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Myanmar: Frieden beginnt mit Teilhabe

Wie kann nach Jahren von Gewalt und Militärherrschaft ein inklusives Myanmar entstehen? Die Burma-Konferenz in Chiang Mai zeigte: Frieden braucht lokale Beteiligung, starke Frauenrechte und echte Zukunftschancen für junge Menschen.

Von Der Zivile Friedensdienst bei Brot für die Welt am
Wandbilder werben für den Frieden

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Vom 14. bis 16. August stand in Chiang Mai die Zukunft Myanmars im Mittelpunkt. Die Konferenz brachte wissenschaftliche Forschung, Erfahrungen aus Gemeinden und politische Fragen des Exils zusammen. Ein roter Faden zog sich dabei durch viele Beiträge: Ein nachhaltiger Frieden kann nicht allein durch politische Vereinbarungen „von oben“ entstehen. Er muss dort wachsen, wo Menschen trotz Krieg und Vertreibung ihren Alltag organisieren, Verantwortung übernehmen und neue Formen des Zusammenlebens entwickeln.

Besonders deutlich wurde dies in den Diskussionen über lokale Governance und „Bottom-up Föderalismus“. Forschungen aus Konfliktregionen zeigen, wie Gemeinden bereits heute Strukturen aufbauen, die Teilhabe, soziale Kohäsion und Selbstbestimmung ermöglichen. Humanitäre und entwicklungspolitische Unterstützung kann solche Prozesse stärken – wenn sie lokale Akteur nicht ersetzt, sondern ihre Handlungsspielräume erweitert. In diesem Sinne können kleine, miteinander verbundene Formen lokaler Mitbestimmung zu Bausteinen einer künftigen föderalen politischen Ordnung werden.

Frieden braucht Gerechtigkeit und Teilhabe

Friedenspolitik bedeutet dabei mehr als das (dringend notwendige) Ende bewaffneter Auseinandersetzungen. Die Beiträge zu Menschenrechten, Rechenschaft und Transitional Justice machten deutlich, dass auch die Aufarbeitung von Gewalt und die Anerkennung von Opfern Teil eines zukünftigen Friedens sein müssen. Fragen nach Minderheitenrechten, politischer Beteiligung und einer gerechten föderalen Ordnung sind deshalb eng miteinander verbunden. Die Konferenz fragte damit auch, wie ein zukünftiges Myanmar aussehen kann, das vergangene Ausschlüsse nicht einfach reproduziert.

Eine solche Perspektive ist besonders für Frauen entscheidend. Frauen engagieren sich seit Jahrzehnten in politischen Bewegungen, in ethnischen Widerstandsbewegungen und seit der „Spring Revolution“ von 2021. Trotzdem bleiben formale Führungspositionen vielfach Männern vorbehalten. Gleichzeitig tragen Frauen die Folgen des Konflikts in besonderer Weise: sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt, wirtschaftliche Unsicherheit, zusätzliche unbezahlte Sorgearbeit sowie erschwerter Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung gehören zu den beschriebenen Belastungen. Die Konferenz machte deshalb deutlich: Friedens- und humanitäre Politik muss geschlechtersensibel gestaltet werden, wenn sie erfolgreich und nachhaltig sein will.

Frauenrechte sind Friedenspolitik

Wie tief die strukturellen Probleme reichen, zeigt die Forschung zu geschlechtsspezifischer Gewalt. Myanmar hat zwar 1997 die UN-Frauenrechtskonvention CEDAW ratifiziert, doch die bestehenden gesetzlichen Schutzmechanismen reichen nicht aus. Der seit 2013 diskutierte Gesetzentwurf zum Schutz von Frauen vor Gewalt ist weiterhin nicht verabschiedet. Als zentrale Hindernisse werden unter anderem fehlender politischer Wille und patriarchale institutionelle Strukturen benannt. Nachhaltige Reformen benötigen deshalb nicht nur neue Gesetze, sondern auch institutionelle Kapazitäten und gesellschaftlichen Wandel.

Dabei geht es nicht nur um Schutz, sondern auch um politische Macht. Eine Studie zu Frauen in der Lokalpolitik der südöstlichen Mon-Region zeigt, dass Frauen über Generationen hinweg politisch aktiv waren – in formalen wie informellen Rollen. Doch obwohl die Sichtbarkeit von Frauen in der Lokalpolitik und ihr Einfluss zugenommen haben, herrschen weiterhin patriarchale Strukturen vor. Entscheidend ist daher, Beteiligung nicht bei symbolischen Bekenntnissen zu belassen, sondern Frauen tatsächlich reale Mitgestaltung bei politische Entscheidungen und in Institutionen zu ermöglichen.

Junge Menschen sind Zukunftsgestalter

Eine weitere zentrale Botschaft der Konferenz: Junge Menschen dürfen in der Friedens- und Zukunftspolitik nicht nur als besonders gefährdete Gruppe betrachtet werden. Sie sind bereits heute politische Akteur und gestalten gesellschaftliche Veränderungen. Gleichzeitig sind ihre Möglichkeiten durch Krieg, Vertreibung, fehlende Bildungsangebote und unsichere Arbeitsverhältnisse massiv eingeschränkt.

Beiträge zu Jugendlichen in Karen State und zu geflüchteten Jugendlichen an der thailändisch-myanmarischen Grenze zeigen, wie wichtig Bildung, berufliche Qualifizierung und politische Teilhabe sind. Berufliche Trainings – etwa in digitaler Bildung, Handwerk oder Unternehmertum – können Selbstständigkeit und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit stärken. In Flüchtlingslagern ermöglichen community-basierte Bildungs- und Führungsprogramme Jugendlichen, Verantwortung für ihre Gemeinschaften zu übernehmen. Doch ohne bessere rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen bleiben viele dieser Chancen begrenzt. Debbie Stothard, Gründerin und Koordinatorin des AltSEAN-Burma-Netzwerks fasste ganz richtig zusammen: „Viele Menschen sehen Myanmar in der Krise, aber wir müssen auch anerkennen, dass inmitten der Krise eine große Veränderung stattgefunden hat und eine ganze Generation ihr Land und sich selbst neu definiert. Es gibt mir Hoffnung, dass die junge Führung der Protestbewegung über religiöse und ethnische Grenzen hinweg kooperiert, und das sollte auch von der internationalen Gemeinschaft anerkannt werden.“

Die Burma-Konferenz hat damit einen wichtigen Perspektivwechsel angestoßen: Myanmar braucht nicht erst nach einem politischen Umbruch neue Strukturen. Vieles entsteht bereits jetzt – in Gemeinden, Bildungsinitiativen, Frauenorganisationen und durch das Engagement junger Menschen. Friedenspolitik kann daran anknüpfen, indem sie lokale Handlungsmacht stärkt, Frauenrechte konsequent als Teil von Frieden versteht und Jugendlichen Räume für Bildung, politische Mitgestaltung und ein selbstbestimmtes Leben eröffnet. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, wie Frieden in Myanmar erreicht werden kann. Sondern auch: Wer gestaltet diesen Frieden – und wer bekommt die Chance, über die Zukunft des Landes mitzuentscheiden?

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