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Frauen in der Fischerei sichern Afrikas Ernährung

Fischerei gilt als Männerdomäne. Harte Männer schuften draußen bei rauem Seegang auf Fischerbooten und Trawlern, während Frauen den Fisch zu Hause verarbeiten, ihn zubereiten oder auf dem Markt verkaufen. Diese gängige Vorstellung gibt nur einen Teil der Wirklichkeit wieder. Die Frauen in der Fischerei rufen zum Internationalen Frauentag dazu auf, ihre Rolle nicht zu übersehen.

Von Francisco Marí am
Fischhändlerinnen auf dem Markt in Lome, Togo

Fischhändlerinnen auf dem Markt in Lome, Togo

Nicht selten sieht man an den Anlandestellen von Joal Fadiouth Frauen jeden Alters an dem schmalen Strandstreifen stehen. Der Hafen ist einer der wichtigsten Fischereihäfen Senegals und der größte Hafen für den handwerklichen Fischfang in Westafrika überhaubt. Im Licht der untergehenden Sonne warten die Frauen darauf, dass die Fischer von ihren Ausfahrten, die nicht selten mehrere Tage lang dauern können, zurückkehren. Dann kaufen sie den Fischern die günstigen Sardinellen und andere kleine Schwarmfische ab.

Wenn die Pirogen an Land gehen, muss es schnell gehen. Die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden. Männer in Gummianzügen springen von den Booten, tragen auf ihren Schultern schwere Boxen mit dem wertvollen Fisch im Laufschritt zu den Kühlräumen der Lastwagen, die in der Hafenanlage bereitstehen. Von der Dorade bis zum Thiof, dem weißen Zackenbarsch, wird die Ware nach Dakar, ins Landesinnere oder weiter weg transportiert. Dafür werden vor allem die oben liegenden Fische des letzten Fangs genutzt. Sie lassen sich besser vermarkten, da sie keine Druckstellen haben.

Ein größerer Teil des angelandeten Fischs ist für den lokalen Markt im Senegal. Frauen kaufen die unten liegenden Fische mit Druckstellen, die zuerst gefangen wurden, günstiger auf. Der Fisch wird dann auf langgestreckten Holztischen am Strand getrocknet, ein anderer Teil wird zuhause geräuchert – wie der Yabooy, ein grätenreicher Fisch, der in einheimischen Gerichten oft mitgekocht wird und der in der der senegalesischen Sprache Wolof genannt wird.

Frauen im Fischereisektor tauchen in Statistiken nicht auf

Mehr als 110 Millionen Menschen arbeiten weltweit in der handwerklichen Fischerei, viele von ihnen im globalen Süden. Frauen in Afrika stellen etwa 15 Prozent der Bootsbesatzungen und 60 Prozent der Tätigen in der Fischverarbeitung, die keineswegs zweitrangig und auf den Haushalt beschränkt ist. Doch die Lebensleistung vieler Frauen, die dazu beiträgt, dass die lokale Ökonomie in ihren Gemeinden funktioniert und die Ernährung gesichert wird, bleibt meist unsichtbar. Auch die Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Organization, FAO), die den Frauen im Fischereisektor in den letzten Jahren mehr Bedeutung beimisst, kritisiert, dass die fischereibezogenen Aufgaben in der Regel lediglich als Hausarbeit angesehen und bei der offiziellen Datenerhebung gar nicht erst berücksichtigt werden.

Da Daten zum Beitrag der Frauen zur Fischerei nicht ohne weiteres verfügbar sind, werden Frauen in der Fischereipolitik und in Fischereiprogrammen oft übersehen. Fachleute sprechen von „geschlechtsblinder Politikgestaltung“. Das wollen betroffene Frauen seit Jahren ändern! Sie rufen in diesem Jahr anlässlich des Internationalen Frauentages in Erinnerung, welche wichtige Rolle sie in der handwerklichen Fischerei und im Kampf gegen Hunger und Armut spielen.

