute bis zu 200.000 Menschen. Blei ist für Kinder besonders gefährlich und kann zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen bis hin zu geistigen Behinderungen, Koma und Tod führen. Wasser und Böden sind stark kontaminiert. Medizinische Expert*innen gehen davon aus, dass 95 Prozent der Kinder, die in der Nähe der ehemaligen Mine leben, erhöhte Bleiwerte im Blut aufweisen und die Hälfte von ihnen dringend medizinische Behandlung benötigt.

Seit Jahren wird aus den Rückständen der Mine weiter abgebaut. Anstatt die giftigen Bergbaurückstände umfassend zu beseitigen, hat die Regierung nun neue Lizenzen für den Abbau und die Verarbeitung von Zink und anderen Mineralien aus den Rückständen vergeben – an Unternehmen mit teils engen Verbindungen zur Regierungspartei.

Altlasten und neue Umweltschäden

Die Altlasten des Bergbaus sind nicht das einzige Problem: Im Februar 2025 brach ein Rückhaltebecken einer durch das chinesische Unternehmen Sino Metals Leach Zambia betriebenen Kupfermine. Millionen Liter saure und mit Schwermetallen wie Arsen und Uran belastete Bergbauabwässer gelangten in das Ökosystem des Kafue, eines der wichtigsten Flüsse des Landes, von dem Millionen Menschen abhängen. Es kam zum Massensterben von Fischen und anderen Wasserlebewesen, Felder wurden überflutet und Ernten zerstört. Hinzu kommen langfristige Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung. Zwar ordnete die Regierung Entschädigungszahlungen an, diese sind aber bisher unzureichend. Zudem gab es 2025 mindestens zwei weitere Vorfälle bei Rückhaltebecken von Minen.

Neben Kupfer verfügt Sambia über Vorkommen von wichtigen Batterierohstoffen wie Kobalt, Nickel, Mangan und Lithium. Die Regierung begrüßt das im Zuge des verschärften globalen Wettlaufs um sogenannte kritische und strategische Rohstoffe gestiegene internationale Interesse – in der Hoffnung, langfristige Allianzen zu schließen, die Investitionen mobilisieren und lokale Wertschöpfung fördern. So plant sie, die Förderung von Kupfer von knapp 820.000 Tonnen im Jahr 2024 bis 2031 auf drei Millionen Tonnen zu steigern.

Doch Umweltexpert*innen und NGOs warnen vor den Risiken eines massiven Ausbaus des Bergbausektors. So existieren zwar verbindliche Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfungen für geplante Projekte, sie werden aber nur begrenzt durchgesetzt. Dazu kommt die mangelnde Kontrolle während der Projektlaufzeiten und bei Minenschließungen, auch in Bezug auf den Umgang mit Abbaurückständen. Die zuständigen Behörden sind schlecht ausgestattet und zu schwach, um gegen mächtige ökonomische und politische Interessen durchzugreifen.

Klimabedingte Dürre – Kleinstbergbau oft einzige Alternative

Auch der Klein- und Kleinstbergbau bringt Probleme mit sich: Im Distrikt Zimba etwa wurde vor einigen Jahren Lithium entdeckt. Hier haben sich nicht nur chinesische und indische Kleinbergbauunternehmen (small scale mining) angesiedelt, die Lithium, Tantal, Zinn und Edelsteine abbauen – auch Kleinbergleute (artisanal miners) aus ganz Sambia graben auf eigene Faust und ohne Maschinen nach den Mineralien. Durch den Klimawandel und starke Dürren sind Landwirtschaft und Viehzucht oft kaum noch möglich. „Der Kleinstbergbau stellt für die Menschen oft die einzige Alternative dar, treibt die Umweltzerstörung aber noch weiter voran“, erzählen uns Partnerorganisationen von Brot für die Welt.

Die Dürre führt außerdem dazu, dass man, um Sambias Kupferbergwerke zu betreiben, nun massiv auf Kohlestrom zurückgreifen muss – denn die Wasserkraftwerke können nicht liefern. Der Abbau von Kohle hat vielerorts stark zugenommen.

