Ziel meiner täglichen Arbeit ist es, zu einer gerechteren Welt beizutragen. Ihres vielleicht auch. Wir setzen uns ein für gleiche Rechte aller Menschen und für bessere Chancen jener, die an den Rand gedrängt werden. Und stellen fest: Je komplizierter die geopolitische Lage, je mehr Gewaltwellen sie erschüttern, desto dringender wird unsere Aufgabe. Zugleich wird es aus denselben Gründen immer schwieriger, diese Aufgabe zu erfüllen. Ich weiß nicht, wie Sie mit diesem Dilemma umgehen – was ich brauche, sind menschliche Begegnungen und neue Ideen. Das hält frisch. Zwei erfrischende Impulse durfte ich vergangene Woche von der Entwicklungspolitischen Konferenz der Kirchen und Werke mitnehmen, die im beschaulichen Hofgeismar in Hessen tagte. Wie kann, trotz Einschränkung von Handlungsräumen und Meinungsvielfalt durch wachsenden Autoritarismus, immer noch Gutes gelingen, lautete die Leitfrage. Ich nahm die Antwort mit: durch eine Mischung aus Ungeduld und Geduld. Wir müssen unzufrieden bleiben mit dem Zustand der Welt, weiterhin hartnäckig Menschen von der Dringlichkeit unserer Anliegen überzeugen. Und zugleich brauchen wir Geduld. Denn bei allem Einsatz und Aktivismus gibt es viele Widerstände und Rückschläge und weit weniger Erfolge, als nötig wären. Der zweite Gedanke, der mich immer noch beflügelt, kreist um das Prinzip Hoffnung: Wir brauchen sie – aber sie darf nicht Selbstzweck werden. Quinton Ceasar, ein Pastor mit südafrikanischen Wurzeln, seit Langem in Norddeutschland tätig, hielt dazu einen bewegenden Vortrag. Der für mich entscheidende Satz: Hoffnung ohne Gerechtigkeit ist Vertröstung. Das sei auch der Kern der biblischen Botschaft. Wir müssen Gerechtigkeit herstellen in den konkreten Ländern dieser konkreten Welt – und nicht auf eine transzendente Zukunft vertrösten. Schreiende Ungerechtigkeiten, seien es Hunger, Armut oder die Verweigerung fundamentaler Rechte für Frauen, Kinder und queere Menschen, müssen ein Ende finden. Als ich die Beiträge für diesen Politik-Brief las, dachte ich: Wow, sie sind von eben diesem Geist getragen. Ungeduldig und beharrlich im Anliegen – aber wissend, dass der Weg zum Ziel ein weiter ist. Vielleicht geht es Ihnen beim Lesen ja ähnlich.
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