Aus Händlerinnen werden Chefinnen

Als Kleinunternehmerinnen sind Frauen in Afrika, aber auch in anderen Kontinenten, in allen nachgelagerten Phasen der Wertschöpfungskette der handwerklichen Fischerei in afrikanischen Ländern stark vertreten. Sie sind das Bindeglied, um frische und verarbeitete Fischereierzeugnisse zu den lokalen und regionalen Märkten zu bringen. Sie machen Fisch zu erschwinglichen Preisen für mehr als 200 Millionen Menschen in Afrika verfügbar. Ihre harte Arbeit trägt zur gesunden Ernährung der Bevölkerung bei. Denn Fisch macht im Durchschnitt 22 Prozent der tierischen Proteinzufuhr in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara aus, in den ärmsten afrikanischen Ländern sogar mehr als die Hälfte.

Mit den Einnahmen aus dem Fischverkauf finanzieren die Fischhändlerinnen oft die nächsten Ausfahrten der Fangboote vor. Manche Frauen – zum Beispiel in Ghana – sind sogar Eigentümerinnen von Fangbooten und Fanggeräten. Aus den Gewinnen der Fischvermarktung können Händlerinnen manchmal Kredite an die Bootseigner vergeben, um neue Boote zu bauen, Reparaturen zu tätigen oder für neue Netze und anderes Fanggerät. Wenn die Fangsaison gut ist, können Fischer die Kredite zurückzahlen. Wenn nicht, werden auch so Frauen zu Bootsbesitzerinnen. Die ehemaligen Bootskapitäne und deren Mannschaften werden zu Angestellten der Frauen. Sie müssen dann ihren Fang zuerst ihren Chefinnnen anbieten. Es sind ja schließlich deren Boote.

In den Familien spielen die Einnahmen aus der Vermarktung eine entscheidende Rolle im Familienhaushalt. „Es sind die Frauen, die durch die Verarbeitung dafür sorgen, dass der von den handwerklichen Fischern gefangene Fisch Gold wert ist und ihren Familien und Gemeinden zugutekommt“, sagt Antonia Adama Djalo, Vizepräsidentin von CAOPA und Präsidentin der National Women's Association for Economic Activities (AMAE)aus Guinea-Bissau.

Frauenarbeit wird meist vor und nach dem Fang geleistet

Frauen sind an manchen Küsten auch vor der Ausfahrt mit Tätigkeiten im Fischfang beschäftigt. Sie sind dann verantwortlich dafür, die Netze auszubessern, Lebensmitteln für die Fangmannschaften vorzubereiten und Eisblöcke zur Kühlung des Fangs zu besorgen. Manchmal führen sie auch Bücher und Konten, wenn die ganze Familie in der Fischerei tätig ist.

Aber die Hauptbetätigung von Frauen in der handwerklichen Fischerei ist das Reinigen, Sortieren oder Verarbeiten von Fisch oder Meeresfrüchten. Meistens werden die Fische an vielen afrikanischen Küsten mangels Kühlmöglichkeiten immer noch durch Lufttrocknen, Salzen und Räuchern über kleinen Holzkohleöfen konserviert, manchmal auch durch Fermentieren in Salzwasser und anschließender Trocknung. Das ermöglicht den Handel mit Seefisch weit in das Hinterland oder in Binnenländer wie Burkina Faso oder Mali.

Adama Djalo ist eine Frau, auf die gehört wird an den Anlandeplätzen in Guinea Bissau. Seit Jahren kämpft sie auf unterschiedlichen politischen Ebenen für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Frauen, die sie repräsentiert: „Mehr als zwölf Stunden Arbeit an unhygienischen Orten, in der Hitze und dem Rauch aus den Öfen schädigen Augen und Lungen der Frauen irreparabel, ganz zu schweigen von der Gefahr schwerer Verbrennungen. Wer will schon so ein Leben?“ Verbesserte Verarbeitungstechniken können nicht alle Probleme lösen, sagt Adama Djalo. Aber gemeinsam mit Fachleuten denkt sie über verbesserte Techniken wie neue Öfen (FAO-Thiaroye Processing Technique) und die Nutzung von Solarenergie nach.

Wirtschaftliche Zukunft der Frauen in der Fischerei ist bedroht

Als sich die Vereinten Nationen 2015 auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung einigten, forderten sie im Nachhaltigkeitsziel 14b, den Marktzugang für die handwerkliche Fischerei zu verbessern, um den Beitrag der Fischerei zur Ernährungssicherheit zu würdigen. Doch ausreichend Fisch zu kaufen, den sie verarbeiten und verkaufen können, ist für viele Frauen zunehmend schwierig. Durch industrielle Fischerei wurden die Bestände vor den afrikanischen Küsten überfischt - auch für Fischmehlfabriken, mit deren Produkten Tierfabriken in Europa betrieben werden.

