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"Für eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung"

Angesichts des zunehmenden Rechtsruckes werden momentan von den Akteur*innen der Weltladen-Bewegung vielfältige Aktionen und Veranstaltungen organisiert. Auch die Engagierten der Weltladen-Bewegung in Baden-Württemberg planen eine entsprechende/dahingehende Veranstaltung unter dem Titel „Weltläden setzen Zeichen für eine weltoffene Gesellschaft ohne Ausgrenzung“.

Von Valeria Tyumeneva am
Röstung gegen Rechts

Röstung gegen Rechts

Das Online-Seminar beschäftigt sich mit der Frage, was die Weltläden als Orte für eine solidarische und weltoffene Gesellschaft gegen Ausgrenzung, Stigmatisierung und Spaltung in unserer Gesellschaft machen können. Ich habe die Organisator*innen vom Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg (DEAB) und vom Zentrum für Entwicklungsbezogene Bildung (ZEB) dazu interviewt. 

Wie kam die Idee für das Seminar „Weltläden setzen Zeichen für eine weltoffene Gesellschaft ohne Ausgrenzung“? 

Martin Lang (Fair Handels-Berater in Baden-Württemberg): Bereits in den zurückliegenden Jahren, nach den großen Aufregern, zum Beispiel 'Potsdamer Geheimtreffen' mit den millionenfachen Deportationsplänen, ploppte das Thema immer wieder auf. Fairhandelsimporteure erstellten u.a. Kundenstopper mit Bekenntnis zur Vielfalt und gegen Rassismus, El Puente vertreibt seit einiger Zeit den Kaffee "Röstung gegen Rechts", Weltläden in Oberschwaben unterstütz(t)en Demoaufrufe eines zivilgesellschaftlichen Bündnisse. Bisher gab es in Baden-Württemberg noch kein Angebot, das Weltläden ermutigt, sich Regionen übergreifend gezielt auszutauschen und mit Möglichkeiten und Herausforderungen, sich hierbei zu positionieren, gemeinsam zu befassen.  

Warum ist das geplante Seminar gerade jetzt wichtig?

Elena Muguruza (Geschäftsführerin des ZEB): Während meines Jurastudiums in Peru sprachen mehrere meiner Professor*innen mit uns über Deutschland. Sie sagten, die deutsche Gesellschaft habe aus den Schrecken des Zweiten Weltkriegs gelernt. „Nie wieder“ sei daher das Fundament der deutschen Demokratie und des Rechtsstaats. Der deutsche Staat garantiere die uneingeschränkte Achtung der Menschenrechte aller Menschen, die in Deutschland leben. Für mich als junge Studentin war Deutschland somit eine Art Idealbild einer gerechten Welt. Drei Jahre arbeitete ich als Anwältin in Peru, dann kam ich vor 33 Jahren nach Deutschland. In den ersten Jahren schien mir das, was meine Professor*innen mir erzählten, mit meinen eigenen Erfahrungen in diesem Land übereinzustimmen. Doch in den letzten Jahren scheinen viele der genannten Prinzipien langsam, aber ernsthaft zu bröckeln. Rechtspopulismus und Rechtsextremismus sind in Deutschland und Europa auf dem Vormarsch und stellen eine Herausforderung für die Demokratie dar. Dies zeigt sich in Wahlerfolgen und der Normalisierung bestimmter Ideologien. Rassismus ist im Alltag spürbar. Das Recht auf freie Meinungsäußerung wird fälschlicherweise so ausgelegt, dass dies ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer geschehen kann. So kann in der Öffentlichkeit jeder sagen, was ihm in den Sinn kommt, ohne Angst haben zu müssen, andere zu verletzen.

Wie nehmen die Weltläden und Fair-Handels-Berater*innen den zunehmenden Rechtruck im Alltag wahr?

Martin Lang: Weltläden berichten immer öfter von „seltsamen" Kundengesprächen, bei denen sich manche Kund*innen abfällig über die Menschen im Globalen Süden und Menschen mit Migrationsgeschichte äußern. Das Thema „Bekämpfung von Fluchtursachen", wobei der Faire Handel sicher wertvolle Arbeit und Beiträge leistet, wird von manchen auf eine ungute Art und Weise interpretiert. Bisher sehr vereinzelt gab es (verbale) Attacken gegen Weltläden, die von rechten Kreisen als Teil der sogenannten „Woke-Bewegung" betrachtet werden. Das Seminar soll auch diesbezüglich Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch bieten.

Für wen ist das Seminar gedacht?  Was möchte man mit dem Seminar bewirken?

Martin Lang: Angemeldet haben sich zu 95 Prozent Verantwortliche aus Weltläden, deren Vorstände und Mitarbeitende der Verkaufsteams. Das Seminar soll zunächst die aktuelle „Bedrohungslage" für unsere Gesellschaft durch Rechtsextremismus veranschaulichen. Mit Ulli Jentsch von der Organisation ReGa (Research Against Global Authoritarianism) haben wir zum Einstieg einen fachkundigen Referenten gewinnen können. Es werden die Tools gegeben, wie man mit populistischen und rechtsextremen Äußerungen im Alltag umgegangen wird. Wie können wir Weltläden Weltläden als Orte für zivilgesellschaftliches Engagement, für Vielfalt und Menschlichkeit sichtbarer machen?

Wie geht es weiter?

Elena Muguruza: Meine Antwort lautet: weiterhin hartnäckig an die Demokratie und die Einhaltung der Menschenrechte zu glauben beziehungsweise festzuhalten. Und dies in konkreten Handlungen zu äußern. Angesichts der Landtagswahlen 2026 in Baden-Württemberg möchte ich andere Personen zum Thema Rechtsruck informieren und sensibilisieren. Deshalb organisiere ich, gemeinsam mit meinen ehemaligen Kolleg*innen Birgit Lieber und Martin Lang (DEAB-Fair-Handels-Beratung), ein Seminar zu diesem Thema für die Weltläden-Mitarbeiter*innen. Außerdem beeindruckt mich das Engagement der Weltläden, die sich ebenfalls hartnäckig für mehr Gerechtigkeit einsetzen. Dadurch setzen sie viele Zeichen der Hoffnung für eine gerechte Welt.

Denkt ihr, dass nach dem Online-Seminar weitere Veranstaltungen geplant werden?

Martin Lang: Da es das erste Seminar von uns für Baden-Württemberg zu diesem Thema ist, werden wir vor einer möglichen Wiederholung und Weiterentwicklung zunächst die Rückmeldungen auswerten. Die Erfahrungen zeigen, dass uns einzelne Weltläden nach einem Angebot wie diesem individuelle Einzelberatungen anfragen. In Anbetracht der aktuellen Lage wird uns die Thematik leider noch länger begleiten. Vielen Engagierten im Fairen Handel und den Weltläden ist es ein dringendes Anliegen, für eine vielfältige und solidarische Gesellschaft einzutreten – bezogen auf internationale wie nationale Politik. Da wollen wir gerne fachkundig begleiten.

Gibt es für das Seminar am 29. Januar noch ein paar freie Plätze?

Martin Lang: Ja! Anmeldungen sind weiterhin per Mail möglich unter fhb@deab.de möglich – solange noch freie Plätze verfügbar sind.

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