UNESCO Weltbildungsbericht 2026
Der gerade erschienene UNESCO-Weltbildungsbericht 2026 aus der Trilogie „Countdown bis 2030“ steht unter dem Thema Zugang und Chancengerechtigkeit. Er liefert ernüchternde Erkenntnisse: Das Ziel 4 der Sustainable Development Goals (inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung für alle sowie lebenslanges Lernen) wird bis 2030 voraussichtlich nicht erreicht.

Nationale Präsentation des UNESCO Weltbildungsberichts
Gleichzeitig zeigt der Bericht aber auch positive Signale. Mehr Kinder melden sich zur Schule an und Investitionen in Infrastruktur haben den Zugang zu Bildung verbessert. Trotzdem ist das Ziel, dass jedes Kind Zugang zu hochwertiger Bildung hat, in weiter Ferne. So hat weltweit jedes sechste Kind und jede*r sechste Jugendliche weiterhin keinen Zugang zu Bildung. Durch Krisen, Kriege und Konflikte wird dies verschärft. Insgesamt besuchen 273 Millionen Kinder und Jugendliche keine Schule, und nur rund zwei Drittel schließen die Sekundarbildung ab.
Bildung als Schlüssel zur Erreichung der SDGs
Bei der diesjährigen Vorstellung des Berichts im Auswärtigen Amt betonten fast alle Redner*innen, dass Bildung ein Schlüssel zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) ist. Besonders hervorgehoben wurden frühe, inklusive Bildungsangebote und die Bedeutung von Lernräumen, an denen alle Kinder und Jugendliche teilhaben können. Auch die Rolle Deutschlands in der internationalen Bildungsfinanzierung wurde angesprochen, insbesondere im Kontext der finanziellen Beiträge für die Fonds „Education Cannot Wait“ und der „Global Partnership for Education“. Beide Fonds dienen dem gleichberechtigten Zugang zu Bildung, insbesondere im Bereich Grundbildung und Bildung in Notsituationen und langanhaltenden Krisen. Beide Fonds werden aber deutlich weniger Gelder zur Verfügung haben, als in den Vorjahren. Auch der deutsche Beitrag ist deutlich zurückgegangen. Wenn Mittel gekürzt werden, dann bedeutet es auch, dass weniger getan werden kann, um die SDGs zu erreichen. So konstatiert der Bericht einen Rückgang der öffentlichen Mittel der internationalen Zusammenarbeit insgesamt; der Anteil für Bildung sank auf 7,5 Prozent der sektorbezogenen Ausgaben, den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten.
Während der Präsentation wurden auch positive Beispiele aus deutschen Schulen gezeigt: Schulen als lebendige Orte der Demokratie, in denen junge Menschen Mitbestimmung lernen. Das ist eine wichtige Botschaft, gerade in diesen Zeiten. Ebenso richtig und wichtig ist die Forderung nach mehr Jugendbeteiligung und nach besseren Rahmenbedingungen, damit junge Menschen wirklich mitreden, mitgestalten und mitentscheiden können.
Bildung bleibt nicht nur eine nationale Aufgabe, sie ist eine Frage globaler Verantwortung
Wenn Klimakrisen, Kriege oder systemische Diskriminierung Menschen den Zugang zu Bildung versperren, sind gemeinsame Lösungen nötig: finanzielle Unterstützung, Wissenstransfer und faire Partnerschaften. Die SDGs sind ausdrücklich als kollektive Aufgabe formuliert. Nationale Maßnahmen allein reichen dabei nicht. Fortschritt braucht auch internationale Solidarität. Wohlhabendere Länder, multilaterale Institutionen und Geber müssen dazu beitragen, strukturelle Ungleichheiten abzubauen, sei es durch Finanzierung, Kapazitätsaufbau oder langfristige Partnerschaften.
Bildung ist ein öffentliches Gut, das globale Verantwortung erfordert. Das betrifft nicht nur Politik und Geld, sondern auch das, was in Schulen gelehrt wird. Bildung sollte früh Kompetenzen vermitteln, die junge Menschen in die Lage versetzen, globale Ungerechtigkeiten zu erkennen und aktiv zu verändern. Curricula und Schulalltag sollten so gestaltet sein, dass globale Gerechtigkeit, das Hinterfragen von Machtstrukturen und konkrete Handlungsoptionen miteinander verknüpft werden. So lernen Kinder und Jugendliche nicht nur Fakten, sondern auch, wie sie sich für eine gerechtere Welt einsetzen können.
Dies umfasst die kritische Auseinandersetzung mit den fortwirkenden kolonialen Strukturen in Wissen, Macht und Gesellschaft und das aktive Bestreben, diese zu transformieren (Dekolonialität). In diesem Sinne erweitert sich die Verantwortung um Fragen der epistemischen Gerechtigkeit, also darum, wer Wissen produziert, validiert und verbreitet. Nur so lassen sich Bildungsangebote schaffen, die wirklich inklusiv sind und die Erfahrungshorizonte der Lernenden respektieren.
Der Weltbildungsbericht 2026 mahnt zur Eile, aber er zeigt auch Wege, wie wir gemeinsam mehr Menschen den Zugang zu guter Bildung ermöglichen können. Dafür brauchen wir politische Entschlossenheit, internationale Solidarität, dekoloniale Sensibilität und Schulen, die junge Menschen zum Mitgestalten befähigen.
Dieser Blog erscheint auch im Politik-Brief, Ausgabe Oktober 2026.