In Ländern wie Côte d'Ivoire und Guinea-Bissau sind die Anlandungen in den letzten zehn Jahren ständig zurückgegangen. Die Fangmengen, die den Frauen zur Verarbeitung übrigbleiben, erwirtschaften zu wenig Einkommen. Zudem bleibt der Zugang zu den besseren Fischsorten, mit denen mehr Gewinn zu erzielen wäre, den meist männlichen Zwischenhändlern von Fabriken oder Exporteuren vorbehalten. Auch die Küstenerosion aufgrund des Klimawandels kann dazu führen, dass Fischverarbeiterinnen und Händlerinnen den traditionellen Zugang zu den Anlandebuchten für den Fischkauf oder zu Land für die Fischtrocknung und -verarbeitung verlieren.

Außerdem gibt es für den Verkauf handwerklicher Fischereierzeugnisse auf den regionalen Märkten immer mehr Hindernisse und Vorschriften. Deshalb fordern die Vertreterinnen der Kleinfischerei, dass ihre Regierungen für einen fairen und diskriminierungsfreien Handel mit den Erzeugnissen sorgen, die die Frauen herstellen und verkaufen:

„Wir CAOPA-Frauen sind Trägerinnen von Innovationen für eine nachhaltige Fischerei und tragen zur Ernährungssicherheit, zur Armutsbekämpfung und zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei. Um unsere Aktionen aufzuwerten, brauchen wir Zugang zu Fischereiressourcen, Zugang zu Dienstleistungen und Infrastrukturen und müssen als Beteiligte in Entscheidungsprozessen anerkannt werden.“
(Auszug aus der ABIDJAN ERKLÄRUNG: Internationaler Tag der Rechte der Frauen in der handwerklichen Fischerei in Afrika 2023)

Angepasste Finanzdienstleistungen sind notwendig

Die Frauen, die in dem Dachverband CAOPA organisiert sind, kommen in diesem Jahr kommen in Ghana zusammen. Zum Internationalen Frauentag fordern sie, dass Sicherheit am Arbeitsplatz und der Schutz ihrer Gesundheit zum festen Bestandteil der Fischereipolitik und der Entwicklungsinitiativen ihrer Länder werden muss. Zudem fordern sie ihre Staaten auf, Investitionen in geeignete Infrastrukturen und Organisationsstrukturen sowie den Aufbau von Kapazitäten zu fördern. So können Frauen in der handwerklichen Fischerei in die Lage versetzt werden, qualitativ hochwertige Produkte zu erzeugen und zu vermarkten.

Dass die Entwicklung solcher Aktivitäten beträchtliche finanzielle Mittel erfordert, liegt auf der Hand. Die notwendigen Summen können von den bestehenden Kreditsystemen nicht abgedeckt werden. Deshalb fordern sie die Einrichtung von Spar-, Kredit- und Versicherungssystemen, also an die Bedürfnisse der Frauen angepasste Finanzprodukte und -dienstleistungen.

Allgemeiner gesagt: Um die Geschlechterungerechtigkeit in diesem Sektor zu überwinden, ist es notwendig, dass Politik und Gesetzgebung die Gleichstellung von Frauen unterstützen. Als Leitfaden für die Umsetzung ihrer Forderungen können die vor genau zehn Jahren verabschiedeten „Freiwilligen Leitlinien für die Sicherung der nachhaltigen Kleinfischerei im Kontext von Ernährungssicherheit und Armutsbekämpfung" (VG-SSF/SSF-Leitlinien) dienen, die der FAO-Fischereiausschuss im Juni 2014 verabschiedet hatte. Über die Umsetzung der Ziele, die in dem Dokument formuliert sind, wird in Fischereigemeinden heftig mit der Verwaltung und den lokalen Verantwortlichen für den Fischereisektor diskutiert. Es geht um nichts weniger als eine würdige und nachhaltige Zukunft für die Kleinfischerei, in der Frauen gleichberechtigt sind.

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Lachender Junge

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