Getreidebanken verhindern Hunger
Bangladesch zählt zu den am stärksten von den Folgen des Krieges zwischen Iran und den USA betroffenen Ländern. Die Blockade der Straße von Hormus führt zu akuter Energieknappheit, steigenden Inflationsraten und enormem Druck auf die Wirtschaft. Doch die vom Projekt unterstützten Bauernfamilien meistern die Krise besser als viele andere.

Getreidespeicher sind ein wirksames Mittel, um akuten Nahrungsmittelengpässen vorzubeugen.
Im vergangenen Jahr hatte sich die Ernährungssituation in Bangladesch dank stabiler Lebensmittelpreise verbessert, nun drohen die Folgen des Iran-Krieges diese Fortschritte zunichtezumachen. Wie ist die Lage in Ihrer Region?
Als die geopolitischen Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg zunahmen und die Straße von Hormus blockiert wurde, kam es zu einem Zusammenbruch der Lieferketten. Die Folge waren bei uns akute Getreideknappheit und plötzliche Preissprünge. Dadurch sind hier schätzungsweise 250.000 bis 300.000 besonders vulnerable Menschen unmittelbar in ihrer Ernährungssicherheit bedroht. Gleichzeitig verstärken die externen Schocks die bereits bestehenden Probleme – Wasserknappheit, hohe Bewässerungskosten und die starke Abhängigkeit von importierten chemischen Düngemitteln.
Was setzt Ihre Projektarbeit dem entgegen?
Unser Rokkhagola-Modell, bei dem Dorfgemeinschaften gemeinsam Reis und Geld sparen, um ihre Mitglieder in Krisenzeiten unterstützen zu können, dient als soziales Sicherheitsnetz. Durch den Reisanbau auf Haushaltsebene sowie die Lagerung von angespartem Reis in lokalen Getreidebanken konnten die 70 Rokkhagola-Gruppen über 15.000 Menschen unmittelbar unterstützen. Wir beraten und schulen Kleinbauerfamilien, die dann nicht mehr auf teure Importe setzen, sondern auf agrarökologische Methoden, organischen Dünger und den Erhalt lokalen Saatguts. Damit haben viele Familien stabile Erträge erreicht – trotz der Ausfälle auf den globalen Märkten. Auch durch Gemüsegarten- und Tierhaltungsprojekte reduzieren sie Kosten, stärken die lokale Produktion und schaffen kurzfristig verfügbare Vorräte für Notfälle.
Wie beurteilen Sie die Lage auf nationaler Ebene?
Rund 15,3 Millionen Menschen in Bangladesch erleben derzeit akute Ernährungsunsicherheit. Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl bis Ende 2026 auf etwa 18,1 Millionen steigen wird. Die aktuelle Krise zeigt deutlich: Ernährungssicherheit darf nicht von geopolitisch bedingten Engpässen abhängen. Denn importlastige, zentralisierte Systeme sind in solchen Momenten besonders verletzlich. Besonders betroffen sind die indigenen Gemeinschaften im Norden unseres Landes. Deshalb stärken wir ihre Selbsthilfefähigkeiten, damit sie Krisen besser bewältigen können.
Welche Ziele haben Sie für die nächste Zeit?
Wir wollen unser Netzwerk weiter ausbauen, neue Partnerschaften eingehen und die Kapazitäten der Getreidebanken erweitern. Parallel dazu planen wir den Ausbau von Schulungen zu organischem Dünger und Saatguterhaltung, um die Abhängigkeit von importierten Betriebsmitteln dauerhaft zu verringern.