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Eine Chance für die Nebelwälder

Gute Nachrichten aus Guatemala: Der Kongress hat Mitte März die Verantwortlichen des Nationalen Rats für Naturschutzgebiete (CONAP) aufgefordert, unverzüglich die Anerkennung der Nebelwälder in den Granadillas-Bergen im Osten des Landes als Quellschutzgebiet auf den Weg zu bringen. Für die Menschen in dieser extrem armen Region ist diese Entscheidung bedeutsam, weil sie durch den Wasserschutz ihre kleinbäuerliche Landwirtschaft weiterführen könnten.

 

Von Online-Redaktion am

Gute Nachrichten aus Guatemala: Der Kongress hat Mitte März die Verantwortlichen des Nationalen Rats für Naturschutzgebiete (CONAP) aufgefordert, unverzüglich die Anerkennung der Nebelwälder in den Granadillas-Bergen im Osten des Landes als Quellschutzgebiet auf den Weg zu bringen. Für die Menschen in dieser extrem armen Region ist diese Entscheidung unglaublich ermutigend. Denn sie weckt die Hoffnung, dass die Wälder doch noch gerettet werden können und durch den Wasserschutz ihre kleinbäuerliche Landwirtschaft weiterhin möglich sein wird. Das Wasser aus den Quellen der Berge ist nämlich für 375.000 Menschen in 119 Gemeinden im Department Zacapa (über)lebenswichtig.

Der Kampf der Gemeinden zum Erhalt der Wälder war seit jeher ein Kampf zwischen David gegen Goliath in Gestalt einflussreicher Firmen, die Profit aus dem Holzabbau schlagen. Jetzt haben es die Menschen aus den Granadillas-Bergen durch ihren festen Glauben, das unermüdliche Engagement und auch dank der Unterstützung von Brot für die Welt geschafft, den Staat, der so wenig Interesse daran hat, seine Ressourcen oder die Lebensgrundlagen der armen Landbevölkerung zu schützen, zum Handeln zu zwingen. Und das keine Minute zu spät.

Menschenrechtsverteidiger leben gefährlich

Schon im März 2013 wies der Ökumenische Christenrat Guatemalas auf die dramatische Verschärfung der Menschrechtslage im Lande hin. Vier indigene Führer waren ermordet worden, unter ihnen Carlos Hernández, der mit der Lutherischen Kirche Guatemalas (ILUGUA), Partner von Brot für die Welt, zusammenarbeitete.

In ständiger Lebensgefahr schwebt auch ILUGUA-Pfarrer José Pilar Alvarez Cabrera. Im April 2013 wurde auf ihn und weitere Personen ein Kopfgeld von 100.000 US-Dollar ausgesetzt. Außerdem konfrontierte die Staatsanwaltschaft Alvarez Cabrera und mehrere Gemeindeführer mit falschen Anschuldigungen. So befand sich der Pfarrer zum Zeitpunkt eines mutmaßlichen Vergehens 2014 nachweislich im Ausland. Trotzdem bedeuten solche Anschuldigungen jedes Mal neue Anhörungen, kosten Nerven und Zeit.

Der Kongress greift durch – endlich!

Am 18. März fand nun vor dem guatemaltekischen Kongress eine Anhörung von Mitarbeitern des Nationalen Rates für Naturschutzgebiete (CONAP) statt. Daran teil nahmen neben Pfarrer Alvarez Cabrera auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter nationaler und internationaler Kirchen, Hilfsorganisationen und Menschenrechtsvereinigungen. Die CONAP-Beamten sollten dem Kongress Auskunft darüber geben, welche Fortschritte bisher erzielt worden seien, die Granadillas-Berge und den Merendón-Gebirgszug zum Wasserschutzgebiet zu erklären. Die Antwort mit einem Wort: keine! Seit Januar 2012 hat der Rat rein gar nichts unternommen, um die Petition der Gemeinden zur Erklärung eines Quellschutzgebiets in den Bergen zu bearbeiten. Doch das wird sich nun ändern.

Wichtiger Schritt auf dem Weg zum Quellschutzgebiet

Die Tatsache, dass der Kongress den Rat zum Rapport antreten ließ, ist an sich schon beachtlich, denn in Behörden und staatlichen Gremien in Guatemala regiert immer noch das Geld. Der Unerschrockenheit und steten Lobbyarbeit von ILUGUA gemeinsam mit der Bevölkerung ist es zu verdanken, dass die CONAP-Verantwortlichen Stellung beziehen mussten und jetzt einen verbindlichen Plan über das weitere Vorgehen zur Anerkennung des Quellschutzgebietes erstellen und dem Kongress über die Fortschritte unterrichten müssen.

Jahrelange Unterstützung durch Brot für die Welt

Auch Brot für die Welt freut sich über diese Ergebnis. Das evangelische Hilfswerk unterstützt seit vielen Jahren die Lobbyaktivitäten der Lutherischen Kirche Guatemalas sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene. Immer wieder wurden Gespräche mit Abgeordneten geführt, Eilaktionen gestartet und die Presse über das Schicksal der Granadillas-Gemeinden informiert. Brot für die Welt hat die wichtige Arbeit von ILUGUA seit 2001 bis heute mit rund 700.000 Euro gefördert.

Blick in die Zukunft

Trotz des aktuellen Erfolgs – der Kampf geht weiter. ILUGUA wird weiterhin in den Gemeinden präsent zu sein, um die Kleinbauernfamilien bei der Verteidigung ihrer Rechte zu unterstützen. Auch wird sich die Organisation dafür einsetzen, das Konfliktpotenzial in der Gegend zu reduzieren und sich gleichzeitig für mehr Sicherheit in den Gemeinden stark zu machen.


„Und natürlich werden wir den Beamten keine Ruhe lassen bis sie uns zuhören und ihre Pflicht tun“, betont Alvarez Cabrera. Darum geht auch die Lobbyarbeit auf nationaler und internationaler Ebene weiter. Auf juristischer Seite wird ILUGUA gemeinsam mit dem Menschenrechtszentrum Centro para la Acción Legal en Derechos Humanos dafür kämpfen, bis die Granadillas-Berge zum Quellschutzgebiet erklärt worden sind. „Und danach“, verspricht der Pfarrer, „werden wir dafür sorgen, dass das Gebiet bis an seine äußersten Grenzen als Schutzgebiet anerkannt wird.“

 

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