Weltweit fehlt es an Gesundheitspersonal – besonders in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Brot für die Welt warnt vor diesem Hintergrund zum Weltgesundheitstag am 7. April vor den negativen Folgen deutscher Anwerbepolitik im Gesundheitssektor: Die Bundesregierung sollte Programme so ausrichten, dass die Gesundheitssysteme der Herkunftsländer nicht geschwächt werden. Eine neue Analyse des evangelischen Entwicklungswerks gibt beispielhaft einen Einblick in die Folgen der Abwanderung von brasilianischen und kolumbianischen Gesundheitsfachkräften. Sie zeigt aber auch auf, wie gerechte Anwerbeabkommen aussehen können.
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden bis 2030 rund 11 Millionen Gesundheitsfachkräfte fehlen. Gleichzeitig verschärft sich der internationale Wettbewerb um medizinisches Personal – auch durch Deutschland. Brot für die Welt fordert die Bundesregierung deshalb auf, Gesundheitssysteme im Globalen Süden zu stärken, statt sie durch proaktive Anwerbung von Gesundheitsfachkräften zusätzlich zu schwächen. Sonst kann es in den Entsendestaaten zu Engpässen in der medizinischen Versorgung kommen. Zum Beispiel werden Gesundheitsstationen in ländlichen Regionen wegen Personalmangels geschlossen. Hinzu kommt, dass infolge der Abwanderung von weiblichem Gesundheitspersonal familiäre Versorgungsstrukturen nicht mehr funktionieren. Vor diesem Hintergrund sieht Brot für die Welt auch Verbesserungsbedarf bei bisherigen Abwerbeabkommen. Dazu zählt in Teilen auch die im März vorgestellte „WeFair“-Initiative „Wirtschaft und Entwicklungspolitik für faire Fachkräftegewinnung“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
„Für Gesundheitssysteme wie in Kolumbien und Brasilien ist jede zusätzliche Abwerbeinitiative ein ernstzunehmendes Risiko“, sagt Julia Stoffner, Referentin für internationale Gesundheitspolitik bei Brot für die Welt. „Deutschland trägt als Zielland Verantwortung, seine Politik so auszurichten, dass Partnerländer, in denen Fachkräfte aus dem Bereich aktiv angeworben werden, gestärkt und nicht geschwächt werden. Die Bundesregierung und teilnehmende Akteur*innen müssen den WHO-Verhaltenskodex zur internationalen Anwerbung von Gesundheitspersonal auch im Rahmen seiner neuen Fachkräfteallianz zwingend anwenden.“
Hintergrund:
Die neue Analyse von Brot für die Welt „Globale Lücken. Wie Deutschland seinen Pflegenotstand zum Problem anderer Länder macht“ gibt einen Einblick in die Folgen der Abwanderung von brasilianischen und kolumbianischen Gesundheitsfachkräften auf Basis von bilateralen Abkommen mit Deutschland. Sie zeigt aber auch auf, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit von bilateralen Anwerbeabkommen tatsächlich alle Seiten profitieren. Die Analyse finden Sie hier: https://www.brot-fuer-die-welt.de/fileadmin/mediapool/downloads/fachpublikationen/analyse/Analyse_115_Globale_Luecken.pdf
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