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Frieden braucht Geschichten: „Welt im Gepäck“ 2026

Am 22. Juni 2026 haben wir gemeinsam mit der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE), Agiamondo, Pro Peace, Eirene, der GIZ, Coworkers und dem Weltfriedensdienst zum diesjährigen Fach- und Danktag eingeladen. Unter dem Motto „Den Frieden suchen, nah und fern" diskutierten wir in der St. Matthäus-Kirche am Berliner Kulturforum lebhaft zu Fragen von Krieg und Frieden im In- und Ausland.

Von Der Zivile Friedensdienst bei Brot für die Welt am
Reem Alabali Radovan und Dr. Dagmar Pruin

Reem Alabali Radovan (Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und Dr. Dagmar Pruin (Präsidentin von Brot für die Welt) übergeben einen Koffer an eine ausreisende Fachkraft.

„Krieg ist von Menschen gemacht – Frieden muss es auch sein.“ Bundesministerin Reem Alabali Radovan brachte es auf den Punkt, mit einem Satz, der im Raum nachhallte. Gewalt und Krieg sind keine Naturkatastrophen. Sie sind menschliche Entscheidungen. Und das bedeutet: Auch Frieden ist eine menschliche Entscheidung und zwar eine, für die man aktiv eintreten muss.

Die Ministerin richtete eine eindringliche Bitte an die anwesenden Fachkräfte: Tragt eure Geschichten weiter. In Schulen, in Gemeinden, in Gesprächen mit Nachbarinnen. Denn was dem Populismus wirklich entgegenwirke, seien keine abstrakten Argumente, sondern echte Erfahrungen, Vertrauen und Partnerschaften, die im persönlichen Kontakt entstehen. „Wir brauchen Fürsprecherinnen in der Gesellschaft", sagte sie und meinte damit nicht nur Politiker*innen oder Expert*innen, sondern Fachkräfte weltweit die nach ihrer Arbeit mit Partnern mit einer anderen Perspektive zurückkommen.

Das Mosaik des Friedens

Die Präsidentin von Brot für die Welt, Dr. Dagmar Pruin, malte in ihrem Beitrag das Bild eines Mosaiks. Frieden entstehe nicht durch einen großen Wurf. Er entstehe, wenn viele Menschen mit vielen verschiedenen Instrumenten gemeinsam puzzeln. Jedes Puzzlestück zähle.

Frau Pruin betonte dabei: Diese Arbeit muss sichtbar und messbar werden, damit sie politisch verteidigt werden kann. Wirkungsbeispiele aus Kamerun, Honduras und Sierra Leone zeigen, dass lokale Partnerorganisationen entscheidend sindund dass es kluge Instrumente braucht, um sozioökonomische Veränderungen überhaupt sichtbar zu machen.

Und dann sagte sie etwas, das einfach klingt, aber politisch enorm wichtig ist: „Eigentlich ist alles da. Es braucht nur ein kleines bisschen Zurechtrücken." Und: Jede von uns muss die Geschichten weitererzählen. Denn am Ende sind es diese Erzählungen, die Politik bewegen.

Dass Geschichten viele Formen haben, zeigte auch der arabische Frauenchor Women in Harmony: Musik braucht keine Worte, um etwas zu erzählen und um Menschen zusammenzubringen.

Was bleibt, wenn wir gehen?

Eindrücklich schilderte eine zurückgekehrte Fachkraft, wie internationale Organisationen sich zunehmend aus dem Irak zurückziehen. Kinder stehen jetzt vor verschlossenen Sportstätten. Humanitäre Räume schließen sich.

Doch wurde auch ein Institut gegründet, das Psychotherapeut*innen ausbildet, die die Arbeit weiterführen wird, wenn Fachkräfte nicht mehr vor Ort sind.

