Pfarrerin Dr. Christina Bickel und Pfarrer i.R. Bernd Müller führten durch den Erntedankgottesdienst in der Stiftskirche Kaufungen.
© Uwe Haupt
Eine kleine Talkshow im Erntedankgottesdienst zum Thema Wasserknappheit weltweit und was Menschen miteinander teilen können. Brigitte Molter, Referentin Brot für die Welt und Vikar Mawuli Assimadi waren zu Gast in der Stiftskirche Oberkaufungen.

Pfarrerin Dr. Christina Bickel, Vikar Mawuli Assimadi, Brigitte Molter und Pfarrer i.R. Bernd Müller gestalteten die kleine Talkshow.
Oberkaufungen, 27.09.2026 Eine Blüte liegt auf dem Wasser. Langsam öffnet sie sich. Auf der Leinwand in der Stiftskirche ist ein vor Ort aufgenommener Filmclip für die Brot-für-die-Welt-Aktion zu sehen. Das Bild begleitet die Fürbitten, dazwischen erklingt die gesungene Bitte: „O Lord, hear my prayer“ – „Herr, höre mein Gebet“. Die Gedanken wandern zu Menschen, deren Brunnen versiegen, deren Felder vertrocknen oder deren Ernten in Überschwemmungen untergehen. Hoffnung bekommt an diesem Erntedanksonntag eine sichtbare Gestalt.
„Ohne Wasser kein Brot – wie wird es gerecht?“ Diese Frage führte durch den Gottesdienst am 27. September. Zwischen Erntegaben, Musik und Gebeten öffnete sich der Blick weit über den eigenen gedeckten Tisch hinaus. Pfarrerin Dr. Christina Bickel und Pfarrer Bernd Müller begrüßten dazu Brigitte Molter und Vikar Mawuli Assimadi vom Zentrum Ökumene in Frankfurt, der gemeinsamen Einrichtung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.
Mitten im Gottesdienst wurde es zur kleinen Talkshow: Bernd Müller moderierte ein Gespräch mit den beiden Gästen und Christina Bickel über Wasserknappheit weltweit. Persönliche Erinnerungen, Berichte aus der Entwicklungszusammenarbeit und biblische Gedanken kamen zusammen. Zum Einstieg stand eine einfache Frage: Welches Bild kommt einem zuerst in den Sinn, wenn man an Wasser denkt?
„Ich verbinde Wasser mit Privileg“, antwortete Assimadi. Er nahm die Gemeinde mit in sein Geburtsland Togo: früh am Morgen vor der Schule oder am Abend danach mit einem Eimer zum öffentlichen Brunnen gehen und Wasser schöpfen. Was für viele Menschen hierzulande weit entfernt scheint, gehört zu seinen eigenen Erfahrungen. Ein Wasseranschluss im Haus erspart diese Arbeit. Doch ob er möglich ist, hängt auch vom Wohnort und den finanziellen Mitteln ab.
Müller fragte nach: Was bedeutet das für den Alltag einer Familie? Was geschieht, wenn der Regen ausbleibt? Assimadi lenkte den Blick auch auf das andere Extrem: Regen, der in solchen Mengen fällt, dass Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Seine Schilderungen machten deutlich, wie eng Wasser mit Gesundheit, Ernährung, Zeit und Lebenschancen verbunden ist.
Dabei warb Assimadi für gegenseitige Solidarität. Dazu gehöre, die Erfahrungen und Ideen der Menschen vor Ort wahrzunehmen und erfolgreiche Projekte zu unterstützen. Auch der eigene Konsum kam zur Sprache: Die Herstellung von Kleidung benötigt viel Wasser. Kleidungsstücke länger zu nutzen, ist deshalb eine Möglichkeit, sorgsamer mit dieser gemeinsamen Ressource umzugehen.
Brigitte Molter führte den Blick weiter nach Peru. Sie berichtete von Kleinbauernfamilien im Andenhochland, deren Lebensgrundlage durch anhaltende Trockenheit bedroht ist. Partnerorganisationen von Brot für die Welt unterstützen sie dabei, Regenwasser in Gräben und Auffangbecken zu sammeln, Böden durch Aufforstung zu schützen und Felder wassersparend zu bewässern. So wurde anschaulich, wie Zusammenarbeit dazu beitragen kann, Ernten und Ernährung zu sichern.
Wie lässt sich angesichts solcher Not Erntedank feiern? Diese Frage richtete Müller an Bickel. Die Pfarrerin ließ ausdrücklich Raum für die Klage derjenigen, denen das Nötigste fehlt. Dankbarkeit und Verantwortung gehörten zusammen. „Wenn wir um unser tägliches Brot bitten, reicht dieses ‚unser‘ über unseren eigenen Tisch hinaus“, sagte sie. Es schließe Menschen in Togo und Peru ebenso ein wie diejenigen vor Ort, deren Geld kaum für Lebensmittel reiche.
Gemeinschaft war auch musikalisch zu erleben. Zum Lied „Danke für die Sonne, danke für den Regen“ kamen Trommeln und Rasseln hinzu: Die Gemeinde sang und musizierte gemeinsam. Elke Philer an der Orgel und der Posaunenchor unter der Leitung von Carsten Noll gestalteten den musikalischen Rahmen.
Beim Vaterunser begegneten sich schließlich zwei Sprachen: Christina Bickel und Mawuli Assimadi beteten abwechselnd auf Deutsch und Ewe. Die Bitte um das tägliche Brot verband die unterschiedlichen Lebenswelten noch einmal unmittelbar.
Für den festlichen Schmuck der Kirche hatten die Küsterinnen Monika Klaus und Ute Strube gesorgt. Carsten Woidt und Hans-Georg Brauer unterstützten die technische Gestaltung. Auch über den Gottesdienst hinaus wurde geteilt: Die Erntegaben waren für die Kasseler Tafel bestimmt, die Kollekte für die Katastrophenhilfe der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.
Anschließend kamen die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher zu einem großen gemeinsamen Suppenessen zusammen. Die gespendeten Suppen boten Gelegenheit, sich zu stärken, miteinander ins Gespräch zu kommen und die Gemeinschaft weiterzufeiern. Die dabei gesammelten Geldspenden kamen der Arbeit der eigenen Kirchengemeinde zugute. So fand die Bitte um das tägliche Brot ihre Fortsetzung beim gemeinsamen Essen und der Dank für die Gaben der Erde wurde zum Teilen.
Hinweis: Die Spendenbeispiele sind symbolisch. Durch Ihre zweckungebundene Spende ermöglichen Sie uns dort zu helfen, wo es am dringendsten ist.
56 € ( Spendenbeispiel ) Mit 56 € kann zum Beispiel ein Hygiene-Paket für eine geflüchtete Familie finanziert werden.
100 € ( Spendenbeispiel ) Mit 100 € kann zum Beispiel Gemüse-Saatgut für die Bewirtschaftung von ca. 10 Feldern bereitgestellt werden.
148 € ( Spendenbeispiel ) Mit 148 € kann zum Beispiel ein Regenwassertank mit 2.000 Liter Fassungsvermögen gekauft werden.
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100 € ( Spendenbeispiel ) Mit 100 € kann zum Beispiel Gemüse-Saatgut für die Bewirtschaftung von ca. 10 Feldern bereitgestellt werden.
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