Blog-Beitrag

Mädchen sind Verliererinnen der Corona-Krise

Der internationale Weltmädchentag am 11. Oktober bietet einen passenden Anlass, um darzustellen, wie sehr die Corona-Pandemie die Gegenwart und Zukunft von Millionen Mädchen massiv beeinträchtigt.

Von Carsta Neuenroth am
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Carsta Neuenroth Referentin Gender
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Rowena Pama (11) geht in die vierte Grundschulklasse. Jedoch nicht jeden Tag: Manchmal muss sie zu Hause bleiben, um ihrer Mutter zu helfen. Die Corona-Pandemie verhindert den Schulbesuch. Mädchen sind besonders betroffen. Das Foto zeigt Rowena beim Malen eines Bildes.

Rowena Pama (11) geht in die vierte Grundschulklasse. Jedoch nicht jeden Tag: Manchmal muss sie zu Hause bleiben, um ihrer Mutter zu helfen. Die Corona-Pandemie verhindert den Schulbesuch. Mädchen sind besonders betroffen.

Die Corona-Pandemie lässt gesellschaftliche Missstände weltweit wie durch ein Brennglas sichtbar werden. Das bewahrheitet sich auch, wenn wir unseren Blick auf die Situation von Mädchen lenken. Ihre Rechte auf Bildung, Gesundheit und körperliche Unversehrtheit geraten seit Beginn der Corona-Krise verstärkt unter Druck - insbesondere im globalen Süden. Zahlreiche Hilfsorganisationen und Medien berichten von der massiven Zunahme sexualisierter und geschlechtsbasierter Gewalt gegen Frauen und Kinder, Mädchen sowie Jungen. Diese hatte bereits vor Corona pandemische Ausmaße angenommen. Ein Grund für die weitere Zunahme, insbesondere im häuslichen Umfeld, ist in der verzweifelten wirtschaftlichen Lage unzähliger Haushalte zu suchen. Für Mädchen hat die gegen sie gerichtete Gewalt besonders hässliche geschlechtsspezifische Züge.

Sexualisierte und geschlechtsbasierte Gewalt untergräbt die Rechte von Mädchen

In einer neuen Studie hat Save the Children erschütternde Zahlen veröffentlicht. So erwartet das Kinderhilfswerk, dass allein 2020 zusätzlich zu den ohnehin erwarteten 12 Millionen eine weitere halbe Million Mädchen frühverheiratet werden. Auch die Zahl der Teenager-Schwangerschaften wird rapide ansteigen. Save the Children rechnet mit einer Million zusätzlicher Schwangerschaften von Teenagern und weist darauf hin, dass für 15- bis 19-jährige die Geburt eines Kindes die häufigste Todesursache ist.

Durch die Corona-Krise nimmt auch die Genitalverstümmelung von Mädchen wieder zu. Die Frauen, die sie durchführen, haben in vielen Fällen durch die Krise andere Einkommensmöglichkeiten verloren und sichern mit der Durchführung der Genitalverstümmelung erneut ihr Überleben. Die Corona bedingten Schulschließungen haben 1,6 Billionen Kinder betroffen. Die Gefahr, dass besonders Mädchen ihre Schulbildung nicht fortsetzen, ist aufgrund von wachsendem familiären Druck zur Mitarbeit in Haushalt, Landwirtschaft oder schlechtbezahlten Jobs, Frühverheiratung oder Schwangerschaft sehr groß. Ihr Recht auf Bildung wird dadurch massiv eingeschränkt und damit auch ihre Chancen auf mehr Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und Gleichberechtigung.

Durch verbesserte Lebensumstände die Rechte von Mädchen wieder stärken

Brot für die Welt unterstützt Partnerorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika, um die Lebensumstände der am stärksten von der Pandemie betroffenen Menschen, besonders Frauen und Mädchen, zu verbessern. Dabei liegt ein Fokus auf Bekämpfung und Prävention sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt, die seit Beginn der Pandemie so massiv zugenommen hat. Gleichzeitig sind von Brot für die Welt geförderte Projekte darauf ausgerichtet, die wirtschaftliche Situation besonders betroffener Familien zu verbessern. Beispielsweise werden Frauen bei ihrer landwirtschaftlichen Produktion und der Durchführung von Einkommen schaffenden Maßnahmen unterstützt. Wenn sich die Lebensumstände verbessern, profitieren davon auch die Kinder. Brot für die Welt muss darauf achten, dass dabei die Rechte von Mädchen im Fokus bleiben.

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