Issa Said (links) ist mit seiner Familie aus der Krisenregion Cabo Delgado geflohen. Islamistische Milizen hatten sein Heimatdorf angegriffen und viele Menschen dort getötet.
© KC Cheng/Brot für die Welt
Im Norden von Mosambik unterstützt eine Partnerorganisation von Brot für die Welt Geflüchtete aus der Krisenregion Cabo Delgado dabei, ein Handwerk zu erlernen. Die Hilfe kommt auch den Menschen vor Ort zugute. So trägt das Projekt zum friedlichen Miteinander und zur Integration bei.
Ein Knopfdruck, und die Kreissäge heult auf. Schreinermeister Issa Said schiebt langsam ein Brett in die surrende Maschine. Sägespäne wirbeln durch die Luft, es riecht nach frischem Holz. Said hebt den Kopf, blickt zu den acht jungen Männern und zwei jungen Frauen, die im Halbkreis um ihn stehen – und entdeckt dahinter plötzlich seine Tochter Sifa. Der 43-Jährige schaltet die Säge aus und hebt die Sechsjährige auf den Arm. „Wir üben später weiter“, sagt er zu seinen Lehrlingen. Seine Tochter ist jetzt wichtiger. Erst am Tag zuvor ist sie endlich zu ihm gekommen – aus der Krisenregion Cabo Delgado im Norden von Mosambik. Dort lebte sie bei ihrer Mutter, Saids Ex-Frau. Issa Said selbst war schon vor fünf Jahren von dort geflohen, zusammen mit seiner zweiten Frau und den anderen Kindern.
Seit 2017 herrscht in Cabo Delgado ein blutiger Konflikt zwischen Regierungstruppen und islamistischen Milizen. Ausgelöst wurde er nicht zuletzt dadurch, dass die Regierung Menschen von ihrem Land vertrieb, um gemeinsam mit internationalen Konzernen den Rohstoffabbau voranzutreiben – ohne dass die einheimische Bevölkerung einen Nutzen davon hatte. Wurden anfangs vor allem Industrieanlagen und staatliche Einrichtungen attackiert, griffen islamistische Milizen Anfang 2020 zum ersten Mal die Zivilbevölkerung an – auch den Küstenort, in dem Issa Said mit seiner Familie lebte. Sie enthaupteten erst den Dorfchef, dann alle, denen sie begegneten.
Issa Said, seine zweite Frau Anica und die gemeinsamen Kinder konnten fliehen. Das erste halbe Jahr verbrachten sie in einer Notunterkunft. Danach wurden sie in das Umsiedlungsgebiet Corrane gebracht, einen kargen Ort im Südosten der Provinz Nampula. Als sie dort ankamen, hatten sie buchstäblich nichts mehr: kein Geld, keine Kleidung, keine Nahrung. Kurz nach ihrer Ankunft begannen Mitarbeitende der Organisation CEDES mit finanzieller Unterstützung unserer Schwesterorganisation Diakonie Katastrophenhilfe, in Corrane einfache Häuser zu bauen. Sie fragten die Neuankömmlinge, ob sie mitarbeiten wollten. Issa Said meldete sich sofort. Er musste etwas tun, um nicht zu verzweifeln. Und er brauchte Geld, um seine Familie wieder selbstständig ernähren zu können und die Angehörigen nachzuholen, die noch immer in Cabo Delgado ausharrten – allen voran seine Tochter Sifa.
Ein paar Monate, nachdem die Häuser für die Geflüchteten fertig waren, setzte die Organisation gemeinsam mit Brot für die Welt ein neues Projekt auf. Dieses Mal sollten die Menschen dabei unterstützt werden, ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern – sei es durch den Anbau von Bohnen, Mais, Sesam und Gemüse, sei es durch handwerkliche Tätigkeiten. Neben landwirtschaftlichen Weiterbildungen bietet die Organisation seitdem auch verschiedene staatlich anerkannte Ausbildungen an: zum Schneider etwa, zur Schlosserin oder zum Schreiner. Um Streitigkeiten und Neid zu vermeiden, richten sich die Angebote nicht nur an die Geflüchteten, sondern auch an die ansässige Bevölkerung. Aktuell profitieren vom Projekt mehr als 2.500 Menschen.
Da sie von seinen handwerklichen Fähigkeiten beeindruckt waren, boten die CEDES-Mitarbeitenden Issa Said an, sich zum Schreinermeister ausbilden zu lassen. Issa Said sagte sofort zu. Nachdem er das Meisterzertifikat erworben hatte, baute er sich die Werkstatt gegenüber seinem Haus. Von CEDES erhielt er das nötige Werkzeug dafür. Bald fragte ihn der erste Nachbar, ob er seinem Sohn das Schreinern beibringen könne. Dann kamen weitere – auch Eingesessene. Mehr als 30 jungen Leuten hat Issa Said inzwischen das Handwerk vermittelt.
Zurzeit ist seine begabteste Auszubildende Reze Albino aus Corrane, eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Als Issa Said und die anderen aus Cabo Delgado kamen, hatte die junge Frau zunächst Angst. Sie fürchtete, die Geflüchteten könnten die Gewalt zu ihnen bringen oder ihnen etwas wegnehmen. Heute ist ihre beste Freundin eine Geflüchtete. Es ist die Nachbarin von Issa Said.
Hinweis: Die Spendenbeispiele sind symbolisch. Durch Ihre zweckungebundene Spende ermöglichen Sie uns dort zu helfen, wo es am dringendsten ist.
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