Herr Talukder, Brot für die Welt unterstützt CCDB seit vielen Jahren. Was bedeutet diese Partnerschaft für Ihre Arbeit?
Die zuverlässige Unterstützung durch Brot für die Welt ist enorm wichtig für unsere Arbeit, weil unsere Ziele langfristig angelegt sind: Im Prinzip wollen wir Menschen darin stärken, für ihre Rechte einzutreten. Das Recht auf Trinkwasser, Nahrung, Gesundheit und Bildung zum Beispiel. Wir wollen bewirken, dass sie in Zukunft ohne uns auskommen.
Wie lässt sich das erreichen?
Es gibt kein Patentrezept, aber eins kann man festhalten: Entwicklungszusammenarbeit ist immer auch ein Lernprozess, auf allen Seiten. Ein Beispiel: Das Klimawandelprogramm von CCDB wurde 2012 ins Leben gerufen. Unsere erste Aktion bestand darin, besseres Saatgut zugänglich zu machen, damit Familien das ganze Jahr über genügend Nahrung bekommen. Wir merkten aber schnell, dass das nicht ausreicht. Um einen schnelleren Erntezyklus zu erreichen, mussten Bewässerungsgräben, Teiche und Wassertanks errichtet werden. Dafür wiederum braucht es technische Schulungen für die Menschen vor Ort. Und das war erst der Anfang.
Und wie ging es weiter?
Als die Bäuerinnen und Bauern merkten, dass ihr Reis nun in vier statt in sechs Monaten reift, hatten sie plötzlich Zeit für einen weiteren Erntezyklus auf ihren Feldern. Die Wahl fiel auf Sonnenblumen, denn Sonnenblumenöl ist begehrt. Dann merkten wir: Unsere Bäuerinnen und Bauern können nur davon profitieren, wenn sie sich zu Vertriebsgemeinschaften zusammentun. Der nächste Schritt ist die eigenständige Verarbeitung: Im Moment spart die Gruppe, die wir unterstützen, auf eine Ölmühle. In der Entwicklungszusammenarbeit ist am Anfang eines Projekts oft nicht ganz klar, wohin die Reise geht. Deshalb braucht man einen langen Atem.
Wie finden Sie denn dann heraus, wohin die Reise jeweils geht?
Die Voraussetzung für diesen Lernprozess ist ein grundlegend anderer Blick auf die Menschen, mit denen wir arbeiten. Wir sehen nicht nur ihre Probleme, sondern auch ihre Potenziale. Wir fragen uns nicht: Was brauchen sie? Sondern: Was können sie leisten? In einem ersten Schritt führen wir vor Ort sogenannte Klimarisikoanalysen durch. Das heißt: Wir schauen gemeinsam, wer am stärksten unter den Folgen der Klimakrise leidet – und entwickeln dann gemeinsam mit den Menschen Zukunftsstrategien. Dafür braucht es ein tiefes Verständnis für die Zusammenhänge vor Ort.
Welche Rolle spielt hier ein systematisches Monitoring?
Wenn wir ein Projekt starten, glauben wir nicht, dass wir das Erfolgsrezept schon in der Tasche haben. Im Gegenteil: Wir wollen gemeinsam mit den Menschen vor Ort herausfinden, was für sie funktioniert – und unter welchen Bedingungen. Deshalb überprüfen und reflektieren wir laufend unsere eigene Arbeit. Ergänzend dazu werden unsere Projekte auch regelmäßig unabhängig von Externen evaluiert. Von den Ergebnissen können wir lernen und unsere Arbeit gezielt weiterentwickeln. Das betrifft zum Beispiel die technischen Trainings, die im Rahmen unserer Projekte notwendig sind. Wir haben schnell gemerkt, dass es zu aufwendig wäre, diese in allen Projektgemeinden durchzuführen. Also kommen die Trainingsteilnehmer*innen jetzt regelmäßig aus den Projektregionen in unser Klimazentrum, um sich dort weiterzubilden.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die kommenden Jahre?
Die Klimakrise bedroht schon heute die Lebensgrundlage vieler Menschen in der Küstenregion von Bangladesch. Und wo das Alte nicht mehr funktioniert, muss Neues her: Wir müssen die Menschen dabei unterstützen, neue Perspektiven zu entwickeln und neue Wege zu beschreiten. Dafür braucht es wechselseitiges Vertrauen, eine verlässliche Finanzierung – und Zeit.
weitere Interviews zum Thema:
„Die Klimakrise zwingt uns, ständig dazuzulernen“
„Klimafinanzierung ist globale Gerechtigkeit“
mehr Informationen in unserem Klimawirkungsbericht


