Kommunale Perspektiven im Dialog: Bürgermeister nutzen das Forum zum Austausch.
© ASONOG
„Würde kennt keinen Pass“ hieß das Motto des Forums zu Migration, das Brot für die Welt-Partnerorganisationen bereits zum sechsten Mal anlässlich der Woche des Migranten in Honduras veranstalten. Die Aussage mag banal und selbstverständlich klingen, wird jedoch durch aktuelle Entwicklungen der Migrationspolitik in den USA und weiten Teilen der Region immer mehr in Frage gestellt.

Für gemeinsame Lösungen: Regionale Zusammenarbeit stärken.
Wichtig ist vor diesem Kontext die Rückbesinnung auf christliche Werte. Als Sandro Martínez nach Honduras zurückkehrte, war er selbst mehrere Jahre als Migrant in den USA. Heute ist er Bürgermeister von Victoria und stellt Rückkehrenden Land für Kaffee- und Honiganbau zur Verfügung, organisiert in Kooperativen. Das Beispiel stellt er im September auf dem jährlichen Migrationsforum vor. Es zeigt, wie konkrete Lösungen zur Reintegration von Rückkehrenden auf lokaler Ebene aussehen können. Seien es Vertreter*innen der Diaspora oder Rückkehrende, darf ihre Bewertung und Begleitung jedoch nicht auf ihren wirtschaftlichen Beitrag reduziert werden. Es braucht umfassende Angebote, die auf die jeweils individuellen Bedürfnisse eingehen.
Seit 1914 feiert die katholische Kirche den internationalen Tag in Gedenken an Migrant*innen und Flüchtende im September und dieser Tradition folgt das Forum, das Brot für die Welr-Partnerorganisationen wie CASM, OCDIH, ASONOG und die Scalabrinischwestern der Migrationspastoral 2026 zum sechsten Mal organisierten. Dieses Jahr widmet Papst Leo XIV. den Tag minderjährigen Migrant*innen gemäß Matthäus (Kapitel 18, Vers 5): „Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.” Dies ist als Aufruf zur Nächstenliebe, zur gemeinsamen Verantwortung und der Zuwendung zu besonders Schutzbedürftigen zu verstehen.
Unter diesem Zeichen stehen auch die Diskussionen im Rahmen des Forums, das dieses Jahr am 8.9. stattfand. Jahr für Jahr wird in diesem Rahmen ein Raum des Austausches für die unterschiedlichsten Akteure: Zivilgesellschaft, Abgeordnete, Bürgermeister aus Honduras und Mexiko, Vertreter*innen internationaler Organisationen wie IOM, nicht zuletzt und am wichtigsten jedoch auch Vertreter*innen von Migrantenselbstorganisationen und organisierter Diaspora aus Honduras, den USA und Spanien. Die Vielzahl der Akteure spiegelt gleichzeitig auch einige der dringendsten Forderungen als Ergebnis des Forums wider.
Für einen angemessenen Umgang mit Migration braucht es internationale Standards, die die Grundlagen für nationale Gesetzgebung legen. Ein Beispiel hierfür ist etwa der globale Pakt für Migration oder die Aktionspläne zur Umsetzung der Cartagenaerklärung in dessen Rahmen unter anderem die Grundlagen für die Anerkennung von Klimawandel als Fluchtursache diskutiert werden. Gleichzeitig ist es jedoch ebenso wichtig, gezielt lokale Autoritäten und Akteure in ihrer Verantwortung und Gestaltungsspielraum zu stärken, also eine klare Dezentralisierung der Migrationspolitik voranzutreiben.
Selten sind jedoch die Möglichkeiten, positive Beispiele kennen zu lernen, wie Lösungen auf lokaler Ebene aussehen (können) und beteiligte Akteure direkt ins Gespräch bringen zu können. Hierzu zählen beispielsweise die gezielte Anpassung von Ausbildungsangeboten an den lokalen Arbeitsmarkt, Anerkennung von im Ausland gewonnener Arbeitserfahrung und die Förderung einkommensschaffender Maßnahmen für Rückkehrende mit der Förderung von Kaffeekooperativen, Kreditgenossenschaften und gemeinsamen Anbauparzellen.
Klar ist: Den Bedarfen von Migrant*innen muss konkret auf lokaler Ebene begegnet werden und die Schaffung entsprechender Angebote bedarf der engen Zusammenarbeit und Austausch unterschiedlicher Akteure. Gleichzeitig darf jedoch der Blick auf die regionale Ebene nicht verloren gehen. Aktuell immer stärker werdende Narrative der Kriminalisierung von Migrant*innen, von Sicherheit und Abschottung haben eine direkte Auswirkung auf die zwischenstaatliche Zusammenarbeit, auf die Möglichkeit, konstruktive regionale Lösungen zu gestalten, aber auch die Gefährdung von Netzwerken, die Migrant*innen begleiten.
