Pressemeldung
Die nepalesische Regierung hat eine Woche nach der verheerenden Sturzflut Entschädigungszahlungen aus dem Loss and Damage-Fonds beantragt. Der im Jahr 2023 auf der internationalen Klimakonferenz eingerichtete Fonds soll wirtschaftlich schwachen Ländern helfen, Schäden durch den Klimawandel, für den sie nicht verantwortlich sind, zu bewältigen. „Die Forderung Nepals ist vollkommen nachvollziehbar. Verursacherstaaten können sich nicht mehr mit Almosen aus der Verantwortung ziehen, wenn wirtschaftlich benachteiligte Staaten die Konsequenzen der Klimakrise tragen und dafür die Rechnung präsentieren“, sagt Sabine Minninger, Referentin für Klimapolitik bei Brot für die Welt. Unterdessen gehen die Rettungs- und Bergungsarbeiten in Nepal weiter. Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt die Nothilfe im Flutgebiet.
Die Schäden durch die Sturzfluten, bei der ganze Dörfer, Straßen, Brücken und Kraftwerke zerstört wurden, schätzt Nepal auf umgerechnet mehr als vier Milliarden Euro. Diese Summe kann das Land in kurzer Zeit kaum selbst aufbringen. Ob es sich um eine Katastrophe als direkte Folge des Klimawandels gehandelt hat, wird wissenschaftlich noch untersucht. „Fakt ist: Der Klimawandel verändert die Berge und Gletscher seit Jahren. Ich warne davor, die Folgen weiter zu relativieren, um sich aus der Verantwortung zu ziehen“, sagt Sabine Minninger. „Viel wichtiger ist jetzt zu prüfen, ob das Verursacherprinzip im Ernstfall greift und betroffene Staaten angemessen entschädigt werden können. Mit Blick auf den Fonds ist die Antwort ganz klar: Nein!“ Der Fonds ist erst mit rund 800 Millionen US-Dollar ausgestattet und kann nur einen Bruchteil der Schäden in Nepal decken. Benötigt werden jedoch schätzungsweise 400 Milliarden US-Dollar jährlich, um tatsächliche Schäden und Verluste in Entwicklungsländern kompensieren zu können. „Die kommende Klimakonferenz in der Türkei muss ein klares Zeichen setzen, dass betroffene Länder nicht im Stich gelassen werden“, sagt Minninger.
Brot für die Welt fördert seit vielen Jahren Projekte in Nepal, um bedrohte Gemeinden für die Folgen des Klimawandels zu rüsten. Der Partner People, Energy & Environment Development Association (PEEDA) verschafft beispielsweise Familien Zugang zu klimaresilientem Saatgut, schult sie bei der Waldnutzung oder arbeitet mit Gemeinden Klimaanpassungspläne aus. Weitere Partner setzen sich für den Ausbau erneuerbarer Energien sowie für die Umsetzung des nationalen Klimaschutzplans ein, den es in Nepal gibt.
Vorsorge und vorausschauendes Handeln stärker unterstützen
„Nepal hat durchaus Fortschritte bei der Katastrophenvorsorge gemacht. Das Hochwasser-Monitoring und Vorhersagen haben sich verbessert“, sagt Jalil Lone, Berater für Katastrophenvorsorge und Klimawandelfolgen bei der Diakonie Katastrophenhilfe. „Die größte Lücke ist jedoch die `Letzte Meile´: Eine Familie erhält vielleicht eine Warnmeldung, verfügt aber über kein Transportmittel, keinen sicheren Evakuierungsweg oder keine zugängliche Notunterkunft. Wenn ein Teil dieser Kette versagt, kann die Warnung möglicherweise keine Leben retten.“ Deshalb plädiert Lone, neben Frühwarnsystemen auch vorausschauendes Handeln zu unterstützen: „Finanzielle Mittel werden meist erst nach einer Katastrophe bereitgestellt. Vorsorge, Klimaanpassung und vorausschauendes Handeln erfordern aber eine längerfristige und flexiblere Finanzierung.“
Nothilfe über Partner der ACT Alliance geht weiter
Nach der Sturzflut in Nepal und Tibet am 26. August wurden bisher mehr als 1.100 Tote geborgen. Mehr als 4.000 Menschen gelten noch als vermisst. Die Diakonie Katastrophenhilfe arbeitet mit Partnern der ACT Alliance, dem weltweit größten kirchlichen Netzwerk für humanitäre Hilfe, bei der Soforthilfe zusammen. Betroffene erhielten Plastikplanen und Familienzelte, um sich vor Regenfälle zu schützen. Die Verteilung von Kochutensilien und Bargeldhilfen sowie psychosoziale Hilfe werden vorbereitet. Zudem sind in den kommenden Monaten Präventionsmaßnahmen geplant, um Familien besser vor künftigen Gefahren zu schützen.