eine Frau sitzt in ihrem Gemüsegarten und erntet frische Zutaten für das Mittagessen
Nepal

Wissen gegen Mangelernährung

Im westlichen Tiefland Nepals leiden viele Menschen unter Mangelernährung. In der Region an der Grenze zu Indien gibt es wenig geeignete Anbauflächen und häufig Überschwemmungen. Ein Projekt unterstützt sie dabei, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und sich besser auf die Folgen von Überschwemmungen einzustellen.

Vielfalt statt Mangel

Stolz blickt Binita Kathariya auf ihr Gemüsebeet mit Spinat und Kohl und anderen Pflanzen. Gerade erntet sie Gemüse für das Mittagessen. Hinter der 34-Jährigen schwingen an Bambusrohren hängende Anzuchttöpfe im Wind, hoch genug, dass Hochwasser sie nicht erreichen kann.

Ihre Familie war früher vollständig vom Reisanbau abhängig. Doch der Monsun brachte häufig Überschwemmungen, die ihre Ernte vernichtet haben. Die Familie war gezwungen, von dem kleinen Vorrat an Reis zu leben, den sie auf den Dachboden ihres kleinen Lehmhauses retten konnten. Bargeld und Ersparnisse hatte sie nicht. Wenn die Ernte vernichtet wurde, folgten Hunger und Mangel. „Wir Erwachsenen hatten nichts mehr zu essen“, erinnert Binita Kathariya sich, „wir haben nur noch die Kinder mit Essen versorgt – und das auch nur einmal am Tag.“

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Besser auf Überschwemmungen vorbereitet

Heftiger Regen im Monsun macht Binita Kathariya noch immer Angst. Doch gemeinsam mit anderen Frauen in ihrem Dorf hat sie neue Wege gefunden, Gemüse anzubauen und sich besser vor den Folgen von Überschwemmungen zu schützen. Mit Unterstützung der Partnerorganisation SAHAS legen die Bäuerinnen Hochbeete und Dachgärten an. Sie bauen Auberginen, Kürbis, Spinat und Bohnen an und lernen, organischen Dünger selbst herzustellen. So steigern sie ihre Ernte, schützen ihre Anbauflächen besser vor Überschwemmungen und können abwechslungsreicher essen.

Gesunde und ausgewogene Ernährung lernen

Wie wichtig eine ausgewogene Ernährung ist, lernte sie unter anderem von Maya Chaudhary. Maya Chaudhary ist Gesundheitsberaterin bei SAHAS, ihre Themen sind gesunde Ernährung und Hygiene. Heute zeigt sie Binita Kathariya und anderen Frauen, wie sie einen gesunden Babybrei herstellen können. Dazu stellt die 26-Jährige drei Korbschalen mit Reis, Weizen und Sojabohnen in die Mitte der Frauenrunde und einen großen Topf auf die Feuerstelle. Dann beginnt sie Reis, Weizen und Sojabohnen zu rösten. „Zwei Teile Kohlenhydrate, ein Teil Proteine“, erklärt Maya Chaudhary die Zusammensetzung für den nahrhaften Brei. Binita Kathariya hilft ihr und zerkleinert die gerösteten Körner zwischen zwei groben Mahlsteinen. Das so entstandene Mehl schüttet Maya Chaudhary wieder in einen Topf und kocht den Brei.

„Es hat einige Zeit gedauert, die Frauen von ausgewogener Ernährung zu überzeugen“, erinnert sich Maya Chaudhary. „Viele aßen ausschließlich Reis. Doch mit den neuen Küchengärten, den Hochbeeten und Dachgärten haben sie ihre Ernährung verbessert.“ Davon profitieren auch ihre Kinder. Vor einem Jahr waren noch 22 Kinder aus der Gemeinde mangelernährt, als Maya Chaudhary sie heute bei ihrem Besuch wiegt, haben sie alle ausreichend zugenommen und sind gewachsen.

Neue Brunnen, Unwetter-Warnungen und eigenes Einkommen 

Auch in den Dörfern zeigt sich der Wandel. Gemeinsam mit den SAHAS-Berater*innen haben die Familien Brunnen angelegt. „Wir haben viel für eine bessere Hygiene getan“, sagt Binita Kathariya und zeigt auf ein Bambusgerüst, auf dem Geschirr zum Trockenen liegt. Früher hätte es auf dem Boden im Staub getrocknet. „Wir haben auch Körbe für Mülleimer geflochten, um Plastik zu sammeln, damit unsere Wege nicht vermüllen.“ Außerdem hat SAHAS gemeinsam mit Partnern ein Frühwarnsystem etabliert, um die Frauen vor Unwetter zu warnen. In jedem Dorf erhält eine Frauengruppe eine Kurznachricht per Telefon, und die Frauen informieren dann ihre Nachbarn. Binita Kathariya nimmt das Ängste: „Es wird uns helfen, uns im Falle der Fälle entsprechend vorzubereiten.“

Den größten Unterschied macht für Binita Kathariya aber die Unabhängigkeit. Seit sie bei SAHAS Nähen lernte, kann sie auf eigenen Beinen stehen. So kann sie mit Näharbeiten ihr eigenes Geld verdienen: „Jetzt habe ich eine Einkommensquelle, um Lebensmittel zu kaufen.“

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