Das von Brot für die Welt geförderte Projekt kommt aktuell 3.607 Menschen in in 10 Dörfern zugute.
Eine bessere Zukunft ernten
Mehr als 700 Millionen Menschen leiden an Hunger und Unterernährung. Mehr als zwei Milliarden Menschen sind mangelernährt. In dem südostasiatischen Land Laos ist jedes dritte Kind unter fünf Jahren betroffen. Besonders dramatisch ist die Situation in den entlegenen ländlichen Gebieten.
Sich vom Hunger befreien
Es ist Januar, Trockenzeit in Laos. In dem Dorf Pasing ist Me Noy seit vier Uhr früh auf den Beinen. Zuerst versorgt sie ihre Familie, dann arbeitet sie auf ihrem Feld im Hochland. Das ist Schwerstarbeit – gegen Hunger,
Armut und die Folgen des Klimawandels.
Sie lebt wie die meisten Menschen in dem südostasiatischen Land in abgelegenen Bergdörfern. Eine Infrastruktur gibt es nicht, und die Häuser bieten oft kaum Schutz vor Hitze, Starkregen oder Kälte. Zur Ernährung ist die Bevölkerung auf die eigene Landwirtschaft angewiesen. Auch das Sammeln, Jagen oder Fischen gehört zur traditionellen Lebensweise.
Doch der Klimawandel führt immer häufiger zu katastrophalen Ernteausfällen, und auch in den Wäldern und Flüssen ist das Nahrungsangebot knapp geworden. Die Armut hat verheerende Folgen: Jedes dritte Kind unter fünf Jahren ist in Laos chronisch mangelernährt. Fünf von hundert Kindern erleben ihren fünften Geburtstag nicht.
Das Wissen verändert alles
Die Armut und die Kindersterblichkeit zu verringern ist das große Ziel des lokalen Projektpartner von Brot für die Welt in Laos. Er bietet Schulungen an: zu gesunder Ernährung, nachhaltiger Landwirtschaft und Mutter-Kind-Gesundheit. Doch nicht nur das: Zusätzlich stellt der Verein Saatgut, Jungfische und Ziegen zur Verfügung, damit die Menschen mit dem Anbau von Gemüse und der Tierzucht beginnen können. Me Noy hat nicht nur die Schulungen besucht, sondern sich zudem ausbilden lassen. Nun gibt sie selbst Unterricht und damit ihr Wissen weiter.
Ernährung, Frauen, Kinder, Armut
Association for Community Development (ACD)
Die Dörfer liegen in der Provinz Salavan, im Süden von Laos. In Laos liegt der Anteil der ländlichen Bevölkerung bei 62%, fast dreimal so viele wie in Deutschland.
Land
Gesunde Ernährung, gesunde Kinder
Me Noy freut sich vor allem für ihre drei Kinder. „Geliebt habe ich sie immer“, sagt sie, „nun weiß ich auch, wie ich ihnen gutes Essen kochen kann, damit sie gesund aufwachsen.“
Stimmen aus dem Projektgebiet:
Meine Frau und ich leben in einer windschiefen Bambushütte. Durch unzählige Ritzen pfeift der Wind, und wenn es regnet, tropft es durch das löchrige Dach. Oft hatten wir so wenig zu essen, dass wir in unserer Not Verwandte um etwas Reis bitten mussten. Bis ACD in unser Dorf kam, und wir zu den Glücklichen gehörten, die für die Ziegenzucht ausgewählt wurden: Wir erhielten vier Tiere, dazu Wellblech und Nägel, um einen Stall zu errichten, dazu erklärten sie uns alles genau: Was die Tiere am liebsten fressen, wie man Krankheiten erkennt, und wann es Zeit ist für eine Wurmkur. Jetzt züchten wir also Ziegen, jedes Jungtier verkaufen wir für 44 Euro. Inzwischen haben wir nicht nur immer genug zu essen, sondern konnten schon damit anfangen, das Material für ein großes Backsteinhaus zu sammeln. Die Balken für das Grundgerüst haben wir schon besorgt, außerdem einen Eimer und eine Kelle für den Mörtel. Ein Haus aus Stein, davon hätte ich früher nicht einmal zu träumen gewagt. Nun ist dieser Traum zum Greifen nah.
Joy Humpan, 28 Jahre.
