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Pestizide von Bayer und Syngenta gefährden Zehntausende in Indien

Die Chemieunternehmen Bayer und Syngenta vertreiben in Indien hochgefährliche Pflanzenschutzmittel. Dabei tragen sie nicht ausreichend Sorge, dass die Bauern über die Gefahren der Pestizide und über die nötigen Schutzmaßnahmen informiert werden.Das dokumentiert ein neuer Bericht, den Brot für die Welt gemeinsam mit dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und anderen Partnerorganisationen bei dem Experten-Team der Welternährungsorganisation FAO eingereicht hat.

 

Von Ehemalige Mitarbeitende am
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Die Chemieunternehmen Bayer und Syngenta vertreiben in Indien hochgefährliche Pflanzenschutzmittel. Dabei tragen sie nicht ausreichend Sorge, dass die Bauern über die Gefahren der Pestizide und über die nötigen Schutzmaßnahmen informiert werden.Das dokumentiert ein neuer Bericht, den Brot für die Welt gemeinsam mit dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR),  dem Pesticide Action Network Asia and the Pacific, der Erklärung von Bern (Schweiz) und der Kheti Virasat Mission, eine Organisation für Bio-Landwirtschaft aus dem Punjab (Indien) bei dem Experten-Team der Welternährungsorganisation FAO eingereicht hat.

Weltweit sind 3 Million Menschen von Pestizidvergiftungen betroffen, nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich 20.000 Menschen an den Folgen. Überproportional betroffen sind die Menschen im globalen Süden. 99 % der Todesfälle ereignen sich in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Dies liegt vor allem an fehlender Regulierung und mangelnder Aufklärung. Viele Pestizide, die auf dem europäischen Markt längst verboten sind, werden in den Ländern des globalen Südens weiterhin vertrieben, die wenigsten NutzerInnen wissen über die Risiken Bescheid.

Der Bericht analysiert sechs Pestizide, die Bayer bzw. Syngenta im Punjab, im Norden Indiens verkaufen. Die Ergebnisse beruhen auf zwei Recherchereisen, bei denen zahlreiche Bauern, Verkäufer und Ärzte befragt wurden.  Nach Ansicht der fünf Organisationen aus Europa und Asien verstoßen Bayer und Syngenta gegen den Code of Conduct on Pesticide Management der FAO. Obwohl die untersuchten Pestizide international als hochgefährlich eingestuft sind, vertreiben die Unternehmen diese Produkte ohne angemessene Aufklärung über Anwendungsform und gesundheitliche Risiken.

Im Punjab werden auf den Reis- und Baumwollfeldern Unmengen an Pestiziden eingesetzt. Allein in der Malwaregion, auch als Baumwollgürtel Indiens bekannt, werden 75 % der in Indien verkauften Pestizide verbraucht. Viele Bauern versprühen die Pestizide barfuß  und in Überdosen, die leeren Flaschen werden als Trinkflaschen weiterverwendet. Dieser Umgang ist nicht nur der Nachlässigkeit der Bauern zuzuschreiben.  Die Warnhinweise auf den Flaschen sind unverständlich, teils auch nicht in den relevanten regionalen Sprachen verfasst. Die empfohlene Schutzkleidung ist in der Umgebung nicht erhältlich. Zudem können die Hersteller bei den tropischen Temparaturen kaum davon ausgehen, dass eine Ganzkörperbedeckung bei der Arbeit auf den Feldern getragen wird. Viele Bauern leiden unter akuten Auswirkungen wie Kopfschmerzen oder Hautreizungen, darüber hinaus sind die Krebsraten in der Region erschreckend hoch. Nicht umsonst heißt der Zug aus Punjab nach Bikaner in Rajasthan unter den Bewohnern  "Cancertrain". Mindestens 60 Krebspatienten nutzen täglich diesen Zug, um sich im Krankenhaus in Bikaner behandeln zu lassen. Wissenschaftliche Studien, Medienberichte und unabhängige Untersuchungen der Regierung geben Anlass zur Annahme, dass erhöhte Krebsraten und andere Gesundheitsbeeinträchtigungen mit der massiven Pestizidnutzung in dieser Region zusammenhängen.

Brot für die Welt  fordert einen Vertriebsstopp für die hochgefährlichen Pestizide von Bayer und Syngenta. Darüber hinaus soll die FAO eine Untersuchung der Geschäftspraktiken von Bayer und Syngenta in Indien einleiten. Aber auch die Bundesregierung ist gefragt: Die Bundesregierung muss die Ausfuhr von Pestiziden kontrollieren. Unternehmen müssen gesetzlich verpflichtet werden, menschenrechtliche Risiken ihrer Tätigkeit zu identifizieren und Schäden zu verhindern, dies gilt auch für den Verkauf im Ausland. Der Nationale Aktionsplan „Wirtschaft und Menschenrechte“, den die Bundesregierung derzeit entwickelt, bietet Gelegenheit diesen Schutzpflichten nachzukommen und verbindliche Sorgfaltspflichten einzuführen.

 

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