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Vermisst! Am internationalen Tag der Verschwundenen rückt das Schicksal tausender Migranten und Flüchtlinge in die Medienöffentlichkeit

Von Ehemalige Mitarbeitende am
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Am 30. August wird der Verschwundenen und der Opfer von Verschwindenlassen weltweit gedacht. Angestoßen wurde die Idee für den jährlich begangenen Tag von FEDEFAM (Federación Latinoamericana de Asociaciones de Familiares de Detenidos Desaparecidos) einer einstigen Partnerorganisation von Brot für die Welt, die seit den achtziger Jahren gegen das gewaltsame Verschwindenlassen von AktivistInnen und MenschenrechtsverteidigerInnen kämpft. Nach dem internationalen Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen bedeutet  "Verschwindenlassen" die Festnahme, den Entzug der Freiheit, die Entführung oder jede andere Form der Freiheitsberaubung durch Bedienstete des Staates oder durch Personen oder Personengruppen, die mit Ermächtigung, Unterstützung oder Duldung des Staates handeln, gefolgt von der Weigerung, diese Freiheitsberaubung anzuerkennen, oder der Verschleierung des Schicksals oder des Verbleibs der verschwundenen Person, wodurch sie dem Schutz des Gesetzes entzogen wird. In zahlreichen Staaten wie Mexiko, den Philippinen, der Ukraine oder Ägypten kommt es immer wieder zu Fällen gewaltsamen Verschwindenlassens.

In den vergangenen Jahren ist auch ein regelrechtes Geschäft durch das Verschwindenlassen von Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten entstanden. So sind zum Beispiel in Staaten Ost- und Nordafrikas systematische Entführungen und Lösegelderpressungen von Menschen auf der Flucht an der Tagesordnung. Besonders betroffen sind Flüchtlinge aus Eritrea, dem Südsudan und Sudan, die auf dem Weg nach Norden von Kriminellen entführt, interniert und erpresst werden. Wie hoch die Zahl der Menschen ist, die hier ums Leben kommen, bleibt ungewiss. Zahlreiche Opfer werden verkauft. Ähnlichen Gefahren sind MexikanerInnen und ZentralamerikanerInnen in Mexiko ausgesetzt. siehe auch: info.brot-fuer-die-welt.de/blog/fluechtlinge-muessen-mexiko-um-ihr-leben-fuerchten

In Griechenland werden mehrere tausend Flüchtlinge vermisst. Auch wenn sicher ist, dass sich viele von ihnen „freiwillig“ den unwürdigen Unterbringungsbedingungen entziehen wollten, so ist doch auch in Griechenland die Gefahr Opfer von Menschenhändlern zu werden, zuletzt deutlich gestiegen.

Und auch in der Bundesrepublik Deutschland ist allein die Zahl der vermissten Flüchtlingskinder besorgniserregend. Sie hat sich seit Jahresbeginn fast verdoppelt. Am 1. Juli waren der Aufenhaltsort und Verbleib von 8.991 unbegleiteten Flüchtlingskindern und Jugendlichen unbekannt, wie das Bundeskriminalamt jüngst mitteilte.

Seit Jahresbeginn sind mindestens 3,165 Menschen im Mittelmeer zu Tode gekommen. 23 % mehr als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres und doppelt so viele wie im ersten Halbjahr 2014. Die Namen der Toten bleiben häufig unbekannt. Die tödlichste Grenze der Welt ist die Außengrenze der Europäischen Union. Um sie zu überwinden, sind Familien gezwungen sich voneinander zu trennen, werden willkürlich auseinandergerissen und verlieren sich, gerade unbegleitete Kinder sind schutzlos gestellt und geraten leicht in die Hände von Menschenhändlern. Hunderte Menschen werden vermisst und von Angehörigen und Freunden verzweifelt gesucht. Täglich melden sich mehr Menschen beim deutschen Roten Kreuz auf der Suche nach ihren Angehörigen, die sie in Kriegs- und Konfliktgebieten oder auf der Suche nach Schutz in anderen Staaten vermuten.

 

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