Abhängig vom Rohstoffabbau

Der Abbau von Metallerzen und anderen mineralischen Rohstoffen und die Verarbeitung von Basismetallen machten im Jahr 2023 rund 15 Prozent des sambischen Bruttoinlandsprodukts aus, circa 70 Prozent der Exporte entfallen auf Bergbauprodukte. Kupfer ist Sambias wichtigstes Exportprodukt, das Land weltweit achtgrößter Kupferexporteur.

Vom Ressourcenfluch: Armut trotz Rohstoffreichtum

Doch vom Rohstoffreichtum kommt bei der Bevölkerung bis heute nur sehr wenig an. Sambia gehört zu den ärmsten Ländern der Welt: 2025 lebten 55,9 Prozent der Bevölkerung unter der absoluten Armutsgrenze von 2,15 US-Dollar pro TagNur circa fünf Prozent der Erwerbstätigen sind (formal) im Bergbausektor beschäftigt. Der industrielle Bergbau ist kapitalintensiv: Er benötigt enorme Investitionen in Maschinen, Förderanlagen und Aufbereitungstechnik – und vergleichsweise wenige menschliche Arbeitskräfte.

Deren Arbeitsbedingungen sind oft prekär. Aufgrund mangelnden Arbeitsschutzes entwickelten etwa Arbeiter einer Manganverarbeitungsanlage in der Stadt Serenje Symptome einer chronischen Manganvergiftung. Viele Beschäftigte wiesen stark erhöhte Manganwerte im Blut auf, einige erlitten neurologische Beeinträchtigungen wie Gleichgewichts- und Sprachstörungen. Unsere Partnerorganisation Center for Environment Justice (CEJ) hat die Fälle dokumentiert und setzt sich für angemessene medizinische Versorgung, Untersuchungen durch staatliche Stellen sowie Entschädigungen der Betroffenen ein.

Mehr lokale Wertschöpfung?

Lokale Gemeinden und zivilgesellschaftliche Organisationen fordern seit Langem mehr Transparenz im Rohstoffsektor, eine gerechte Steuerpolitik, die Einhaltung von Umwelt- und Menschenrechtsstandards und, dass der Rohstoffreichtum zu lokaler Wertschöpfung und wirtschaftlicher Diversifizierung führen muss.  

Um stärker vom Rohstoffboom zu profitieren, plant die sambische Regierung mehr staatliche Kontrolle, unter anderem durch ein „Free Equity Model“, das dem Staat bis zu 30 Prozent Beteiligung an neuen Bergbauprojekten sichern soll. Zudem möchte Sambia gemeinsam mit der DR Kongo Vorprodukte und Batterien für Elektrofahrzeuge produzieren. Die Herausforderungen sind jedoch enorm: Probleme bei der Infrastruktur, unzureichende institutionelle Kapazitäten und die andauernden Kampfhandlungen in der DR Kongo. Auch bedarf es hochqualifizierter Fachexpertise, insbesondere in den Bereichen Forschung und Entwicklung. In ihren Bemühungen, Wertschöpfung zu stärken und damit das Modell (neo)kolonialer Rohstoffökonomien aufzubrechen, konkurrieren afrikanische Staaten zudem unter anderem mit China und dessen stark subventionierter Produktion und westlichen Industrienationen, inklusive der EU, die ihre Märkte ebenso zunehmend abschirmen.  

Jedoch geht es in Bezug auf Wertschöpfung nicht nur um das ob, die zentralen Fragen lauten auch: Wie kann diese so gestaltet werden, dass sie ökologisch ausgerichtet ist und zu mehr sozialer Gerechtigkeit beiträgt, und nicht vor allem Investoren sowie ökonomische und politische Eliten profitieren?

 

Dieser Blog erscheint auch im Politik-Brief, Ausgabe Juni 2026.

Bei diesem Blogbeitrag handelt es sich um den ersten Teil der Reihe „Sambias Rohstoffe: Wer profitiert vom Boom?“, der zweite Teil mit Fokus auf internationale Verflechtungen und Rohstoffkooperationen folgt in der Juli-Ausgabe des Politik-Briefs.

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Kleinbäuerin Claudine Hashazinyange mit Avocados vom Baum ihres Schwiegervaters. Schülerinnen in Äthiopien

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