Versöhnungsarbeit im Südsudan
Der Südsudan erlebt seit seiner Unabhängigkeit 2011 immer wieder Phasen bewaffneter Gewalt. Auch aktuell ist die politische Lage sehr angespannt, in vielen Provinzen wird gekämpft. Die lokale Organisation RECONCILE setzt sich dafür ein, Versöhnung und das friedliche Zusammenleben zwischen (ehemals) verfeindeten Gemeinschaften zu fördern. Sie führen inklusive, interkommunale Dialogforen durch, die darauf abzielen, die Ursachen der Konflikte anzugehen. Dazu gehören Viehdiebstahl, Landstreitigkeiten, Rachemorde und territoriale Meinungsverschiedenheiten. Erste Erfolge sind die Bildung lokaler Friedenskomitees, verbesserte Beziehungen zwischen den Gemeinschaften, die Freilassung von Geiseln und eine größere Bewegungsfreiheit. Dadurch können weitere Gewalt und Zusammenstöße verhindert werden. Die Teilnehmenden zeigen auch ein größeres Bewusstsein für das Friedensabkommen von 2018 und ein wachsendes Gefühl der lokalen Eigenverantwortung für dessen Umsetzung.
„Friedenskämpfer“ im Libanon
Ein anderes Beispiel sind die Fighters for Peace im Libanon, wo sich ehemalige Kämpfer*innen aus Bürgerkriegszeiten heute für Versöhnung und Aufarbeitung einsetzen. Bei den zumeist männlichen Teilnehmenden geht es darum, den Zusammenhang zwischen patriarchalen Männlichkeitsbildern und struktureller Gewalt aufzudecken. Die ehemaligen Kämpfer reflektieren ihre eigenen Erfahrungen und treten in einen Dialog mit Jugendlichen als Multiplikatoren, um ihnen alternative, gewaltfreie Männlichkeitsbilder zu vermitteln. Dies ist ein wichtiger Beitrag zu Frieden und sozialem Wandel im Libanon.
Breites Spektrum an erfolgreicher Friedensarbeit
Das Kompendium, vom ZIF zusammengetragen, zeigt die große Vielfalt an Projekten, Initiativen, Instrumenten und Programmen weltweit. Die Aktivitäten reichen von der Nutzung sozialer Räume über Technologie bis zu Performance-Kunst und zielen darauf ab, Menschen Handlungsfähigkeit beim Aufbau dauerhaften Friedens zu geben, die Friedensinfrastrukturen zu stärken und lokale Beteiligung zu fördern. Zur Orientierung hat das ZIF die Beiträge in sieben Hauptkategorien eingeordnet: Prävention, Dialog, Community Engagement, Transitional Justice / Aufarbeitung der Vergangenheit, Bildung, Frauen und Jugend.
Friedensarbeit unter Druck
Viele der dargestellten Projekte im Kompendium laufen schon seit langer Zeit erfolgreich. Doch in vielen Ländern steigt der Druck auf Menschenrechtsverteidiger*innen, Journalist*innen, Aktivist*innen und auch auf Peacebuilder*innen. Gleichzeitig verzeichnen wir aktuell einen weltweiten Zuwachs an bewaffneter Gewalt und kriegerischen Auseinandersetzungen mit steigenden Opferzahlen. Auch die Verbreitung von Hass und Hetze über digitale Kanäle treibt Konflikte an. Hinzu kommen ökonomische Herausforderungen und die Folgen der Klimakrise, welche jeweils konfliktverschärfend wirken können. Der Bedarf an Friedensarbeit steigt also dramatisch, während gleichzeitig die Fördergelder für viele dieser Projekte schrumpfen. Auch die Bundesregierung kürzt die Beiträge und Fördermittel enorm, mit fatalen Folgen für die Projekte, ihre Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen und für die lokalen Gemeinschaften.
Das Kompendium zeigt: Es gibt erfolgreiche, erprobte und oftmals sehr kostengünstige Projekte, die von motivierten und erfahrenen lokalen Partnern durchgeführt werden. Ihre Arbeit ist in Gefahr, wenn die Kürzungen so fortgesetzt werden wie aktuell geplant. Diesen Trend müssen wir dringend umkehren. Es ist zu hoffen, dass diese anschaulichen Beispiele ein Umdenken bewirken. Friedensarbeit ist wirksam und spart durch seine präventive Wirkung auf lange Frist sogar Geld.


