Wer selbst First und Business Class nicht exklusiv genug findet, fliegt privat. Weltweit steigt die Nachfrage nach Privatjets, am stärksten in Indien und Australien. Bei der Tech-Konferenz in Lissabon mussten Maschinen zuletzt nach Spanien ausweichen, weil die Kapazitäten erschöpft waren. Laut Financial Times gilt der Privatjet inzwischen als der neue Lamborghini der Tech-Szene.
Klimawirkung der Premiumflieger
Premiumflug-Passagiere verursachen ein Vielfaches der Emissionen von Economy-Reisenden: Business Class rund das Dreifache, First Class bis zum Neunfachen, Privatjets sogar bis zum 14-fachen pro Passagier. Grund ist der große Platzbedarf des Premiumsegments sowie die vielen kurzen Privatjetflüge unter 500 Kilometern, die besonders klimaschädlich sind.
Die Gesamtemissionen des Luftverkehrs steigen weiter. Während Premiumreisende überproportional zum Klimawandel beitragen, haben viele Menschen im Globalen Süden, die schon heute stark von den Auswirkungen betroffen sind, nie ein Flugzeug betreten. Es erscheint daher fair, dass diejenigen, die am meisten emittieren, auch höhere Beiträge zu den Folgekosten des Klimawandels leisten.
Premium Flyers Solidarity Coalition
Deshalb haben sich während der COP30 in Belem dreizehn Länder zur „Premium Flyers Solidarity Coalition“ zusammengeschlossen. Angeführt von Frankreich und Kenia beteiligen sich Benin, Dschibuti, Nigeria, Sierra Leone, Somalia, Spanien und Südsudan. Antigua und Barbuda, Brasilien, Fidschi und Vanuatu sind zunächst Beobachter.
Die Länder führen nun Abgaben auf Premiumtickets und Privatflüge ein oder erhöhen bestehende, gestalten sie progressiver und harmonisieren sie langfristig. Staaten des Globalen Südens dürfen die Einnahmen national nutzen. Industrieländer sollen einen signifikanten Anteil dieser Einnahmen der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen an die Klimakrise im Globalen Süden widmen.
Frankreich hat seit 2006 gute Erfahrungen mit solchen Abgaben gemacht: Über UNITAID flossen bereits mehr als zwei Milliarden US-Dollar in globale Gesundheitsinitiativen. Auch andere Länder wie Chile, Kamerun und Südkorea beteiligen sich. Die Malediven – noch nicht Teil des Bündnisses – erhöhten ihre Abreisesteuer 2024 deutlich, insbesondere für Business und First Class. Trotz teurerer Tickets stiegen die Besucherzahlen im tourismusabhängigen Land 2025 um 10 Prozent und erreichten einen Rekordwert.
Steuersenkung setzt falsches Signal
Dass höhere Premiumabgaben kaum Nachfrageeinbrüche verursachen, bestätigt auch die Forschung: Sinkende Passagierzahlen in Deutschland hängen nicht mit der Luftverkehrssteuer, sondern mit anderen Standortfaktoren zusammen. Gerade im Bereich der Premiumfliegerei ist die Nachfrage preisunelastisch – das bedeutet, dass die Nachfrage kaum auf Preiserhöhungen reagiert.
Trotz dieser Erkenntnisse und der Tendenz höhere Abgaben auf Premiumflugtickets zu erheben, hat die Bundesregierung sich gerade dazu entschieden, die Luftverkehrssteuer zu senken. Dies ist somit ein reines Steuergeschenk von rund 350 Millionen Euro jährlich an die Luftverkehrsgesellschaften.
Luftverkehrsabgabe muss Anpassungsfinanzierung dienen
Deutschland sollte der Premium Flyers Solidarity Coalition beitreten, die geplante Steuersenkung zurücknehmen und die Luftverkehrssteuer progressiv erhöhen. Schlupflöcher in der Kerosinbesteuerung für Privatjets müssen geschlossen und die Abgaben angehoben werden.
Ein relevanter Teil der Einnahmen sollte in die internationale Anpassungsfinanzierung und die Bewältigung klimabedingter Schäden und Verluste fließen. Während die verletzlichsten Staaten mehr Geld benötigen und ihre Verschuldung zunimmt, schrumpfen die Klimafinanzierungsbudgets vieler Industrieländer. Solidaritätsabgaben können diese Lücke verkleinern – und jene stärker in die Verantwortung nehmen, die den Klimawandel am stärksten zu verantworten haben.
Die Premium Flyers Solidarity Coalition bietet Deutschland eine Möglichkeit, die Zusammenarbeit mit Ländern des Globalen Südens wieder zu stärken. Länder des Globalen Südens gehen in dem Bündnis voran und versuchen national Mittel zu mobilisieren. Sie haben die Erwartung an Länder wie Deutschland, dass auch diese ihren Worten Taten folgen lassen.
Am 4. Dezember 2025 wurde im Bundestag namentlich über einen Antrag zur Besteuerung von Luxusflügen abgestimmt. Nur Bündnis 90/Die Grünen und die Linke haben dafür gestimmt, die regierenden Parteien CDU/CSU und SPD geschlossen dagegen.
Wenn Deutschland und andere Industrieländer die Zusammenarbeit mit den progressivsten Entwicklungsländern mit Blick auf die COP31 im November 2026 in der Türkei wieder stärken möchte, dann bietet die Premium Flyers Solidarity Coalition einen guten Startpunkt.
Dieser Beitrag wurde zusammen mit David Ryfisch von Germanwatch e. V. verfasst.


