Der Zusammenhang von Klima, Sicherheit und Frieden fand keinen Platz in den offiziellen Verhandlungssträngen der Weltklimakonferenz COP30 im brasilianischen Belém. Dabei ist die Mehrzahl der Staaten, die die Auswirkungen der Klimakrise am stärksten spüren, gleichzeitig von Fragilität und gewaltförmigen Konflikten betroffen. Dennoch haben die COP30-Verhandlungen wichtige Themen wie Konflikt und Fragilität, Migration, Vertreibung und Flucht weitgehend marginalisiert.
All dies geschieht vor dem Hintergrund einer deutlichen Zunahme von klimabedingten Vertreibungen, die inzwischen zu 75 Prozent in fragilen und Konfliktkontexten stattfinden, in denen die Vertriebenen immer stärkeren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind. Um gegenzulenken, wurden 2023 auf der Weltklimakonferenz in Dubai mit einem „Peace Day" und der COP28-Erklärung zu Klima, Nothilfe, Wiederaufbau und Frieden erste wichtige Schritte gemacht. Im Jahr 2024 hat die COP29-Präsidentschaft Aserbaidschan mit dem Baku Call on Climate Action for Peace, Relief, and Recovery daran angeknüpft. Einen Folgeprozess dazu gab es nun 2025 in Belém nicht.
Warum es sich lohnt, Klima, Sicherheit und Frieden zusammen zu verfolgen
Dabei wäre es so wichtig, sich hochrangig und zentral auch bei den Klimaverhandlungen immer wieder dem Zusammenhang zwischen Klimawandel, Sicherheit und Frieden zu widmen. Tut man das nicht, vergibt man die Chance, den zunehmenden Krisen und gewaltförmig verlaufenden Konflikten etwas entgegenzusetzen und größere Schäden zu vermeiden. Man geht zudem das Risiko ein, für Katastrophenhilfe, Wiederaufbau und Sicherheit später sehr viel mehr Finanzmittel und Ressourcen einsetzen zu müssen, als für Prävention erforderlich wäre. Denn eins ist klar, die Klimarisiken gehen uns alle an: Wie etwa in der ersten Nationalen interdisziplinären Klimarisiko-Einschätzung (NIKE) dargelegt, haben die dramatischen Folgen der Klimakrise auf die Sicherheit der Menschen in den besonders vom Klimawandel und Konflikten betroffenen Ländern des sogenannten Globalen Südens auch direkte und indirekte negative Auswirkungen auf Frieden und Sicherheit in Deutschland und Europa.
Es ist gar nicht so schwer, diese Themenfelder zusammen zu bedenken und anzugehen. Allerdings fehlt vielfach der politische Wille. Denn wer mit Klimamaßnahmen Frieden fördern will, wirft die Frage auf, welche Prozesse den Benachteiligten wie etwa Indigenen, Frauen, anderen marginalisierten Gruppen wirklich langfristig nützen. Dann geht es auch um Machtverteilung, soziale Gerechtigkeit, ökonomische Beteiligung, Ressourcen, Sicherheit und Menschenrechte. Und es braucht die Bereitschaft, Klimapolitik konfliktsensibel aufzusetzen und für multisektorale Ansätze auch entsprechende Finanzmittel und Personalkapazitäten zur Verfügung zu stellen. Aber es ist machbar, wie einschlägige Erfahrungen und Fallbeispiele zeigen.
Gelungene Klimamaßnahmen, die auch Frieden adressieren
Ein Blick in eine aktuelle FriEnt-Publikation zeigt, wie Klima, Entwicklung und Frieden miteinander verwoben sind und wie durch unterschiedliche konfliktsensible Ansätze mit Klimamaßnahmen eine weitere Verschärfung von Konfliktdynamiken verhindert und zu friedlichen Lösungen beigetragen werden kann. Friedensförderung beginnt oft im Kleinen – dort, wo Menschen gemeinsam Lösungen entwickeln, sich zuhören und Verantwortung teilen.
So verändert beispielsweise in Dörfern in Bangladesch ein einfacher, effizienter Kochofen mehr als nur den Alltag – er fördert Frieden, Teilhabe und Vertrauen. Das Projekt „Banglar Unan“, entwickelt von der Christian Commission for Development in Bangladesh (CCDB) und gefördert von Brot für die Welt, zeigt, wie technische Innovation und konfliktsensibles Handeln gemeinsam wirken können. Durch den friedensfördernden Ansatz wurde das Projekt so gestaltet, dass es nicht nur den CO₂-Ausstoß reduziert und die Gesundheit verbessert, sondern auch sozialen Spannungen vorbeugt. Frauen aus unterschiedlichen Gruppen testeten die Öfen, brachten ihr Wissen ein und wurden zu Multiplikatorinnen in ihren Gemeinden.
Was das für Klima, Nachhaltigkeit und internationale Zusammenarbeit bedeutet:
„Banglar Unan“ und die anderen sieben Fallbeispiele in der FriEnt-Studie zeigen, wie nachhaltige Entwicklung neben Umweltschutz und wirtschaftlicher Kooperation vor allem mit konfliktsensiblen Maßnahmen zu Klimaschutz, Anpassung und Bewältigung von Klimaschäden ein Fundament für Frieden legen kann. Dafür braucht es weiterhin finanzielle Unterstützung. Die Nichterfüllung der zugesagten Mittel zur Klimafinanzierung und die angekündigten Kürzungen in Bereichen der Unterstützung von friedensfördernden Maßnahmen sind kontraproduktiv und werden uns allen zum Nachteil gedeihen, denn der Klimawandel und einhergehende Konflikte machen nicht vor unserer Haustür halt. Es liegt in unserem eigenen Interesse, mit Klimamaßnahmen Frieden zu fördern.
Für die nächsten Klimaverhandlungen COP31 bedeutet das, dass der Themenkomplex Klima-Frieden-Sicherheit einen Platz in den offiziellen Verhandlungen bekommen muss. Fragile und von Konflikten betroffene Länder müssen sowohl für die Anpassungsfinanzierung als auch in der Bewältigung der Klimaschäden besonders berücksichtigt werden. Der „Baku Call on Climate Action for Peace, Relief, and Recovery“ sollte für die COP31 wieder aufgegriffen und umgesetzt werden.