Alles klingt und bleibt jedoch abstrakt, wenn man sich nicht einen der immer wieder kehrenden Leitsprüche von Netzwerken verinnerlicht, die Migrant*innen begleiten: „Nichts über Migrant*innen ohne Migrant*innen“ (nada sobre migrantes sin migrantes). Teilweise wird versucht, Narrative der Kriminalisierung und Stigmatisierung von Migrant*innen zu begegnen, in dem auf den wirtschaftlichen Beitrag von Migrant*innen verwiesen wird. Und ja, es ist wichtig, hier in der Region zu analysieren, welche Auswirkungen es haben wird, wenn Rücküberweisungen abnehmen werden, die im Moment in Honduras und anderen Ländern der Region weit über 20 Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmachen. Dies ist vor allem in Anbetracht der zunehmenden Anzahl an Abschiebungen und dem Ende des temporären Schutzstatus für 55.000 Honduraner*innen zu analysieren.
Noch wichtiger jedoch ist es, Betroffenen zuzuhören, die Vorkehrungen treffen müssen, ihre Kinder bei Angehörigen oder Bekannten in Obhut geben zu können um zu verhindern, dass sie in staatliche Obhut gelangen im Fall einer Abschiebung. Zuzuhören, was es mit der Diaspora macht, wenn sie nur zu Wahlzeiten als mögliches Stimmvolk einen neuen Pass beantragen kann. Oder wenn junge Männer zurück in ihre Gemeinde kommen und Arme oder Beine verloren haben auf dem Weg in den Norden und sich nun Diskriminierung, Depression und fehlender entsprechender Gesundheitsversorgung ausgesetzt sehen.
Brot für die Welt arbeitet in diesem Kontext im Rahmen eines regionalen ZFD-Programmes in Zentralamerika mit aktuell zehn Partnerorganisationen, unter ihnen ASONOG und OCDIH, die regelmäßig an der Organisation des beschriebenen Forums beteiligt sind. Dieses Jahr lag der Beitrag insbesondere in der Gestaltung der letzten Paneldiskussion, die in Koordination mit Karol Arambula als Vertreterin von ACT Alliance die Bedeutung und den Beitrag der Zivilgesellschaft im Monitoring des globalen Migrationspakts analysierte.
Zum einen liegen Migration häufig Konflikte zu Grunde insbesondere im Zusammenhang mit der Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger*innen, geschlechtsspezifischer Gewalt oder sozioökologischen Ereignissen. Partnerorganisationen des Programmes dokumentieren hier Muster von Menschenrechtsverletzungen und fördern den Zugang zu Schutzmechanismen, stärken insbesondere Frauennetzwerke mit der Schaffung sicherer Räume und politischer Beteiligung und untersuchen den Zusammenhang von sozioökologischen Ereignissen auf Vertreibung. Zum anderen bieten Partnerorganisationen psychosoziale Begleitung an. Dies ist nicht nur wichtig, um mit Trauma aufgrund erfahrener Menschenrechtsverletzungen, insbesondere entlang der Migrationsroute, umgehen zu können. Subtiler sind die Auswirkungen auf die emotionale Gesundheit durch Depression, Identitätskonflikte, Zerrüttung von Familien und Geschlechterrollen.
Nicht zuletzt werden über den ZFD-Dialogräume gefördert, um nachhaltige Lösungen für lokale Konflikte zu finden und so Migration vorzubeugen oder interinstitutionelle runde Tische und Netzwerke vor Ort zu stärken zum Umgang mit Migration.
Weitere Links:
https://www.brot-fuer-die-welt.de/blog/2025-wie-viele-massaker-muessen-noch-geschehen/
Dieser Text wurde verfasst von Anna Brunner, Koordinatorin des ZFD-Programms von Brot für die Welt in Zentralamerika.
Hinweis: Die Spendenbeispiele sind symbolisch. Durch Ihre zweckungebundene Spende ermöglichen Sie uns dort zu helfen, wo es am dringendsten ist.
56 € ( Spendenbeispiel ) Mit 56 € kann zum Beispiel ein Hygiene-Paket für eine geflüchtete Familie finanziert werden.
100 € ( Spendenbeispiel ) Mit 100 € kann zum Beispiel Gemüse-Saatgut für die Bewirtschaftung von ca. 10 Feldern bereitgestellt werden.
148 € ( Spendenbeispiel ) Mit 148 € kann zum Beispiel ein Regenwassertank mit 2.000 Liter Fassungsvermögen gekauft werden.
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