Dekolonialisierung greift tiefer als der Blick zurück auf eine gewaltvolle, jahrhundertelange Kolonialgeschichte – sie hinterfragt bis heute fortwirkende Strukturen in Sprache, Wissen und gesellschaftlichen Ordnungen. Mit dem Förderschwerpunkt „Dekolonialität” unterstützt die Inlandsförderung seit 2023 die Auseinandersetzung mit der Verantwortung des Globalen Nordens sowie den Auswirkungen des Kolonialismus auf den Globalen Süden und unsere heutigen Gesellschaften. Mit dem Förderschwerpunkt soll dazu ermuntert werden, das eurozentrisch geprägte Geschichtsverständnis zu hinterfragen sowie Konzepte und Wissen aus dem Globalen Süden als zentralen Teil gesellschaftlicher Erneuerung anzuerkennen.
In einer Zeit, in der sich gesellschaftliche Debatten weiter verhärten, wird die Rolle von zivilgesellschaftlichen Akteuren und positiven Beispielen ihrer Arbeit immer wichtiger. Im Jahresbericht der Inlandsförderung 2025 stellen verschiedene Träger ihre unterschiedlichen Ansätze und Methoden vor. Es geht u.a. um Empowerment junger Menschen durch die Auseinandersetzung mit kolonialer Geschichte und Kontinuität, die kritische Auseinandersetzung mit eigenen Partnerschaftsprogrammen, Ansätze von gesellschaftspolitischer Bildung durch migrantische, postmigrantische und diasporische Vereine und Gruppen, die Auseinandersetzung mit antirassistischen Ansätzen innerhalb der Kirche.
Perspektivwechsel
Mit der Förderung von rund 400 Projekten jährlich, die von Kleinmaßnahmen bis hin zu institutionellen Förderungen reichen, setzt die Inlandsförderung von Brot für die Welt ein Zeichen für die Vielfalt und das Engagement von Zivilgesellschaft in Deutschland. Diese Projekte sind nicht nur ein Ausdruck von Solidarität, sondern auch ein wesentlicher Beitrag zur Stärkung eines Perspektivwechsels und einer Anerkennung von unterschiedlichen Wissensformen, ohne die Globales Lernen nicht stattfinden kann.
Bildung als Grundlage für Globale Gerechtigkeit
Die Bildungsabteilung von Brot für die Welt setzt sich seit einigen Jahren gemeinsam mit Partner*innen mit dekolonialen Perspektiven in der Bildungspraxis auseinander, um auch innerhalb unserer Arbeit einen langfristigen Perspektivwechsel und eine veränderte Haltung zu bewirken. Hierzu gehört auch dekoloniale Bildung nicht als eine reine Wissens- und Lernerweiterung zu betrachten, sondern auch eine politische Praxis, über akademische Diskurse hinausgehend. Auch das Bildungsmaterial von Brot für die Welt nimmt diese Perspektive auf, um eine Grundlage für die Auseinandersetzung zu bieten und unserer Verantwortung für globale Gerechtigkeit nachzukommen.
Der Jahresbericht 2025 der Inlandsförderung von Brot für die Welt ist ein Beispiel für die Bedeutung von unterschiedlichen Initiativen, insbesondere die Erfahrungen und die Expertise von in Deutschland lebenden Migrant*innen, von Organisationen Schwarzer Menschen in Deutschland, Diaspora-Organisationen, Expert*innen aus Ländern, die analytisch häufig dem sogenannten Globalen Süden zugeordnet werden, sowie die Perspektiven postkolonialer Initiativen. Nur durch gemeinsame Anstrengungen können wir eine gerechtere Zukunft gestalten.


