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Freude über Friedensnobelpreis für unsere Partner

Kailash Satyarthi wird heute in Oslo der Friedensnobelpreis überreicht. Brot für die Welt arbeitet bereits seit Jahrzehnten mit ihm zusammen. Partner von Brot für die Welt erhielten in den letzten Jahren zahlreiche Friedens- oder Alternative Nobelpreise.

 

Von Online-Redaktion am

„Eine Razzia in Neu Delhi: Aus zwei Minibussen springen mehrere Polizisten. Sofort verteilen sie sich, einige stürmen in ein Treppenhaus, die anderen in einen Hinterhof. Hier gibt es kleine, garagenartige Hallen. In einer werden Flipflops gefertigt, in einer anderen Plastikteile für Autos, eine größere Halle ist eine kleine Textilfabrik. Nach nicht einmal einer Minute haben die Beamten die Lage unter Kontrolle. Die Polizisten führen fünf Kinder in den Hinterhof. Die Kinder tragen verdreckte Kleidung. Sie sind vielleicht zwölf, 13 Jahre alt und völlig verängstigt.“ So eindringlich beschreibt ARD-Korrespondent Jürgen Webermann eine Befreiungsaktion von Kindersklaven in Indien.

Einsatz für Kinderrechte

Solche Aktionen gehören zum Alltag der Organisation BBA (Bachpan Bachao Andolan, zu deutsch: Bewegung zur Rettung der Kindheit). Sie wurde von Kailash Satiyarthi gegründet. Sein Engagement gegen die Kinderarbeit wird heute, am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, in Oslo mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt. Der 60 jährige gab 1980 seinen Beruf als Elektroingenieur auf, um sich ganz den Kinderrechten zu widmen. Fast 80.000 Kinder konnten seitdem befreit werden. Und seit mehr als zwei Jahrzehnten wird er dabei von Brot für die Welt unterstützt, die die von Satiyarthi gegründeten Organisationen immer wieder finanziell fördern. Auch mit Hilfe von Spenden aus Deutschland. Daher sind wir als evangelisches Hilfswerk ebenfalls stolz und glücklich, dass Kailash Satiyarthi gemeinsam mit der pakistanischen Kinderrechtsaktivitstin Malala Yousafzai den Preis erhält.

Für beide ist der Friedensnobelpreis eine Chance ihre Anliegen einer weltweiten Öffentlichkeit zu präsentieren, neue Mitstreitende zu finden und schließlich durch ihre Bekanntheit besser vor Übergriffen geschützt zu sein, als unbekannte Einzelaktivisten in nicht-demokratischen Strukturen. Wenn auch Malala Yousafzai einen Anschlag nur knapp überlebt hat und nicht mehr in ihrem Heimatland leben kann.

Satiyarthi, Tutu, Menchu

In der 56jährigen Geschichte von Brot für die Welt konnten wir zwei Friedensnobelpreisträger und eine Friedensnobelpreisträgerin aus unserem weltweiten Partnernetzwerk beglückwünschen. Neben Kailsh Satiyarthi erhielt 1984 Desmond Tutu als Generalsekretär des SACC den Osloer Preis. Der Südafrikanische Kirchenrat (SACC) hat sich unter seiner Führung lange für das Ende der Apartheid eingesetzt. Auch diese Arbeit war von einer der Vorgänger-Werke von Brot für die Welt gefördert worden. 1993 wurde Rigoberta Menchu mit der Auszeichnung gewürdigt. Sie hat sich in Guatemala schon zu Zeiten des Bürgerkrieges für die Rechte der Landarbeiter stark gemacht und war die jüngste Friedensnobelpreisträgerin in der Geschichte der Auszeichnung.

Alternativer Nobelpreis

Doch eigentlich wäre die Liste derer, die wir als Partner stützen, nicht vollständig, würde man nicht auch die Trägerinnen und Träger des Alternativen Nobelpreis aufzählen. Wobei der Name Alternativer Nobelpreis nicht ganz der korrekte Titel ist. Der Right Livelihood Award ist eher der Preis für eine richtige Lebensweise. Er wurde 1980 von Jakob von Uexküll ins Leben gerufen, der vor allem verdienten Menschen aus den Entwicklungsländern zu mehr Anerkennung verhelfen wollte. Nachdem das Nobel-Komitee eine Erweiterung des Nobelpreis abgelehnt hatte, wurde der Preis zum ersten Mal ausgelobt. Zur Finanzierung der Stiftung, die den Preis vergibt, verkaufte von Uexküll wertvolle Briefmarken .

Seit der Gründung im Jahr 1980 sind beinahe in jedem Jahr unter den Ausgezeichneten Partner des evangelischen Hilfswerks. Wir haben daher eine Auswahl seit 1990 zusammengestellt.

Da stehen elf der Prämierten in engem Kontakt zu uns und unserer Arbeit gegen Armut und für mehr Gerechtigkeit. Viele sind durch ihr Engagement täglich Repressalien und Widerständen ausgesetzt, viele an Leib und Leben bedroht, viele mussten ihre Heimatländer inzwischen verlassen. Für sie sind die Preise auch der Anschub, nicht aufzugeben, sondern weiter zu kämpfen.

Right Livelihood Award für Partner von Brot für die Welt

  • 1991 Bewegung der Landarbeiter ohne Boden (MST) Comissão Pastoral da Terra (CPT) – das ist eine 1975 gegründete Organisation in der Katholischen Kirche in Brasilien.
  • 1992 Helen Mack Chang – sie ist Verteidigerin von Menschenrechten. Sie stammt aus Guatemala.
  • 1993 Vandana Shiva – sie ist auch heute Partnerin von Brot für die Welt. Die Inderin ist bekannt für ihren Einsatz für den ökologischen Anbau und die Vielfalt des Saatguts
  • 2004 Asghar Ali Engineer – er hat sich für die Verständigung der Religionen stark gemacht und starb 2013.
  • 2004 Memorial – die russischen Menschenrechtsorganisation wurde 1988 auf Initiative von Andrej Sacharow gegründet. Sie steht zurzeit – wie viele NGOs, die finanzielle Förderung aus dem Ausland erhalten – stark unter politischem Druck.
  • 2006 Ruth Manorama – sie ist indische Frauenrechtsaktivistin, die sich vor allem für die Rechte der Dalits stark macht.
  • 2011 Jacqueline Moudeina – Anwältin und Verteidigerin von Menschenrechten. Sie stammt aus dem Tschad, überlebt mehrere Anschläge und lebt heute in Frankreich.
  • 2011 GRAIN – die Organisation Genetic Resources Action International hat ihren Hauptsitz in Spanien. Sie setzt sich für die Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und den Eralt der natürlichen Vielfalt ein.
  • 2013 Dr. Denis Mukwege - der Gynäkologe setzt sich seit mehr als 15 Jahren für Frauen ein, die in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) Opfer sexueller Gewalt wurden. Er erhielt außerdem gerade den Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments als Anerkennung für seine Verdienste.
  • 2014 Basil Fernando – er leitet seit die Menschenrechtsorganisation Asian Legal Resource Centre (ALRC). Die Organisation mit Sitz in Hongkong veröffentlicht „Dringlichkeitsappelle“, wenn Menschen wegen ihres Einsatzes für die Menschenrechte bedroht und verfolgt werden.

Wir sind stolz und glücklich, dass wir mit diesen Partnern Menschen und Organisationen fördern, die auch weltweit so viel Anerkennung für ihren Einsatz für eine gerechtere Welt erfahren. Mal sehen, was 2015 bringt.

 

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