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Hundert Prozent erneuerbare Energien für Afrika

Mohamed Adow, Direktor von Powershift Africa, sieht den afrikanischen Kontinent an einem Scheideweg. Ob Energie künftig aus erneuerbaren oder fossilen Energieträgern bezogen wird, könnte das Leben von Hunderten Millionen Menschen über Generationen hinweg prägen. Hier beschreibt er, was ihn hoffnungsvoll stimmt.

 

Von Sabine Minninger am
Mohamed Adow, Direktor von Powershift Africa

Mohamed Adow, Direktor von Powershift Africa

Afrika ist der energie­reichste Kontinent der Erde. Wir haben mehr Sonnenschein als irgendwo sonst. Wir verfügen über riesige Windkorridore, mächtige Flüsse und ein enormes geothermisches Potenzial entlang des großen afrikanischen Grabenbruchs "Great Rift Valley" in Ostafrika. Die Natur hat diesem Kontinent ein außergewöhnliches Geschenk gemacht – und erneuerbare Energien sind die Mittel, es auszupacken.

Warum erneuerbare Energien die beste Option für Afrika sind

Im Gegensatz zu fossiler Infrastruktur, deren Planung, Finanzierung und Bau Jahrzehnte dauern können, lassen sich erneuerbare Energien schnell und in großem Maßstab einsetzen. Solaranlagen können innerhalb von Monaten installiert werden. Windparks können innerhalb eines Jahres in Betrieb gehen. Die Technologie ist bewährt, die Kosten sind im vergangenen Jahrzehnt dramatisch gesunken, und das Know-how für Bau und Wartung wächst auf dem gesamten Kontinent. Erneuerbare Energien sind nicht nur die Zukunft Afrikas – sie sind bereits die Gegenwart, wenn wir uns entscheiden, sie vollständig zu nutzen.

Es gibt auch ein wirtschaftliches Argument, das nicht übersehen werden darf. Erneuerbare Energien halten Geld in den afrikanischen Volkswirtschaften im Umlauf. Statt Milliarden für den Import fossiler Brennstoffe auszugeben, die ausländische Konzerne und Regierungen bereichern, können afrikanische Staaten in eine Energieinfrastruktur investieren, die Arbeitsplätze schafft, Kompetenzen aufbaut und nachhaltigen Wohlstand im eigenen Land erzeugt.

Risiken fossiler Brennstoffe für Afrika

Afrika hat am wenigsten zur Klimakrise beigetragen, leidet aber am stärksten unter ihren Folgen. Dürren dauern länger. Überschwemmungen werden heftiger. Ernten fallen aus und Gemeinschaften werden vertrieben. Für einen Kontinent, auf dem die Mehrheit der Menschen von regenabhängiger Landwirtschaft lebt, ist der Klimawandel keine abstrakte Bedrohung – er ist eine existenzielle.

Ein verstärkter Ausbau fossiler Energien würde diese Bedrohung verschärfen. Neue Öl- und Gasinfrastruktur zementiert jahrzehntelange Emissionen – genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Welt sie reduzieren muss. Sie verankert auch finanzielle Risiken. Während sich die globalen Energiemärkte verändern, ist es immer wahrscheinlicher, dass fossile Vermögenswerte zu sogenannten „Stranded Assets“, gestrandeten Vermögenswerten, veröden – sodass afrikanische Regierungen und Gemeinschaften die Kosten für Infrastruktur tragen müssen, die veraltet ist, bevor sie überhaupt abbezahlt wurde.

Erneuerbare bringen Dezentralisierung

Das Versprechen, fossile Energien würden Afrika aus der Armut führen, ist ein falsches. Wir haben dieses Szenario bereits erlebt. Ölreichtum hat selten zu breitem Wohlstand geführt; er konzentriert sich in den Händen von Eliten und multinationalen Unternehmen, während die Bevölkerung in den Fördergebieten mit Umweltverschmutzung, zerstörten Landschaften und gebrochenen Versprechen auf eine nachhaltige Entwicklung leben muss.

In ganz Afrika haben noch immer Hunderte Millionen Menschen keinen verlässlichen Zugang zu Strom. Der Ausbau von Stromnetzen – das traditionelle Modell, bei dem Leitungen von zentralisierten fossilen Kraftwerken verlegt werden – ist langsam, teuer und hat ländliche sowie abgelegene Gemeinden wiederholt nicht erreicht. Dezentrale erneuerbare Energien verändern diese Gleichung vollständig. Insel-Solarsysteme, Mini-Netze mit Wind- und Solarenergie sowie gemeinschaftseigene Projekte können saubere, bezahlbare Energie direkt zu den Menschen bringen, die sie am dringendsten benötigen – ohne darauf warten zu müssen, dass Regierungen Infrastruktur bauen, die möglicherweise nie kommt. Erneuerbare Energien sind der schnellste Weg zu universellem Energiezugang, und universeller Energiezugang ist der schnellste Weg zu besserer Gesundheit, Bildung, wirtschaftlichen Chancen und höherer Lebensqualität.

Wie afrikanische Rohstoffe Afrikas erneuerbare Energien antreiben

Hier liegt vielleicht die spannendste Chance von allen. Die Mineralien, die die Energiewende ermöglichen –Kobalt, Lithium, Mangan, Graphit – sind in Afrika reichlich vorhanden. Viel zu lange wurden diese Ressourcen billig abgebaut und ins Ausland exportiert, um dort verarbeitet und zu Batterien sowie Technologien weiterverarbeitet zu werden, die anschließend mit Aufpreis wieder an uns verkauft werden.

Dieses Modell muss sich ändern. Afrikanische Staaten fordern zunehmend, dass Mineralien auf dem Kontinent verarbeitet werden, dass Wertschöpfung lokal entsteht und dass die Energiewende afrikanische Arbeitsplätze und afrikanischen Wohlstand schafft. Wenn wir das richtig angehen, wird Afrika nicht nur Lieferant der globalen grünen Wirtschaft sein – wir werden in ihrem Zentrum stehen und mit unseren eigenen Ressourcen die erneuerbare Infrastruktur aufbauen, die unsere Zukunft antreibt.

Die erneuerbare Revolution ist nichts, was Afrika einfach widerfährt. Mit der richtigen Unterstützung und vorausschauender politischer Führung kann Afrika sie anführen.

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