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Welt im Wasserstress: Die Last der Landwirtschaft

Beim Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) machten Brot für die Welt und die brasilianische Partnerorganisation Centro de Agricultura Alternativa (CAA) auf die Zerstörung von Wasserkreisläufen, anhaltende Dürren in Brasilien aufmerksam.

Von Ehemalige Mitarbeitende am
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Beim vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) ausgerichteten Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) 2017 machten Brot für die Welt und die brasilianische Partnerorganisation Centro de Agricultura Alternativa (CAA)  in diesem Jahr auf die Zerstörung von Wasserkreisläufen, anhaltende Dürren und die Gefährdung von Menschenrechten in Brasilien aufmerksam. Einen großen Anteil daran hat die industrielle Exportlandwirtschaft.

Das Global Forum for Food and Agriculture ist eine internationale Konferenz, die jährlich im Januar in Berlin zu zentralen Zukunftsfragen der globalen Land- und Ernährungswirtschaft stattfindet. Auf Einladung von Brot für die Welt und dem BMEL schilderte Marilene de Souza als Vertreterin von Centro de Agricultura Alternativa während des zentralen Eröffnungspodiums eindringlich die Lage in der Cerrado Region im Nordosten Brasiliens. In diesem riesigen Gebiet wird eine Vielzahl von Agrarprodukten angebaut, die nach Deutschland und Europa exportiert und dort konsumiert werden. Aus der Region  wandern Menschen in immer größerer Zahl in die anwachsenden Städte des Landes auf der Suche nach Einkommensmöglichkeiten.

Marilene de Souza nutzte das Forum für kritische Worte in Richtung der neuen brasilianischen Regierung unter Präsident Temer, aber auch mit Blick auf die Mitverantwortung deutscher Politik und KonsumentInnen an der Ressourcenausbeute in Brasilien. Wie sie berichtet, plane Brasilien ein weiteres Programm zur Ausweitung der industriellen Landwirtschaft im Cerrado („MATOPIBA“). Die lokale Bäuerinnen und Bauern würden allein gelassen: Sie bekämen keine staatliche Hilfe, um mit den Konsequenzen der intensiven Landwirtschaft wie zunehmende Dürre und Wasserverschmutzung durch Pestizide und Herbizide umzugehen.

Marilene de Souza bekräftigte, dass Deutschland, als wichtiges Importland brasilianischer Agrarerzeugnisse, hier eine politische Verantwortung habe. Denn alleine 20 Prozent des hierzulande verbrauchten Papiers und Kartons stamme aus brasilianischen Eukalyptusplantagen. Und  weil der deutsche Papierkonsum, auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, sogar weiterhin zunimmt, steigt zugleich der Bedarf an schnell wachsendem Holz, wie es der Eukalyptusbaum liefert. Die ökologischen Folgen, die Zerstörung der natürlichen Vegetation und  der Wasserkreisläufe, werden dabei stillschweigend in Kauf genommen. Nach neuesten wissenschaftlichen Berechnungen exportiert Brasilien allein in Form von Agrarprodukten –  Sojabohnen für die Tiermastindustrie, Kaffee, Zucker ­–  jährlich insgesamt fast 30 Milliarden Kubikmeter virtuelles Wasser in die Europäische Union (EU). Zum Vergleich: Das Sobradinho Reservoir im Nordosten Brasiliens hat ein Fassungsvermögen von 34,1 Milliarden Kubikmeter. Das Reservoir galt als der zwölftgrößte Stausee der Welt. Aufgrund der anhaltenden Dürre im siebten Jahr in Folge liegt sein heutiger Füllstand bei weniger als zehn Prozent!

Von der massiven Beeinträchtigung der natürlichen Wasserkreisläufe und somit auch den Zugangsmöglichkeiten zu Wasser sind vor allem ökonomisch schlechter gestellte städtische und  ländliche Bevölkerungsgruppen empfindlich betroffen. Marilene de Souza und das CAA unterstützen KleinbäuerInnen, die über wenige Ressourcen verfügen dabei, zu überleben. Und sie geben den Opfern von Ressourcenraub eine politische Stimme.

Wir erwarten, dass sich die deutsche Politik verstärkt für die Bewahrung von Menschenrechten und den Ressourcenschutz in der Landwirtschaft Brasiliens und in anderen Ländern, die Agrarprodukte exportieren, einsetzt. 2010 hat die internationale Staatengemeinschaft das „Recht auf Wasser“ und die damit verbundenen staatlichen Kernpflichten anerkannt und sich dadurch selbst gebunden. Das war ein wichtiger Schritt, jedoch muss bei der Umsetzung und Ressourcenbewirtschaftung im Schnittfeld mit der Landwirtschaft heute mehr passieren. Es ist daher sehr zu begrüßen, dass das BMEL das Thema Wasser und Landwirtschaft auf die Agenda des diesjährigen Global Forum for Food and Agriculture gesetzt hat.

Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie sich auch weiterhin bei den Partnerregierungen für dieses Thema einsetzt und sich der Verantwortung für die Probleme der globalen Wasserbewirtschaftung stellt; der Ressourcenverbrauch der Deutschen muss sich reduzieren. Darüber hinaus müssen Umweltschutz und Menschenrechte in den Lieferketten der landwirtschaftlich produzierten Güter gewährleistet werden.

Nach der Eröffnungsveranstaltung am 19.01.2017 vertieften Brot für die Welt und Partnerorganisationen die Diskussion zu Ursachen, Auswirkungen und Lösungsansätzen auf dem Fachpodium „Die Welt im Wasserstress – Die Last der Landwirtschaft“. An der Diskussion beteiligt waren neben Marilene de Souza, Rose Alabaster von der Menschenrechtsorganisation Waterlex, Shadi Mahmoud  von Palestinian Agricultural Relief Committees (PARC)  und Christel Weller-Molongua, Abteilungsleiterin Ländliche Entwicklung und Agrarwirtschaft der  Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Das Eingangsstatement übernahm Dr. Luise Steinwachs, die Moderation Andrea Müller-Frank, beide von Brot für die Welt. Mitveranstalter waren Misereor, das Forum Fairer Handel, das Agrarbündnis und das Forum Umwelt und Entwicklung. 

 

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