Seit Dezember hat das Land so gut wie keine Erdöl-Produkte erhalten. Die kubanische Regierung verfügte Anfang Februar Notfallmaßnahmen, die Mobilität und Transportwesen massiv einschränken. Fehlende Treibstofflieferungen beeinträchtigen unmittelbar die Lebensmittelversorgungsketten. Wie sollen etwa Städte wie Havanna oder Santiago de Cuba versorgt werden, wenn kein Transporter mehr fährt? „Wir appellieren an alle Staaten, einseitige Zwangsmaßnahmen abzulehnen und gemeinsam für die Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen und des Völkerrechts einzutreten“, so die Deklaration des Kubanischen Kirchenrates und der ACT Alliance Cuba zu den humanitären Auswirkungen der Politik. Auch Brot für die Welt hat sich mit der Bitte um humanitäre Diplomatie an das Auswärtige Amt und den Menschenrechtsausschuss des Bundestages gewandt.
Alltag unter der Ölblockade
Lebensmittel verderben, weil Kühlketten nicht eingehalten werden können. Ohne Strom verderben sie auch in den Kühlschränken der Menschen zuhause. Trinkwasser wird knapp, denn Wasserpumpen fallen aus. Nicht abgeholter Abfall häuft sich in Wohngebieten und auf Straßen an. Verdorbene Lebensmittel und ungeklärte Abfallberge ziehen Ratten, Insekten und andere Krankheitsüberträger an. Das führt zu einer deutlichen Zunahme von Infektionsrisiken — von Magen-Darm-Erkrankungen bis zu vektorübertragenen Krankheiten — und verschlechtert damit die Gesundheit der ohnehin unterernährten Bevölkerung zusätzlich.
„Die Ölblockade lähmt das tägliche Leben in Kuba: Der Verkehr ist auf ein Minimum reduziert, Lebensmittel kommen nicht mehr auf die Märkte… Viele Menschen wissen nicht, wie sie zur Arbeit, zur Schule oder ins Krankenhaus kommen sollen“, schildert Rita García Morris vom Centro Cristiano de Reflexión y Diálogo – Cuba (Christliches Zentrum für Reflektion und Dialog). Pastor Dr. Joel Ortega Dopico vom Kubanischen Kirchenrat ergänzt: „Die Universitäten wurden geschlossen, mehr als eine Million Studierende sind betroffen, für ein Auto stehen nur 20 Liter Kraftstoff für einen ganzen Monat zur Verfügung.“
Medizinische Nothilfe am Limit
In ländlichen Provinzen, wo unsere Partner besonders aktiv sind, fehlen Transportmittel für Ärzt*innen. Operationen wurden verschoben; Kliniken arbeiten oft nur noch mit 50 % Kapazität. „Kinder und Menschen mit Diabetes und anderen Krankheiten, die gekühlte Medikamente benötigen, können diese nicht aufbewahren. Auch Belüftungssysteme funktionieren fast nicht mehr“, so Pastor Dr. Joel Ortega Dopico. Diese Mängel erhöhen die Sterblichkeitsrisiken und bedrohen besonders schutzbedürftige Gruppen wie Schwangere, Kleinkinder und ältere Menschen: „Mehr als 60.000 schwangere Frauen sind gefährdet, und die Lebenserwartung von mehr als 61.000 Kindern unter einem Jahr ist erheblich beeinträchtigt.“
Höchsteinsatz unserer Partner
Unsere lokalen Partner halten die Verbindungen zu verletzlichen Gemeinden aufrecht, oft unter hohem persönlichen Einsatz. Sie berichten, dass Projektarbeit nur noch mit außerordentlichem Aufwand möglich ist. Viele Gemeinden sind kaum erreichbar, Transportkosten sind explodiert und damit die Logistik unterbrochen, die Kommunikation fällt wegen mehrstündiger Stromausfälle regelmäßig aus. Die Preise haben sich verdreifacht, nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für den Transport. Diese Beschreibungen zeigen, wie stark die lokale Zivilgesellschaft unter Druck steht. „Die Grundversorgung ist erheblich beeinträchtigt. Die Knappheit ist beispiellos und die Risiken nehmen zu“, sagt Heidi Amelia Lavastida Pérez, Direktorin des von uns geförderten Centro Cristiano Lavastida im Osten Kubas.
Warum Unterstützung jetzt entscheidend ist
Schätzungen gehen davon aus, dass in wenigen Wochen eine humanitäre Katastrophe droht, wenn sich die Versorgung nicht stabilisiert. Unterstützung bedeutet nicht nur Nothilfe, sondern auch den Erhalt von Strukturen: kleine Solarsysteme, Treibstoff für Versorgungsfahrten, Medikamente und Saatgut. In herausfordernden Zeiten ist konstante Präsenz oft wichtiger als großspurige Versprechen. Deshalb stehen wir mit allen Partnern in Kuba so gut es geht im ständigen Austausch: finanziell, organisatorisch und auch emotional. Wir beraten uns mit ihnen, wie sie ihre Zielgruppen in der aktuellen Situation bestmöglich unterstützen können. Gemeinsam schauen wir, was unseren Partnern logistisch helfen kann. Auf Dienstreisen nehmen wir Medikamente und Tabletten zur Wasserreinigung mit ins Land. Indem wir finanzielle Flexibilität, logistische Unterstützung und emotionale Begleitung kombinieren, senden wir ein klares Signal: Wir sind da. Solidarisch, verlässlich und partnerschaftlich.
Unsere Förderarbeit in Kuba
In Kuba unterstützen wir schwerpunktmäßig Familienlandwirtschaft in ökologischen Anbaumethoden, Saatgut¬diversifizierung, Selbstversorgung und Vermarktung. So stärken wir lokale Ernährungssicherheit und schaffen Einkommen, ohne schädliche Umwelteinflüsse zu verstärken. Darüber hinaus fördern wir kleine und Kleinstbetriebe der Nahrungsmittelverarbeitung und im Dienstleistungsbereich. Diese erhalten über unsere Partner betriebswirtschaftliche Ausbildung und eine Anschubfinanzierung. Durch die Installation von Solaranlagen im Rahmen eines partnerübergreifenden Projekts stärken wir die Unabhängigkeit von zentralen Stromabschaltungen und reduzieren die Abhängigkeit im Land von fossilen Brennstoffen. Darüber hinaus bieten wir unseren Partnerorganisationen psychosoziale Begleitung in der Krisensituation.
Brot für die Welt
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Bank für Kirche und Diakonie
