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Flugzeugabschuss überschattet Internationale Aidskonferenz

Als wir heute morgen die HIV-Arbeit der Katholiken in Melbourne anschauen wollten, brannte dort schon die Kerze im Andachtsraum. Es war schwer, Worte zu finden, für die schrecklichen Bilder, die im Fernsehen zu sehen waren. 300 Leute in einem regulären Passagierflugzeug wurden einfach über der Ost-Ukraine abgeschossen. Es wird vermutet, dass sich hundert HIV-ExpertInnen auf dem Weg zur Internationalen Aidskonferenz unter ihnen befanden – darunter ForscherInnen und VertreterInnen von NROs.

 

Von Ehemalige Mitarbeitende am
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Als wir heute morgen die HIV-Arbeit der Katholiken in Melbourne anschauen wollten, brannte dort schon die Kerze im Andachtsraum. Es war schwer, Worte zu finden, für die schrecklichen Bilder, die im Fernsehen zu sehen waren. 300 Leute in einem regulären Passagierflugzeug wurden einfach über der Ost-Ukraine abgeschossen. Es wird vermutet, dass sich hundert HIV-ExpertInnen auf dem Weg zur Internationalen Aidskonferenz unter ihnen befanden – darunter ForscherInnen und VertreterInnen von NROs. In Melbourne wehen die Fahnen auf Halbmast, das Feuerwerk für die Eröffnung der Internationalen Aidskonferenz am Sonntag wurde abgesagt. Das Land – wir alle stehen unter Schock. “Mir fehlen die Worte, um meiner Traurigkeit Ausdruck zu verleihen,” so Professorin Barré-Sinoussi, Nobelpreisträgerin für die Erforschung des HI-Virus und Ko-Vorsitzende der 20. Internationalen Aidskonferenz 2014 , die am Sonntag in Melbourne beginnt.

Religionsvertreter fordern Toleranz

Die Interreligiöse Vorkonferenz gedachte der Opfer und beschäftigte sich heute mit dem Thema Stigma – Stigmatisierung von HIV-Positiven aber auch von Menschen mit anderer sexueller Orientierung. Ein Hindu Mönch erzählte von seinen eigenen Erfahrungen – er ist der einzige Swami, der offen mit HIV lebt und erhält, seitdem sein HIV-Status bekannt ist, kaum noch Einladungen. Ein homosexueller Pfarrer aus Samoa appelliert an die religiösen Gemeinschaften, dass sie nicht das Recht haben, Menschen zu ‚entmenschlichen‘. Was sollten die religiösen Gemeinschaften tun?

Phumzile Mabizela, Direktorin des Brot für die Welt Partners INERELA, dem Netzwerk von HIV-positiven religiösen Führungskräften, sagt: „Wir müssen die Wichtigkeit von Liebe und Mitgefühl wieder neu entdecken und Freiraum schaffen für Menschen, die anders sind als wir und die unsere Einstellungen hinterfragen.“ Sie fährt fort: „Traditionell hatten afrikanische Gesellschaften keine Probleme mit Menschen anderer sexueller Orientierung, das kam erst mit der Einführung anderer Religionen (Christentum, Islam) in Afrika auf... Menschen anderer sexueller Orientierung sind nicht irgendwo da draußen, sie sind in unseren religiösen Gemeinschaften. Wir sind alle als Ebenbild Gottes geschaffen.“

Plädoyer für Neubewertung religiöser Quellen

JP Mokgethi-Heath, früherer Direktor von INERELA legt verschiedene Bibelstellen aus, die oft anders interpretiert werden, weil man nicht auf den ursprünglichen Text zurückgegangen ist und Passagen als anti-homosexuell ausgelegt hat, die dies gar nicht sind. Auch der muslimische Referent, Dede Oetomo aus Indonesien, gibt zu bedenken, dass, wenn man den Koran und das Leben des Propheten Mohammed anschaut, sich Aussagen gegen andere sexuelle Orientierungen nicht aufrechterhalten lassen.

Der Tag bestand aus wichtigen Redebeiträgen und Diskussionen. Vor Jahren dachten viele religiöse Gemeinschaften, sie selbst seien nicht von HIV betroffen. Mit der Zeit erkannten sie, dass sie Teil der  Gesellschaft sind und damit genauso von HIV betroffen sind, wie die Gesellschaft um sie herum. Daher findet nun ein Prozess statt, in der sich religiöse Gemeinschaften bewusst werden, dass sie auch die gesamte Bandbreite an sexueller Orientierung in ihren Gemeinschaften abdecken und damit umgehen lernen müssen. Die ReferentInnen heute haben ihre Vision klar vorgestellt: eine religiöse Gemeinschaft ohne Stigma – weder aufgrund einer HIV-Infektion noch aufgrund anderer sexueller Orientierung.

Es war ein starker Auftakt und dennoch beschäftigte uns der Absturz der MH 17 in allen Pausengesprächen und wird sicherlich auch den Rest der Vorkonferenz und die Int. Aidskonferenz weiter überschatten.

 

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