Ich bin zwar erst elf Jahre alt, aber ich übernehme schon wichtige Aufgaben: Ich koche Reis für meine Familie, wasche die Wäsche im Fluss und passe auf meine drei jüngeren Geschwister auf. Seit ich als Freiwillige bei ACD mitarbeite, trage ich noch mehr Verantwortung. Gerade am Anfang war das ziemlich aufregend: Da bin ich zusammen mit ein paar anderen Kindern für zwei Tage in ein fremdes Dorf gefahren: Wir haben gelacht, Ball gespielt, lecker gegessen und vor allem ziemlich viel gelernt: über Hygiene und Gesundheit, über Gemüseanbau und Ernährung. Heute liebe ich es, mein Wissen mit Freundinnen zu teilen und auch meinen kleinen Geschwistern alles genau zu zeigen: was gesunde Lebensmittel sind, wovon man besser nicht zu viel essen sollte, und wie man sich nach der Toilette gründlich die Hände wäscht. Am allerbesten finde ich das Gärtnern. Dank ACD haben wir jetzt nämlich einen Schulgarten und einen Gemüsegarten bei uns zu Hause. Im Schulgarten habe ich gelernt, wie man aus Kuhmist und Reisschalen Dünger herstellt. Damit experimentiere ich auch zu Hause und schaue, wie gut der Chinakohl und der Salat, die Gurken und das Zitronengras wachsen. Am meisten Spaß macht es natürlich, frisches Gemüse zu ernten. Mein Vater ist sehr stolz auf mich. Er sagt, wenn es so weitergeht, können wir einen Teil des Gemüses bald auf dem Markt verkaufen.
Le Silialath, 11 Jahre.
Wenn wir Glück hatten, reichte unsere Reisernte früher für ein ganzes Jahr. Wenn nicht, hungerten meine Frau, unsere Kinder und ich monatelang. Als mich der Dorfvorsteher fragte, ob ich lernen wolle, wie man Besen bindet, um etwas dazuzuverdienen, sagte ich natürlich ja! Zusammen mit ein paar anderen Männern aus der Region erfuhr ich, wie man Rattan und Elefantengras anbaut, wie man das Gras trocknet und wie man die Halme an einem gebogenen Stück Rattanholz befestigt, so dass daraus ein handlicher Besen wird. Das Schwierigste daran ist, ein Ende des Rattanstiels zu einer Schlaufe zu biegen. Man braucht viel Kraft dafür – und wenn man nicht aufpasst, bricht das Holz. Ich weiß noch, wie langsam ich anfangs war, und wie mir jeden Abend die Finger schmerzten. Aber inzwischen habe ich viel Übung und schaffe zehn Besen am Tag, damit verdiene ich 13 Euro. Zu wenig Reis gibt es nun in unserer Familie nicht mehr, denn wenn die Vorräte zur Neige gehen, kann ich es mir leisten, einen Sack Reis zu kaufen. Das Beste aber ist, dass ich auch andere Familien mit meinem Wissen unterstützen kann: Regelmäßig gebe ich Kurse in unserem Versammlungshaus und in den umliegenden Dörfern und gebe die Kunst des Besenbindens an alle weiter, die sie ebenfalls erlernen wollen.
Son Vien Phoh-Ong, 45 Jahre.
Ich lebe mit meinem Sohn und meiner Schwiegertochter zusammen. Sie engagieren sich als Freiwillige bei ACD, dadurch machen sie vieles anders, als ich es von früher kenne. Seife oder Spülmittel haben wir zum Beispiel nicht benutzt, als ich jung war. Und ich wusste auch nichts über ausgewogene Ernährung. Im Gegenteil: Vieles, was heute als gesund gilt, war damals verboten. Von meiner Mutter habe ich zum Beispiel gelernt, man dürfe niemals zwei Gemüsesorten zusammen essen. Auch Fleisch oder Fisch dürfe man nicht zu Gemüse essen, sonst treffe einen der Blitz. Fettes Fleisch, Kokosnüsse und Erdnüsse waren für Schwangere tabu, es hieß, wer sie trotzdem esse, bekomme Schwierigkeiten bei der Geburt. Ständig wurde vor irgendetwas gewarnt. Als ACD zu uns kam und all die Regeln unserer Eltern und Großeltern über den Haufen warf, war ich erst einmal skeptisch: Wie konnte es sein, dass man nun plötzlich nicht nur alle möglichen Lebensmittel kombinieren durfte, sondern sogar sollte? Schließlich war meine Neugier größer als meine Furcht: Ich besuchte alle Kurse in unserem Dorf. Schritt für Schritt wagte ich mich vor. Zuletzt habe ich Fisch mit Bohnen probiert – richtig lecker! Und der Blitz hat mich auch noch nicht getroffen.
Hien Vi Lai Sing, ca. 60 Jahre.
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