Interview

Tschad: Keine Mittel gegen das Virus

Auch im Tschad ist das Coronavirus angekommen. Was nun? Ein Gespräch mit Dr. Ndilta, dem leitenden Arzt des Krankenhauses von Koyom.

Von Thorsten Lichtblau am

Dr. Ndilta, leitender Arzt des Krankenhauses von Koyom

Dr. Djékadoum Ndilta leitet seit 2002 das kirchliche Krankenhaus von Koyom.

Gibt es bereits Fälle von COVID-19 im Tschad?

Am vergangenen Donnerstag wurde in der Hauptstadt N'Djamena der erste Fall registriert. Mittlerweile gibt es noch einen weiteren. In unserer Region aber gibt es bislang noch keine Fälle.

Ist Ihr Krankenhaus auf die Krankheit vorbereitet?

Das Krankenhaus von Koyom hat sein Personal ausführlich informiert und sensibilisiert. Es ist in der Lage, mögliche Verdachtsfälle zu erkennen. Wir können aber selber keine Tests durchführen, sondern nur Blutproben entnehmen und sie zum Testen nach N'Djamena schicken. Und wir haben nur ein einziges Beatmungsgerät zur Verfügung, das wir im OP für die Narkose einsetzen. Darüber hinaus haben wir drei Sauerstoffgeräte, die allerdings rund um die Uhr eine sichere Stromversorgung benötigen. Das übersteigt die Kapazitäten unseres Krankenhauses.

Wie könnten Sie der Krankheit in Ihrer Region überhaupt begegnen?

Eine schwierige Frage. Wir wissen, was zu tun wäre, aber wir haben keine angemessenen Mittel, um der Krankheit hier entgegenzutreten. Alles, was wir machen können, ist, Erkrankte zu isolieren, und vorbeugende Maßnahmen der Hygiene zu ergreifen, wie etwa die Hände zu waschen oder Mundschutz zu tragen. Man muss eingestehen, dass eine Krankheit wie COVID-19 schwierig einzudämmen ist in einer Region wie der unseren, wo die Menschen auf engstem Raum zusammenleben. Die schlechten Angewohnheiten zu bekämpfen wird die große Herausforderung sein im Kampf gegen COVID-19.

Empfinden Sie das Virus als Bedrohung?

Ja, COVID-19 ist eine wirkliche Bedrohung für unser Land, wenn man sieht, dass Europa trotz all seiner Möglichkeiten so von der Epidemie erschüttert wird. Wir sorgen uns um das Schicksal der Menschen auf dem Land, die kaum Zugang zu Hygiene und sanitären Einrichtungen haben.

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