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Zwischen „Pura Vida“ und Realität

Freiwilligenarbeit in Costa Rica – zwischen Kindergarten, Gartenarbeit und Projekten in verschiedenen Gemeinden erlebe ich jeden Tag, wie viel Gemeinschaft und Lebensfreude selbst unter herausfordernden Bedingungen möglich sind.

Von Freiwilligendienst Nord-Süd am
Junger Mann mit Baby auf dem Arm in einer Kindertagesstätte

Hier kümmere ich mich um ein neu angekommenes, sieben Monate altes Baby. Links im Bild ein weiteres Kind aus der Tagesstätte, das malt.

Erste Eindrücke und politische Situation 

Als ich in Costa Rica angekommen bin, habe ich schnell gemerkt, wie offen und freundlich ich die Menschen hier erlebe. Mir passiert es häufig, dass ich angesprochen  werde, wenn ich unsicher wirke oder dass mir direkt Hilfe angeboten wird.  Schon nach kurzer Zeit wurde ich zu Treffen eingeladen und hatte das Gefühl, wirklich angekommen zu sein. 

Gleichzeitig habe ich im Alltag auch eine andere Seite des Landes kennengelernt. Neben dem oft beschriebenen „Pura Vida“-Lebensgefühl gibt es  soziale Unterschiede, die deutlich sichtbar werden. 

Auch politisch steht das Land vor Herausforderungen wie steigenden Lebenshaltungskosten, wachsender Ungleichheit und zunehmender Kriminalität. Bei der Präsidentschaftswahl im Februar 2026 wurde mit Laura  Fernández Delgado eine neue Präsidentin gewählt, die bereits im ersten Wahlgang rund 48 Prozent der Stimmen erhielt. Die Einblicke vor Ort zeigen, dass die Meinungen dazu geteilt sind – viele junge Menschen sind sehr unzufrieden mit dem Wahlergebnis. 

Mein Arbeitsalltag 

Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich und findet in verschiedenen Projekten statt. Ein großer Teil davon spielt sich im Kindergarten „Casa Abierta“ ab, einer Kindertagesstätte in einem Stadtteil namens La Carpio. Dieser wurde inoffiziell hauptsächlich von nicaraguanischen Geflüchteten nach dem Bürgerkrieg aufgebaut und ist bis heute von hoher Armut und Kriminalität geprägt. 

Dort beginnt mein Tag meistens damit, dass ich von den Kindern begrüßt werde. Sie rufen meinen Namen, kommen auf mich zu gerannt und freuen sich jedes Mal, wenn ich da bin. Diese Momente geben mir direkt Energie für den Tag. 

Wir spielen viel, helfen im Alltag mit und bringen den älteren Kindern spielerisch erste Deutsch- und Englischkenntnisse bei. Außerdem gestalten wir kreative Angebote wie Basteln oder Yoga. Gleichzeitig gehören auch praktische Aufgaben dazu, wie Aufräumen oder das Vorbereiten des Mittagsschlafs.

Weitere Projekte 

Neben dem Kindergarten arbeite ich auch in anderen Bereichen. Einmal pro Woche helfe ich im Garten der Herberge und kümmere mich um die Pflanzen. Außerdem gebe ich Nachhilfe für Kinder und unterstütze sie beim Lernen.

Ein weiterer Teil meiner Arbeit sind Projekte in anderen Gemeinden. Dort organisieren wir Spiele, verbringen Zeit mit den Menschen und bringen Spenden wie Kleidung oder Lebensmittel mit. Diese Tage geben mir immer wieder neue Einblicke in unterschiedliche Lebensrealitäten. 

Was ich mitnehme 

Was mich am meisten beeindruckt, sind die Begegnungen mit den Menschen. Besonders die Kinder haben mich geprägt: Trotz schwieriger Lebensumstände sind sie fröhlich, neugierig und voller Energie. Ihre Art, im Moment zu leben und sich an kleinen Dingen zu freuen, hat meine eigene Sicht auf vieles verändert. Ich habe gelernt, Situationen mehr zu schätzen und offener auf Neues zuzugehen.

Meine Zeit hier ist für mich nicht nur Arbeit, sondern vor allem eine persönliche Erfahrung. Ich nehme viele Eindrücke, neue Perspektiven und vor allem die Bedeutung von Gemeinschaft mit. 

Text von Manú Alejandro Oviedo Müller

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Kleinbäuerin Claudine Hashazinyange mit Avocados vom Baum ihres Schwiegervaters. Schülerinnen in Äthiopien

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