Moderatorin Friederike Repnick fasste das Potenzial der Fachkräfte treffend zusammen: Sie schaffen Räume der Begegnung. Sie verbinden, wo man Verbindung nicht vermutet hätte. Und sie lernen dabei manchmal Dinge, die alle Vorannahmen erschüttern

Dr. Ingeborg Thiemann, zurückgekehrt aus Israel, machte mit einem Beispiel aus ihrer Arbeit vor Ort deutlich, dass es immer mehrere Perspektiven auf den gleichen Gegenstand gibt. Bei einem Feldbesuch fand sie in einer israelischen Gemeinde einen Strich auf dem Boden. Auf einer Seite war zu lesen: „Stories that we tell“ und auf der anderen Seite „stories that they tell." Für unsere Arbeit stellen sich immer wieder die Fragen: Wessen Geschichten hören wir? Wessen Perspektiven nehmen wir wahr? Und welche erzählen wir weiter?

Wir können kleine Schritte gehen

Politische Entscheidungen fallen manchmal in Sekunden: Bomben werden geworfen, Zäune gezogen, Budgets gekürzt. Friedensarbeit funktioniert anders. Sie braucht Zeit, Beziehungen, Ausdauer. Und sie hinterlässt Spuren, die oft schwer zu messen, aber nicht weniger real sind.

Unser Fach- und Danktag 2026 hat daran erinnert, warum der Zivile Friedensdienst so wichtig ist – und wie sehr er durch aktuelle Haushaltskürzungen unter Druck steht. Umso dringender ist die Botschaft dieses Tages: Erzählt weiter. Tragt die Geschichten in eure Gemeinden, in eure Schulen, in eure Gespräche. Jede Erzählung ist ein Puzzlestück. Und zusammen ergibt das Mosaik ein Bild, das Frieden möglich macht.

Geschichten erzählen ist Friedensarbeit

Den roten Faden des Tages – Narrative weitertragen, Geschichten erzählen – spann am Nachmittag eine der fünf Arbeitsgruppen zu Peace Journalism und Hate Speech zu Ende. Mit dabei: eine Vertreterin der Initiative Love Storm, die sich in Deutschland gegen Hass und Hetze einsetzt, sowie zwei zurückgekehrte Fachkräfte aus Burkina Faso und Bolivien. Ihre gemeinsame Botschaft war so klar wie überzeugend: Menschen wollen gute, wahre und menschliche Geschichten hören. Und sie wollen sie weitertragen. Das ist kein Zufall – es ist ein ureigener Instinkt menschlicher Kommunikation.

Daraus folgt eine Verantwortung, die wir alle tragen: gute Beispiele sichtbar machen, authentische Geschichten in die Welt bringen – auf Social Media genauso wie in klassischen Medien. Im Sinne des Friedensjournalismus bedeutet das, aktiv solche Erzählungen zu verbreiten, die Verständigung fördern statt Spaltung. Denn nur wahre und echte Geschichten schaffen Verbündete – Allies für alle, die sich gegen Hass und Hetze stellen. Das Fazit der Gruppe: Konfliktsensible Berichterstattung und Friedensjournalismus sind kein Luxus, sondern ein Grundstein für Frieden und die Prävention von Gewalt.

Eine ganz andere Art der Kommentierung gestaltete die Playbacktheatertruppe Story Lane: Sie griff die Impulse und Geschichten des Tages auf und spielte sie zurück – lebendig, berührend, unvermittelt. Dabei zu schauten auch die Abgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker und Sascha Vogt vom BMZ, welche die letzte Frage des Abschlusspanels, was die wichtigste Eigenschaft eines friedenstauglichen Menschens sei, wie folgt beantworteten: „die unverrückbare Überzeugung, dass Konflikte ohne Gewalt gelöst werden können“ (S. Vogt) und „die Fähigkeit, sich in die Perspektive einer oder eines Anderen hineinzuversetzen“. Ein passender Schlusspunkt für einen Tag, der gezeigt hat: Es gibt viele Kanäle und viele Blickwinkel, aus denen die Geschichten der Fachkräfte erzählt werden können. Was zählt, ist dass wir damit anfangen. Jede einzelne. Denn jede Geschichte, die wir weitererzählen, ist ein Schritt in Richtung Frieden.

 

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Kleinbäuerin Claudine Hashazinyange mit Avocados vom Baum ihres Schwiegervaters. Schülerinnen in Äthiopien

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