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Wenn Waffen „grün" werden

Wie die EU Rüstung zu nachhaltigen Finanzprodukten macht und warum der FairWorldFonds anders handelt.

Von Jutta Albrecht am
Geschäftsleute analysieren die Verläufe von Rüstungsaktien

Die weltweiten Rüstungsausgaben haben sich in den letzten zehn Jahren um 41 Prozent erhöht, allein die NATO-Staaten investierten 2025 rekordverdächtige 2,9 Billionen US-Dollar in Verteidigung. Kein Wunder, dass die Aktienkurse von Rüstungskonzernen wie Rheinmetall, Thales oder Lockheed Martin von einem Hoch zum nächsten eilen. Erstaunlicher ist etwas anderes: Neben herkömmlichen Investmentfonds tauchen immer häufiger diese Unternehmen auch in als „nachhaltig" gekennzeichneten ESG (Environment, Social, Governance) -Fonds auf. Während sich hier die Grenzen zunehmend verschieben, hält ein Fonds bewusst dagegen: der FairWorldFonds, der Rüstung konsequent aus seinem Anlageuniversum ausschließt. Was diesen Unterschied so bemerkenswert macht, zeigt ein Blick auf die Entwicklung auf EU-Ebene.

Die stille Umdeutung

Mit dem ReArm-Europe-Plan will die EU-Kommission den Kontinent bis 2030 verteidigungsfähig machen. Eine Handreichung vom November 2025 stellt klar: Der EU-Rahmen für nachhaltige Finanzen schließt Investitionen in den Verteidigungssektor nicht aus. Auch die SFDR-Verordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation), die eigentlich Greenwashing verhindern soll, verbietet Rüstungsinvestments in nachhaltigen Finanzprodukten nicht grundsätzlich – und legt keine Umsatzgrenze fest, wie sie viele Fonds bislang für Ausschlüsse nutzten.

Rüstung wird damit nicht pauschal für nachhaltig erklärt. Aber die Kommission argumentiert, Verteidigungsausgaben könnten zu Resilienz, Sicherheit und Frieden beitragen – und damit sozialer Nachhaltigkeit dienen. Die Folge: Investitionen in „grüne" Fonds -die inzwischen als Art. 8- und Art. 9-Fonds deklariert werden- sind zwischen 2021 und 2025 von 14,5 auf 49,8 Milliarden Euro gestiegen, eine Verdreifachung. Allein 2025 erzielten rund 769 solcher Fonds 7 Milliarden Euro Gewinn aus Rüstungsaktien.

Es handelt sich um kein klassisches Greenwashing, sondern um einen institutionellen Kurswechsel: Sicherheit wird politisch zunehmend als Bestandteil von Nachhaltigkeit gerahmt, obwohl das nicht nötig ist, denn Investorinnen und Investoren können sich jederzeit für herkömmliche, also nicht als ESG gekennzeichnete, Investmentfonds entscheiden, um von den Renditen der Rüstungsunternehmen zu profitieren. ESG-Produkte werden durch den Kurswechsel ausgehöhlt. Die Fondsnamen bleiben gleich, die Ausschlusskriterien verschieben sich schleichend – ein Vertrauensproblem, selbst wenn alles regelkonform geschieht.

Was die EU verbietet – und was nicht

Klar verboten bleiben Antipersonenminen, Streumunition sowie chemische und biologische Waffen. Bei Atomwaffen, weißem Phosphor oder autonomen Waffensystemen dagegen herrscht Grauzone.

Zwei Lesarten

Kritiker eines pauschalen Rüstungsausschlusses halten dagegen: EU-Recht schreibe keine Branchenausschlüsse vor, sondern ziele auf Transformation und Souveränität. Für die Regulierung von Waffeneinsatz seien ohnehin Genfer Konventionen, Römisches Statut und Exportkontrollen zuständig – nicht die Finanzmarktregulierung. Ethik und nachhaltige Finanzwirtschaft seien getrennte Analyserahmen; Sicherheit und Energiewende kein Widerspruch.

Dem steht eine ökonomische Rechnung entgegen: Der Global Peace Index beziffert die weltweiten Kosten von Gewalt auf rund 20 Billionen US-Dollar jährlich – 11,6 Prozent des globalen BIP. Während Militärbudgets steigen, bleiben Mittel für Friedenssicherung gering. Besonders gefährdet ist der Globale Süden, wenn Entwicklungsgelder zugunsten von Verteidigungsausgaben sinken.

Der FairWorldFonds: Klare Kante statt Grauzone

Genau hier setzt der FairWorldFonds einen bewussten Kontrapunkt. Statt die eigenen Kriterien schleichend an politischen Druck anzupassen, hält er an einer strikten, klar definierten Ausschlusspolitik fest: Hersteller von Rüstungsgütern sind grundsätzlich vom Anlageuniversum ausgeschlossen – ebenso Unternehmen, die repressive Regime unterstützen oder an Bürgerkriegen beteiligt sind. Sicherheit wird hier also nicht, wie bei vielen „grünen" Fonds inzwischen üblich, als Teil von Nachhaltigkeit umgedeutet, sondern bewusst von ihr abgegrenzt.

Konkretisiert wird dieser Ausschluss durch einen unabhängigen Kriterienausschuss, an dem auch Brot für die Welt beteiligt ist. Die Regel ist eindeutig: Die Produktion kompletter Waffen und Waffensysteme ist generell tabu – keine Ausnahmen, keine Interpretationsspielräume, keine Abhängigkeit von regulatorischen Verschiebungen auf EU-Ebene. Für Anleger*innen bedeutet das ein Maß an Verlässlichkeit, das ESG-Label allein heute nicht mehr garantieren: Wer in den FairWorldFonds investiert, kann sicher sein, dass Rüstungstitel nicht im Portfolio landen – unabhängig davon, wie die EU-Kommission „nachhaltige Sicherheit" gerade definiert.

Fazit

Die Beispiele zeigen zwei gegensätzliche Wege: Während die EU-Regulierung Verteidigungsinvestitionen zunehmend Raum in „grünen" Fonds gibt, beweist der FairWorldFonds, dass ein konsequenter Rüstungsausschluss auch ohne verpflichtende EU-Vorgaben möglich ist. Wer rüstungsfreie Investments will, kann sich also nicht mehr blind auf ESG-Label verlassen – wohl aber auf Fonds, die wie der FairWorldFonds ihre Kriterien transparent und unabhängig von politischem Druck definieren.

 

 

Quellen: 

SIPRI Fact Sheet, Trends in World Military Expenditure, April 2026

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