Aus den ersten Aktionen für einen gerechten Welthandel in den 1970er Jahren ist die größte entwicklungspolitische Bewegung Deutschlands entstanden. Die Weltladen-Bewegung schreibt eine 50-jährige Geschichte des Engagements, der Solidarität und der Beharrlichkeit. Mehr als 900 Weltläden und Tausende von Fair-Handels-Gruppen, die heutzutage in Deutschland aktiv sind, bieten Raum für Austausch, Reflexion und öffentliche Auseinandersetzung und stärken damit globale Perspektive im lokalen Raum.
Heute, wenn internationale Solidarität, multilaterale Zusammenarbeit und Offenheit für globale Verantwortung infrage gestellt werden, rücken die Fair-Trade-Akteur*innen zusammen und positionieren sich gemeinsam für eine weltoffene und solidarische Gesellschaft, die Menschenrechte und unsere Demokratie schützt.
Aktion #WirWählenFair
Anlässlich der Landtagswahlen, die in diesem Jahr in fünf Bundesländern terminiert sind, ruft der Weltladen-Dachverband erneut zur Aktion #WirWählenFair auf. Mit der Botschaft #WirWählenFair setzen die Weltläden ein Zeichen für Menschenrechte, Demokratie und Gerechtigkeit. Die Aktion ruft dazu auf, sich entschieden gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung zu stellen.
Vor den ersten Landtagswahlen, die diesen Sonntag im Baden-Württemberg stattfanden, hatten wir mit Anna Hirt vom Weltladen-Dachverband telefoniert. Anna erzählte mir über die Aktion #WirWählenFair und aktuelle Arbeit des Vereins.
Liebe Anna, ich weiß, dass dies nicht die erste Aktion dieser Art ist, die vom Weltladen-Dachverband organisiert wird.Im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 war die Weltladen-Bewegung auch sehr aktiv. Könntest du dazu mehr erzählen?
Wir haben im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 zusammen mit Fairtrade Deutschland und Forum Fairer Handel die Aktion #WirWählenFair initiiert. Gemeinsam haben wir zentrale Anliegen des Fairen Handels an die künftige Bundesregierung formuliert. Wir haben für Weltläden Plakate, SharePics und kleine Karten aus Samenpapier entwickelt, mit denen sie im Schaufenster und gegenüber Kund*innen für Menschenrechte, Demokratie und Respekt geworben haben. Außerdem haben wir einen Leitfaden entwickelt, den Weltläden für Gesprächen mit Kandidat*innen für den Bundestag nutzen konnten.
Ist die Aktion #WirWählenFair als Mitmach-Aktion gedacht? Wie können die Weltläden mitmachen?
Für die Landtagswahlen greifen wir die Aktion erneut auf und positionieren uns gemeinsam mit den Eine-Welt-Landesnetzwerken und dem Forum Fairer Handel für eine weltoffene und solidarische Gesellschaft, die Menschenrechte und unsere Demokratie schützt. Weltläden können diese Botschaft mit Plakaten in ihre Schaufenster bringen und mit SharePics auf Social Media verbreiten. Einige Weltläden werden sicherlich auch wieder mit Kandidat*innen für die Landtagswahlen in Kontakt treten und in Erfahrung bringen, inwiefern sie die Anliegen des Fairen Handels und der Weltläden unterstützen. Dazu kooperieren sie vielerorts mit den jeweiligen Landesnetzwerken, die ebenfalls Aktivitäten zur Landtagswahl planen.
Erfahren die Weltläden auch Widerstand?
Weltläden engagieren sich als entwicklungspolitische Akteure auch gegen Rechtsextremismus, zeichnen Petitionen für Demokratie und Menschenrechte, setzen sich für Geflüchtete ein und nehmen an Demonstrationen für mehr Vielfalt teil. Es gibt leider Weltläden, die bereits Anfeindungen und Angriffe erlebt haben. Mitarbeiterinnen der Weltläden in Oberursel und in Dresden haben uns im Dezember 2024 eindrücklich in unserem Podcast fairtont. davon berichtet: www.weltladen.de/fairtont/33-demokratie. Der Weltladen-Dachverband stärkt den Austausch zwischen den Weltläden und den anderen Fair-Handels-Akteuren – insbesondere zum Umgang mit Kritik und zum Schutz vor Anfeindungen. Wir ermutigen uns gegenseitig, festigen unsere eigene Haltung und versuchen so handlungsfähig und offen für Dialog zu bleiben.
Was macht euch stark in eurem Engagement?
Trotz Einschüchterungen und ersten Übergriffen bleibt das Engagement der Weltläden stark: Viele Weltläden engagieren sich nach wie vor in lokalen Bündnissen für Demokratie und Vielfalt – wie dem Peiner Bündnis für Toleranz, „Dorfen ist bunt“, „Gießen bleibt bunt“, dem Bündnis für Demokratie & Menschenwürde in Oberursel u.v.m. Weltladen-Mitarbeiter*innen sind oft vielfältig engagiert. Einige von ihnen sind auch aktiv bei den OMAS UND OPAS GEGEN RECHTS oder in anderen Bündnissen. Dies macht Weltläden zu wertvollen Orten für Vernetzung. Und das ist im Moment besonders wichtig.
Aus der Sicht des Dachverbandes – warum sollte der Faire Handel nicht nur für den gerechten Welthandel, sondern auch für eine offene Gesellschaft stehen?
Der Einsatz für eine demokratische, weltoffene, solidarische und vielfältige Gesellschaft ist für Fair-Handels-Akteure selbstverständlich. Der Faire Handel denkt zukunftsfähige Wirtschaft, Fairness, Gerechtigkeit, Umwelt- und Klimaschutz sowie Solidarität zusammen. Das eine kann es ohne das andere nicht geben. Deshalb kämpfen wir für weltoffene, solidarische Gesellschaften, die lebenswerte Perspektiven für benachteiligte Produzent*innen weltweit sowie Schutzsuchende bieten und in denen Rassismus und andere Diskriminierungsformen keinen Platz haben.




