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Flugverkehr: „klimaneutrales Wachstum“ funktioniert nicht.

Gemeinsam mit etwa 80 internationalen Organisationen weltweit fordert Brot für die Welt von der ICAO ihre klimaschädlichen Emissionen aus dem Flugverkehr zu reduzieren und dabei auf den Einsatz von zweifelhaften Offsetting-Zertifikaten zu verzichten.

 

Von Ehemalige Mitarbeitende am
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Am 4. und 5. April kamen in Utrecht die Vertreter der Mitgliedstaaten der UN-Sonderorganisation für zivile Luftfahrt (ICAO) zusammen, um in der zweiten Runde der „Global Aviation Dialogues (GLADs)“ noch ausstehende Einzelheiten für die geplante globale marktbasierte Lösung, die auf der 39. Vollversammlung im September 2016 veröffentlicht wird, zu diskutieren. Diese Lösung soll die Emissionen von Treibhausgasen aus dem Luftverkehr begrenzen. Doch die Aussicht auf Erfolg ist sehr schwach. Denn das von der ICAO verfolgte Konzept sieht ein „klimaneutrales Wachstum“ vor und basiert nur auf dem Ausgleich ungebremst zunehmender Emissionen durch Einsparungen in anderen Ländern und Sektoren (Offsetting). Die ICAO erteilt sich selbst damit eine „Lizenz zum Wachstum“, die letztendlich den forteschreitenden Klimawandel zur Folge hat.

Im Einzelnen sieht das noch bis Ende September 2016 in der ICAO verhandelte Offsetting-System vor, die CO2-Emissionen ab 2020 einzufrieren und zugleich weiteres Luftverkehrswachstum zu ermöglichen. Dazu werden Emissionsgutschriften in erheblichen Umfang benötigt. Obwohl die ICAO diesbezüglich eine Reihe an Prinzipien für die Offsets erarbeitet hat; beispielsweise soll Doppelzählung vermieden werden, eine realistische Baseline zugrunde gelegt werden, die Zertifikate permanent sein und keine Konflikte bei beteiligten Parteien auslösen; zeigen Erfahrungen mit dem Clean Development Mechanism (CDM) wie anfällig aufgestellte Regeln sind und wie schnell es zu Missbrauch mit fatalen Folgen wie Verletzung von Menschenrechten durch Vertreibung und Landraub kommen kann. Derlei Gefahren sind ganz speziell bei Gutschriften aus Landwirtschafts- und Wald-Offsets zu befürchten. Zertifikate aus dem Programm „Reduce Deforestation from Deforestation and Forest Degradation“ (REDD+) gehören zu den umstrittenen Möglichkeiten, die aber u.a. im Moment in der ICAO verhandelt werden. Die von der ICAO aufgestellten Prinzipien für die Gutschriften greifen hier besonders schwach. So ergeben sich beispielsweise aus Waldzertifikaten noch größere Risiken für das Klima, da eine Permanenz der CO2-Speicherung nicht gegeben ist und bei illegaler Rodung, Unwetter- oder Brandschäden die CO2-Emissionen höher als die geplante Speicherung sind und es darüber hinaus vielfach belegt ist, dass es durch Landnutzungsänderungen häufig zu Konflikten und Menschenrechtsverletzungen kommt.

Darüber hinaus setzt das Konzept nur bei CO2 an und vernachlässigt einen erheblichen Teil der Erwärmungswirkungen von Flugzeugen (z.B. Kondensstreifen, Zirruswolken, Eiswolken) die sich in großer Höhe bilden.

Aufgrund des starken Wachstums der Luftfahrtindustrie, Prognosen gehen von einem Anstieg der Anteile an den globalen CO2-Emissionen aus dem Luftverkehr auf 22 Prozent bis 2050 aus, ist es unmöglich eine ausreichende Anzahl von Gutschriften (Verschmutzungsberechtigungen) aus ökologisch und sozial sinnvollen Projekten für einen Emissionsausgleich im Offsetting-System anzubieten.

Klimaneutrales Wachstum im Flugverkehr ist ein Widerspruch an sich. Das ICAO-Konzept zum Ausgleich von Emissionen ist ungeeignet und lenkt von der Tatsache ab, das der Sektor nicht bereit ist seine Treibhausgasemissionen ernsthaft zu reduzieren.

Gemeinsam mit etwa 80 internationalen Organisationen weltweit fordert Brot für die Welt von der ICAO ihre klimaschädlichen Emissionen aus dem Flugverkehr zu reduzieren und dabei auf den Einsatz von zweifelhaften Offsetting-Zertifikaten zu verzichten.

 

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