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Der Kampf gegen Hunger muss weitergehen

Die Zahl der Hungernden steigt weltweit wieder stark an. Bis zu 811 Millionen Menschen hungern, über zwei Milliarden leiden an Mangelernährung. Trotz guter Initiativen in der Vergangenheit: Nach der Wahl ist die neue Bundesregierung gefragt, ihr Engagement gegen den Hunger sogar noch zu steigern – politisch und finanziell.

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Traditionelle Nahrungsmittel

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Die Herausforderung ist groß: Im vergangenen Jahr hungerten knapp 120 Millionen Menschen mehr als im Jahr zuvor. Auch die Zahl der Mangelernährten stieg: 320 Millionen Menschen mehr als im Vorjahr konnten sich nur unzureichend mit Lebensmitteln versorgen. Die Welternährungslage hat sich schon in den vergangenen fünf Jahren wieder verschlechtert. Die Ursachen dafür sind vielfältig: die Folgen des Klimawandels und des dramatischen Rückgangs der biologischen Vielfalt, Krieg und Vertreibung, zunehmende globale Ungleichheit. Dennoch haben viele wohlhabende Staaten ihren Einsatz gegen den Hunger in den letzten zehn Jahren zurückgefahren. Deutschland gehört zwar nicht dazu. Angesichts der steigenden Hungerzahlen jedoch darf die neue Bundesregierung in ihrem Engagement nicht nachlassen. Vielmehr muss sie es ausbauen. Anders kann der weltweite Hunger nicht überwunden werden und wir verfehlen die Ziele der Agenda 2030 zu Hunger und Ernährung dramatisch.

Coronavirus-Pandemie deckt die Schwächen auf

Die Coronavirus-Pandemie hat die Welternährungslage noch einmal dramatisch verschärft. Sie zeigt die Schwächen des Welternährungssystems auf. Gerade die besonders Verwundbaren, unter ihnen vor allem Frauen, trifft die von der Pandemie ausgelöste Ernährungskrise besonders hart. Anlässlich der Hamsterkäufe in deutschen Supermärkten wurde immer wieder betont, die sogenannten Wertschöpfungsketten im Agrar- und Ernährungsbereich würden global offenbleiben. Eine Wertschöpfungskette umfasst beispielsweise Saatgut und Düngemittel, Anbau, Verarbeitung, Vertrieb, Export und Konsum. Uns in Deutschland hat die Forderung nach offenen Wertschöpfungsketten weiter volle Regale mit tropischen Lebensmitteln beschert. Nicht selten kamen und kommen diese jedoch aus Ländern, die von einer schweren Ernährungskrise betroffen sind. Wenn Wertschöpfungsketten während der Pandemie offenbleiben, hat das offensichtlich auf hunderte Millionen Menschen auf der Welt nicht die gleiche Wirkung wie auf uns.

Funktioniert das Konzept der Wertschöpfungskette im Kampf gegen den Hunger?

Wer nicht bezahlen kann oder nicht für die großen Wertschöpfungsketten produziert, den traf die Coronavirus-Pandemie auch bezüglich der Zugänglichkeit zu Nahrungsmitteln besonders hart. Trotz der offen gehaltenen Märkte. Nur wir am Ende der Kette in Deutschland, die Lebensmittel bezahlen können und in einer Gesellschaft mit mächtigen Handelskonzerne leben, profitierten scheinbar vom Konzept der globalen Wertschöpfungsketten. Wertschöpfungsketten nützen den Konzernen der Agrar- und Ernährungsindustrie und den Verbraucher:innen im globalen Norden, nicht aber den Bäuer:innen und Konsument:innen im globalen Süden. Dabei stellen sie einen großen Anteil der Hungernden.

Nicht über uns ohne uns

Dass sie selbst bei Welternährungsfragen mitsprechen müssen, auch weil die Wertschöpfungsketten als Teil des globalen Handels für sie nicht funktionieren, ist für die Menschen, die von Hunger und Mangelernährung betroffen sind, keine neue Erkenntnis. Frauen, Indigene, Kleinbäuer:innen oder Jugendliche haben sich längst selbst organisiert und fordern, in den Gremien vertreten zu sein, die international zu Welternährungsfragen diskutieren und entscheiden. Nach der letzten Welternährungskrise vor über zehn Jahren wurde diese Forderung teilweise umgesetzt. Im Ausschuss für Welternährung (CFS), der die Umsetzung des Rechts auf Nahrung zum Ziel hat, können sie nun beispielsweise mit verhandeln.

Was muss besser werden in der nächsten Regierung?

Auch die "Sonderinitiative EINE WELT ohne Hunger", kurz SEWoH, das Vorzeigeprojekt der Bundesregierungen in den letzten Legislaturperioden im Kampf gegen Hunger, hat sich zu Beginn sehr stark am Ansatz der Wertschöpfungsketten orientiert. Mittlerweile jedoch entschied sich das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gegenzusteuern. Ein wichtiger Ansatz dabei sind die ökologischen Wissenszentren in Afrika. In diesen Zentren wird von Wissenschaftlern und Verbänden zusammen mit Produzent:innen ökologisches Wissen gesammelt. So wird dieses Wissen für alle nutzbar. Die Bäuer:innen können ihre landwirtschaftliche Produktion nachhaltig und basierend auf den Prinzipien des ökologischen Landbaus verbessern. Konsument:innen können Zugang zu neuen Produkten erhalten, weil zum Beispiel Obst- und Gemüsesorten breit angeboten werden, die vorher nur wenig bekannt waren. Dieser Weg muss konsequent fortgesetzt werden. Dazu gehört auch, das finanzielle Engagement der Bundesregierung für die Förderung der Agrarökologie weiter auszubauen.

Was aus unserer Sicht aber weiter fehlt und von der neuen Bundesregierung dringend nachgeholt werden muss, ist die systematische Einbeziehung der Betroffenen. Ganz im Sinne von „Wir treffen keine Entscheidung mehr über die Betroffenen ohne die Betroffenen“. Dies ist eigentlich eine demokratische Selbstverständlichkeit. Die Bundesregierung sollte sich daher weiter für eine Stärkung des Welternährungsausschusses (CFS) einsetzen, anstatt fragwürdige Parallelstrukturen im Anschluss an den anstehenden UN-Gipfel zu Ernährungssystemen (UNFSS) zu fördern.

Wie stehen die Parteien dazu?

Die basisdemokratische Leitlinie „Keine Entscheidung über uns ohne uns“ ist am stärksten anschlussfähig an die Wahlprogramme von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke. Im Entwicklungsausschuss des deutschen Bundestages haben auch die Fachpolitiker:innen von Union und SPD in der letzten Legislaturperiode mit einem von ihnen initiierten Bundestagsbeschluss bewiesen, dass ihnen diese menschenrechtlichen Prinzipien für das Recht auf Nahrung und der Welternährungsausschuss von großer Bedeutung sind.

Was am Ende „Keine Entscheidung über uns ohne uns“ wirklich bedeutet, muss im steten Austausch mit den Betroffenen immer wieder neu und weiterverhandelt werden. Dieser kontinuierlichen Herausforderung muss sich eine Bundesregierung ebenso stellen wie die deutsche Gesellschaft als Ganzes. Ohne kritischen Dialog wird der Hunger nicht überwunden werden können.

 

Dieser Text ist ein Beitrag in der Reihe #brotfürdiewahl im Vorfeld der Bundestagswahl 2021. Alle weiteren Beiträge finden Sie hier.

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